Dr. med. Cornelia Urban
b) auf Antrag der Fraktion Die Linke zu dem Thema: „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit in Thüringen – Equal Pay Day als Mahnung und Auftrag“
Ich weiß jetzt gar nicht, wo ich anfangen soll. Sehr geehrte Damen und Herren, Herr Präsident, mein Vorredner hat mich quasi jetzt sprachlos gemacht. Der Gipfel war jetzt zum Schluss, dass wir Frauen irgendwie zwangsbeglückt werden wollen im Sinne der Gleichmacherei – oder so ähnlich. Also das wollen wir definitiv nicht, zwangsbeglückt werden, denn das hat hier nichts mit Glück oder mit Zwängen zu tun, sondern es geht hier um ein originäres Menschenrecht im Sinne von: Alle Menschen sind gleich. Dem folgend bedeutet es natürlich, wenn Menschen eine Arbeit leisten, dass sie dafür – für die gleiche Arbeit – gleichen Lohn bekommen. Es ist immer schwierig, wenn man als letzte Rednerin zu einem Thema am Pult steht. Ich möchte jetzt nicht alle meine Vorredner wiederholen, ich möchte Sie aber einmal mitnehmen zu einem Experiment, das ich im Internet gesehen habe, auf Instagram. Das wurde vor einigen Jahren von einem norwegischen Unternehmen initialisiert, und zwar haben die sich gesagt: Die Menschen reden immer von diesem Gender-Pay-Gap und wie kriegt man das eigentlich veranschaulicht. Ich hatte auch eben bei meinem Vorredner das Gefühl, er weiß gar nicht, worüber wir hier eigentlich reden. Es wird immer so hingestellt, als ob man da irgendwelche Regeln schaffen will, die entgegen der Natur wären oder Ähnliches. Und in diesem Experiment haben die einfach Kinder genommen, und zwar haben sie Pärchen gebildet, immer einen Jungen und ein Mädchen. Diese Pärchen haben die Aufgabe, in einem Raum einfach wie in einem Bällebad Bälle zu sortieren. Da haben natürlich die Pärchen gegeneinander konkurriert, sind also ordentlich rangegangen, haben ganz fleißig die Bälle zusammengesucht, haben die sortiert – alle in einzelne Töpfchen. Dann gab es eine Belohnung. Die Kinder freuen sich über Süßigkeiten, also gab es einen großen Topf mit Süßigkeiten. Jedes Pärchen kriegte sozusagen – jeweils der Junge als auch das Mädchen – diesen Topf Süßigkeiten. Sie können sich vorstellen, wie das aussah: Die Jungs hatten dann einen übervollen Topf und die Mädchen hatten einen eher leeren Topf. Beide hatten ja eigentlich denselben Job gemacht, beide haben die Bällchen da sortiert gehabt. Man konnte nicht erkennen, ob da jetzt einer fleißiger war als der andere. Dementsprechend guckten sich dann Junge und Mädel an und verstanden nicht so richtig, was jetzt die Message ist, also warum das jetzt so ist. Dann erklärte der Versuchsleiter den Mädchen: Na ja, du hast jetzt diesen Topf, also das ist eure Belohnung, aber das ist dein Anteil, weil du ein Mädchen bist. Dann haben natürlich die Kinder – das, was eigentlich normal ist – sich gegenseitig ungerecht behandelt gefühlt. Sie haben gesagt: Das ist nicht fair, wir haben beide dasselbe gemacht – und das kann man nicht verstehen. Ich erzähle Ihnen das, weil ich das sehr eindrücklich fand, weil wir uns irgendwie so daran gewöhnt haben, es ist für uns so normal, dass Frauen einfach mal – wir haben es gehört – Care-Arbeit machen, durch die Care-Arbeit, durch das Kinderkriegen ausfallen, in der Karriere zurückgeworfen werden und viele andere strukturelle Dinge, warum sie weniger verdienen. Sie wollten ein Beispiel. Ich kenne viele Beispiele, aber ich habe Ihnen ein prominentes rausgesucht: Bürgermeisterin von Müllheim. Die Bürgermeisterin von Müllheim hat geklagt, weil ihr Vorgänger als auch ihr Nachfolger – beides Männer – mehr verdient haben als sie. Daraufhin hat sie gesagt: Leute, das ist ja wohl auffällig: Männer vor mir und nach mir verdienen mehr als ich, die ich den Job gemacht habe. Und sie hat recht bekommen. Also es gibt dafür viele Beispiele. Nichtsdestotrotz, glaube ich, dürfen wir uns eben nicht daran gewöhnen. Ich verstehe, dass man das Ganze optimistisch betrachten will und, wie Frau Croll sagt, wir sind auf einem guten Weg. Ich finde, wenn ich das Beispiel der Kinder nehme: Ich verstehe nicht, warum wir immer noch auch die 6 Prozent in Thüringen da stehen haben. Ich finde, wir sind erwachsene Menschen. Wir können doch das, was Kinder als ungerecht empfinden, nicht richtig finden, sondern wir sollten eigentlich unseren Kindern in dem Punkt absolut folgen und diesen Equal Pay Day einfach obsolet werden lassen. Wir haben in Thüringen manches schon gut auf die Schiene gesetzt, warum können wir diese 6 Prozent nicht einfach nullen und sagen: In Thüringen ist ein Equal Pay Day nicht mehr notwendig und wir brauchen den nicht mehr. Ich denke, wir werden auf jeden Fall in den nächsten Tagen bei TOP 9 zum Thema „Geschlechtergerechtigkeit am Thüringer Arbeitsmarkt stärken“ über Maßnahmen sprechen, denn Politik muss natürlich am Ende den Rahmen setzen für diese gesellschaftlichen Entwicklungen. Es ist unsere Aufgabe, Dinge zu ermöglichen. Wir können nicht der Gesellschaft alles abnehmen, am Ende müssen wir das natürlich Hand in Hand mit Wirtschaft und mit allen anderen auch tun, aber ich kann Ihnen sagen: Die SPD-Fraktion tut das und sie wird ganz im Sinne von Frauen – denn Frauen packen in der Regel an – die Ärmel hochkrempeln und das Problem weiter angehen, sodass wir irgendwann – und ich hoffe, da kann ich hier stehen und das sagen – sagen können: Nein, wir haben keinen Equal Pay Day mehr in Thüringen. Herzlichen Dank.
(Beifall CDU, BSW, SPD)
