Robert-Martin Montag
Das stille Leiden an ME/CFS beenden: Forschung, Versorgung und Aufklärung stärken
Werte Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen, vielen Dank für die sehr profunde Auseinandersetzung mit dem Thema – bis auf einen Redner. Wir sehen, wie weit wir hier gekommen sind über die Beschäftigung mit den Fragen eigentlich seit 2021, wo wir auch als FDP dann am Ende – gemeinsam natürlich – die Long-COVID-Ambulanz in Jena am UKJ eingeführt haben. Heute ist ein wichtiger Tag, auf den wir auch alle stolz sein können. Denn hier liegt ein Antrag vor, der zwei Jahre Bearbeitung gedauert hat, der sehr profund und auch mit der notwendigen Ernsthaftigkeit bearbeitet worden ist. Heute ist auch Long COVID Awareness Day mit Demonstrationen vor dem Bundestag, vor anderen Parlamenten. Thüringen ist hier tatsächlich Spitzenreiter, weil wir mit diesem ganz konkreten Antrag die Ersten sind, die bundesweit ganz konkret mit konkreten Maßnahmen sowohl Forschung, Versorgung als auch Aufklärung verbessern. Heute sind wir, ist dieser Thüringer Landtag Ort der Hoffnung für viele Betroffene, die uns auch zuhören.
(Beifall Gruppe der FDP)
Versorgungsfragen sind eben dann ziemlich konkret. Dieser Landtag macht sich auf den Weg und stärkt die Fragen „Forschung, Versorgung und Aufklärung hinsichtlich ME/CFS und Long COVID“ und auch für Patienten vom Post-Vac-Syndrom. Das ist doch klar, denn die Versorgungsstrukturen sind für alle da. Aber was tun wir ganz konkret, was die bundesweit führenden Expertinnen und Experten dazu veranlasst hat, zu sagen, dass wir in Thüringen damit eine Blaupause für andere Bundesländer liefern? Erstens stärken wir die Forschung zu ME/CFS und Long COVID in Jena und dort ganz explizit die Einführung einer Tenure-Track-Professur auf dem Gebiet von ME/CFS und ähnlichen postinfektiösen Erkrankungen am Klinikum. Denn es gibt in diesem Bereich noch viel zu wenig Nachwuchsforscher – auch ein Problem, warum beispielsweise viele Forschungsgelder nicht sofort ganz konkret umgesetzt werden können. Für die Forschung sind auch Ausschreibungen zur Förderung von Verbundforschung, zur Ursachenbehandlungsmöglichkeit und zu optimalen Versorgungsstrukturen dringend notwendig.
(Beifall Gruppe der FDP)
Ein zweiter zentraler Punkt sind natürlich konkret Behandlungs- und Versorgungsstrukturen, die wir in Thüringen verbessern und auch aufbauen wollen. Denn um den Zugang zu Experten zu ermöglichen, also zu wissen, wo bekomme ich eigentlich Hilfe, wird in Thüringen ein regional und fachlich gegliedertes Verzeichnis über Ärzte mit spezifischer Expertise zu ME/CFS sowie eben Long COVID zu erstellen sein. In Thüringen sollen auch geeignete Strukturen und multidisziplinäre Teams aufgestellt sowie klinische Anlaufstellen und Angebote in der aufsuchenden Versorgung zu Hause für Menschen mit ME/CFS, Long COVID und Post-Vac geschaffen werden, um eben die prekäre Versorgungslage für die Erkrankten, die häufig das Heim nicht verlassen können, zu verbessern. Da wollen wir natürlich auch – klar, das ist ein Antrag der FDP – die Digitalisierung nutzen, wir wollen ein ME/CFS-Telemedizin-Telekonsil-Netzwerk aufbauen und zusätzliche Behandlungsmöglichkeiten schaffen, damit das sogenannte Pacing vermittelt werden kann, eine Anpassung an das Aktivitätsniveau der Patientin. Drittens initiieren wir eine landesweite Aufklärungs- und Sensibilisierungskampagne. Hierzu soll eine Arbeitsgruppe unter Federführung der Landesgesundheitskonferenz in Thüringen gegründet werden. Dabei sollen die Patientenorganisationen eingebunden werden – auch das ist ein ganz konkreter Schritt, auf den viele Patientinnen und Patienten schon lange warten –, die Deutsche Gesellschaft für ME/CSF, ME/CFSFatigatio, Lost Voices Stiftung, #MillionsMissing Deutschland sowie POTS und andere Dysautonomien e. V., also all diejenigen, die uns mit ihrer persönlichen Erfahrung und ihrem Blickwinkel das Thema in der Anhörung so deutlich vor Augen geführt haben. Ich möchte allen danken, die daran mitgewirkt haben, auch Frau Prof. Scheibenbogen, Frau Prof. Behrends und allen anderen, die sich dieses Themas angenommen und uns mit ihrer profunden Kenntnis heute zu dieser Entscheidung geführt haben. Ja, Bundespolitik ist wichtig. Deswegen sind auch Fragen, die auf diese Ebene zielen, in dem Antrag angesprochen, beispielsweise in der ambulanten spezialfachärztlichen Versorgung. Aufgrund der Komplexität des Krankheitsbilds will ich jetzt gar nicht im Detail darauf eingehen. Aber eines möchte ich noch sagen: ME/CFS, Long COVID, Post-VacSyndrom und andere Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen müssen eben zusammengedacht werden. Und es kann dann eben nicht sein, dass beispielsweise das BfArM eine …
