Ulrike Große-Röthig
Keine Gendersprache an Thüringer Schulen – Landtagsbeschluss konsequent umsetzen
Sehr geehrte Präsidentin, sehr geehrte Kolleginnen Abgeordnete, liebe Zuschauerinnen am Livestream, Sprache ist mächtig und Macht bedeutet Verantwortung. Jede Sprache hat ihre eigene Architektur und damit müssen wir uns beschäftigen, um die Realität erfassen zu können, damit wir aussprechen können, wer wir sind, was ist und was wir wollen. Mit dem Gesetzentwurf der CDU-Fraktion aus der letzten Legislatur wurde der damaligen rot-rot-grünen Landesregierung vorgeworfen, es gebe rechtliche und verbindliche Vorschriften, nach denen sich Behörden, Hochschulen und Schulen der sogenannten Binnenzeichen, wie Unterstrich und Doppelpunkt, zu bedienen hätten. Der Beweis für diese Unterstellung bleibt bis jetzt verschollen. Deshalb ein bisschen Realität für Sie, auch gerade in der AfD-Fraktion. Vorschriften für die Verwendung von Sonderzeichen zur Kennzeichnung der Geschlechtervielfalt in der Thüringer Schullandschaft gibt es nicht in Thüringen. Jetzt haben Sie hier im Plenum schon wieder nichts Besseres zu tun, als Steuergelder zu verschwenden und uns eine Genderdebatte aufzuzwingen. Schon wieder Sprachpolizei, Ihr Ernst! Damit die Zeit nicht komplett verschwendet ist, liebe Kolleginnen, möchte ich hier die Zeit nutzen, um ein paar Ergebnisse verschiedener Studien zu benennen, die positive Effekte von gegenderten Texten gezeigt haben. Welchen Job sich beispielsweise Schülerinnen zutrauen, wird auch von Sprache beeinflusst. Das zeigen Experimente mit Grundschülerinnen. Werden ihnen Berufe in geschlechtergerechter Sprache präsentiert, wie etwa in der Form „Ingenieurinnen und Ingenieure“, dann trauen sich Mädchen viel eher zu, stereotype Männerberufe zu ergreifen. Das Gleiche gilt übrigens für Jungen. Sie wählen ebenfalls häufiger stereotype Frauenberufe wie Geburtshelfer und Geburtshelferin aus. Wird in Texten gegendert, so werden Frauen gedanklich mehr einbezogen. So glauben etwa 44 Prozent der Versuchspersonen einer weiteren Studie, dass es sich um eine Frau handelt, wenn der Text, den sie lesen sollten, in geschlechtergerechter Sprache verfasst war. Bei Texten im generischen Maskulinum glaubten das nur 33 Prozent der Menschen. Wir haben hier im Hohen Haus schon einmal gehört, dass Schülerinnen durch geschlechtersensible Sprache beim Erlernen der grammatikalisch und orthografisch richtigen deutschen Sprache behindert werden würden. Heute macht es den Eindruck, dass etwas anderes zu lernen be-, ja sogar verhindert werden soll, dass gerade Frauen und Mädchen der Eindruck vermittelt werden soll, sie seien begrenzt auf das, was ihnen eine rein männliche Gesellschaft zugesteht. Genau das ist es, was passiert, wenn wir Frauen aus unserer Sprache und damit aus unserem Bewusstsein tilgen. Heute gibt es eben Ingenieurinnen, Anwältinnen, Richterinnen, Astronautinnen und auch Offizierinnen. Kommen Sie endlich damit zurecht!
(Beifall Die Linke)
Aktuell gibt es aus der Wissenschaft noch keine Empfehlung – wir haben es eben gehört –, wie und ob gegendert werden soll. Der wissenschaftliche Diskurs darüber, wie sich Sprache entwickeln soll, dauert an und hält in der Gesellschaft weiter an. Das ist gut so. Je weniger Regulierung und Bevormundung es dazu aus der Politik gibt, desto besser. Und nur zu Ihrer Information: Die Mädchen und Frauen dort draußen werden sich von Männern nicht mehr aus der Sprache tilgen lassen, egal wie viele Verbote Sie aussprechen.
(Beifall Die Linke)
Bis auf die Kolleginnen mancher Fraktionen hier im Hohen Haus scheinen das viele Menschen verstanden zu haben. Die Thüringer Landesschülervertretung, die ich hiermit ausdrücklich grüße, ließ zu dem Thema verlauten, dass sie sich die Diversität nicht nehmen lasse. Einige gendern eben, andere nicht. Und auch der Thüringer Lehrerverband hält ein Genderverbot an Schulen für grundfalsch und für ein Signal der Intoleranz. 145 Wissenschaftler/ ‑ innen der Universität Erfurt haben sich nach dem Beschluss des Landtags gegen gendergerechte Sprache im letzten Jahr in einem offenen Brief verstört gezeigt gegenüber der Politik der CDU und ihrer Kooperation mit der extrem rechten Partei, die damit gezeigt wurde. Es bleibt dabei: Einen Beschluss durchzusetzen, der verbieten soll, was gar keine Vorschrift ist, ist lächerlich und unglaubwürdig. Die Juristinnen unter Ihnen wissen, was ich meine, wenn ich sage, dass es keine Beschwer und kein Rechtsschutzbedürfnis gibt. Also, liebe Kolleginnen der Brombeere, lassen wir den Quatsch! Lehnen Sie den Antrag ab und halten Sie an Ihrem eigenen, auch im Wahlkampf oft formulierten Anspruch, dass ein jeder reden soll, wie ihm der Schnabel gewachsen ist, fest, auch hier im Hohen Hause! Ich jedenfalls hoffe, dass meine Töchter weiterhin Schulbücher haben können, in denen sie auch als Mädchen und Frauen vorkommen.
(Beifall Die Linke)
(Heiterkeit AfD)
Wenn ich hier die rein weibliche Form der Ansprache verwendet habe, dürfen sich die männlich gelesenen Personen im Haus selbstverständlich mitgemeint fühlen.
(Beifall Die Linke)
