Schenk
b) auf Antrag der Fraktion Die Linke zu dem Thema: „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit in Thüringen – Equal Pay Day als Mahnung und Auftrag“
Wichtiger Einwand: auch Gesundheit. Aber jetzt hier. Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete, es ist ja gar nicht so einfach auszuwählen, welche Punkte man in so einer wichtigen Debatte in den Fokus rücken will. Aber, Herr Laudenbach, wir können ja immerhin schon mal festhalten, dass sich die Aktuelle Stunde allein schon deswegen gelohnt hat, weil Ihnen Frau Dr. Urban jetzt schon einmal ein Beispiel genannt hat mit Ross und Reiterin oder Reiter – je nachdem, wie Sie mögen, wissen Sie jetzt schon einmal ein Beispiel von einer kommunalen Wahlbeamtin. Ich finde, ehrlich gesagt, diese Fragestellung, ob die wirklich die gleiche Arbeit leisten, hat eigentlich den Finger ganz schön in die Wunde gelegt, um die es ja eigentlich geht. Denn um den Equal Pay Day ranken sich ja all diese schönen Mythen, die immer mit dem allgemeinen Duktus herkommen: Na ja, am Ende ist das eben nicht so richtig die gleiche Arbeit. Und das hat ja auch die Abgeordnete Croll hier gut dargestellt. Dann wird eben versucht, mit einem bereinigten und nicht bereinigten Equal-PayIndex irgendwie zum Ergebnis zu kommen, dass eigentlich doch alles nicht so schlimm ist. Und da kann man am Ende sagen, es geht ja um die Quelle, die Quelle, die dazu führt, dass Frauen am Ende häufiger von Altersarmut betroffen sind, weil sie am Anfang weniger verdienen. Und jetzt können wir es uns natürlich politisch gemütlich machen und sagen, na ja, wenn Frauen einfach andere Berufsfelder auswählen würden oder wenn Frauen einfach sagen würden, sie nehmen die Karriere und lassen das eben mit den Kindern, dann hätten wir vielleicht dieses Problem nicht. Aber klar muss doch sein – und da hat die Abgeordnete Güngör den Finger in die Wunde gelegt –: Es geht eigentlich um unbezahlte Care-Arbeit. Denn statistisch nachgewiesen ist, dass jede Frau eine Stunde und 19 Minuten Care-Arbeit unbezahlt vollbringt, während Männer die nicht vollbringen. Das bedeutet am praktischen Beispiel, dass eben die Frau früh die vier Brotdosen für die Kinder geschmiert hat und dann Kind 1 in die Schule und Kind 2 in die Kita bringt. Und in dieser Zeit hatte der Mann im Durchschnitt die Gelegenheit, schon mal an seiner Arbeit anzukommen. Es ist nun mal biologisch so, dass die Frau die Kinder gebärt und deswegen entscheiden muss, ob sie danach eine längere Pause macht oder nicht. Deswegen ist es aus meiner Sicht völlig verfehlt, den Eindruck zu erwecken, dass Frauen selbst schuld seien, sondern das sind einfach faktische Tatsachen. Deswegen müssten wir eigentlich heute im Rahmen dieser Aktuellen Stunde viel mehr über Männer reden. Denn Männer sind auf der anderen Seite der Medaille, die ganz offensichtlich dazu beitragen müssen. Das hat ja die Abgeordnete Croll auch gesagt, das ist ein gesellschaftlicher Wandel, der notwendig ist. Und da gibt es eigentlich ganz gute Nachrichten. Sie hatten ja auf die Bilanz der Vorgängerregierung hingewiesen. Da kann man ja festhalten, dass zum Beispiel mit dem Thüringer Gleichstellungsgesetz in dem Bereich, wo wir was tun können, sich die Anzahl von Frauen, Beamtinnen zum Beispiel in Führungspositionen, erhöht hat. Man kann festhalten, dass es im federführenden Innenministerium ein Mentorinnen-Programm für Frauen in unseren eigenen Ministerien gibt und dass wir damit Stück für Stück zum Ergebnis kommen, dass Frauen häufiger in Führungspositionen sind. Mit anderen Worten: Es gibt schon politisch sehr viel zu tun, aber was ja hier sehr offensichtlich geworden ist, ist, dass es eine unterschiedliche Analyse gibt. Während die eine Seite des Hauses ganz offensichtlich zum Ergebnis gekommen ist, dass es hier tatsächlich strukturelle Defizite gibt, die man auch beeinflussen und ändern kann – sei es durch entsprechende Kinder- und Familieninfrastruktur, sei es durch den angesprochenen gesellschaftlichen Wandel –, gibt es eben auch die andere Seite, die immer wieder betont – und das haben Sie ja in Ihrer Rede sehr deutlich gemacht –, dass es vielleicht doch nicht tatsächlich die gleiche Arbeit ist. Das ist aus meiner Sicht falsch und gibt Frauen, glaube ich, auch nicht die nötige Ermutigung, die sie brauchen. Denn ein weiterer großer Mythos im Bereich „Equal Pay“ ist ja, Frauen verhandeln einfach schlechter. Ich frage mich immer so ein bisschen, wie man eigentlich dazu kommen kann, zu behaupten, dass es in Gehaltsverhandlungen irgendwie darum ginge, dass jemand doch mal entschlossen auf den Tisch gehauen hat. Am Ende sollte doch gerade das bezahlt werden, was die tatsächlich erbrachte Leistung ist. Und wenn eben die berufstätige Mutter 8.15 Uhr erst im Büro eintrifft, weil sie all die Dinge, die ich vorhin beschrieben habe, zu tun hat, hat sie einfach schlicht und ergreifend keine Zeit, weil sie nämlich nachmittags schon wieder mit der Pflege der Angehörigen beschäftigt ist. Und solange wir politisch die Möglichkeit haben, eben genau diese Dinge anzugehen, indem Kindertageseinrichtungen nämlich zum Beispiel nicht jeden zweiten Tag ein Schild draußen hängen haben „Heute geschlossen“ oder „Donnerstag und Freitag nur bis 15.30 Uhr“, indem wir es finanziell ermöglichen, was ja schon getan wurde, dass sich jeder den Zugang zum Kindergartenplatz leisten kann, indem wir uns auch gesetzlich stark machen für Quotenlösung und für flexible Arbeitszeitmodelle und eben kein Rollback machen, wenn es um Homeoffice geht, damit würden wir schon entschieden was tun, um diese Equal-Pay-Day-Lücke, die es gibt, zu schließen, um am Ende genau an dem Punkt anzukommen, um den es eigentlich geht, nämlich den Care-Gap, der am Ende ausgesprochen einfach nur bedeutet: Männer kümmern sich weniger um Familie als Frauen. Das sollte niemanden glücklich machen, wahrscheinlich auch Männer nicht. Ich hatte mit dem Abgeordneten Schard mal eine schöne Diskussion dazu, als es um Migration ging. Da hatten Sie auch dargebracht, dass die meisten Väter auch gern Väter sein wollen. Dann würde ich sagen, nehmen wir doch diese gemeinsame Grundlage und entschließen uns dazu, den Equal Pay Day genau als das zu nutzen, was er ist: ein Auftrag an den männlichen Teil der Gesellschaft, endlich ein bisschen Platz zu machen, denn Gleichberechtigung bedeutet 50 Prozent Platz für Frauen. Vielen Dank.
(Beifall BSW, Die Linke, SPD)
