Hoffmann
Wer das Land ernährt, verdient Respekt – Mobile, stressfreie Schlachtungsmethoden unterstützen
Sehr geehrter Herr Präsident, Kolleginnen und Kollegen, liebe Zuschauer hier und am Livestream, der Antrag wurde im Dezember 2022 zwar ohne Aussprache, aber einstimmig an den Ausschuss überwiesen. Dort wurde nach einer sehr interessanten Anhörung ebenfalls einstimmig die Annahme beschlossen. Denn mit dem Antrag wird in der Tat eine sehr zu begrüßende Angelegenheit unterstützt, nämlich zur Vermeidung unnötiger Tiertransporte mobile oder teilmobile Schlachtungsmethoden zu etablieren, dafür ein rechtssicheres Genehmigungsverfahren zu erarbeiten sowie den Weideschuss zu entbürokratisieren. Die mobile Schlachtung oder teilmobile Schlachtung stellt eine Verknüpfung von Tierwohl und Fleischproduktion dar. Mit dem Antrag wird diese Art der Schlachtung parlamentarisch unterstützt, und das ist gut so. Wie zum Beispiel in Schweden könnte es in Thüringen zumindest in Serie produzierte Schlachtboxen geben, die das Tierleid beim Transport verhindern und – auch ganz wichtig – regionale Kreisläufe unterstützen. Dass das Potenzial für die Mobilschlachtung in Thüringen ausbaufähig ist, zeigt die Antwort auf meine Kleine Anfrage 7/3506. Ich zitiere: „Mit Stand 13. Juli 2022 ist in Thüringen weder ein vollmobiler Schlachthof zugelassen, noch ist ein solcher nach aktuellem Kenntnisstand des Thüringer Landesamtes für Verbraucherschutz in Thüringen im Einsatz. Bezüglich des Einsatzes sogenannter mobiler Einheiten als Teil zugelassener Schlachthöfe […] befinden sich momentan drei solcher Einheiten im Antragsverfahren auf Genehmigung.“ Wie andere Anfragen von mir darlegen, werden Nutztiere aus Thüringen zum Teil auf sehr lange letzte Reisen geschickt. So werden die Tiere nicht nur in die Schweiz und nach Serbien transportiert, sondern auch in den Libanon, nach Marokko, in den Irak und nach Aserbaidschan. Allein schon im Sinne des Tierschutzes sollte die mobile Schlachtung daher ausgebaut werden. „PROVIEH“ schreibt dazu – ich zitiere –: „Sowohl beim Transport als auch vor und während des Schlachtvorganges gibt es zahlreiche ‚Fehlerquellen‘, die zu großen und vermeidbaren Leiden und Schmerzen führen. Und selbst ein bestmöglicher, schonender Transport und ein professionell geführter Schlachthof bedeuten durch das Herausnehmen aus der vertrauten Herde und Umgebung noch immer Stress für die Tiere. Der Transport selbst, der Umgebungswechsel, die Wartezeiten beim Transport und vor der Schlachtung, häufig mit fremden Tieren […] zusammen auf engstem Raum, haben einen erheblichen Anteil.“ Die Veterinärmedizinische Fakultät in Leipzig untersuchte dazu von Juli 2022 bis Dezember 2023 in einem Projekt die Cortisolkonzentration im Blut, Speichel und Muskulatur der toten Tiere, um deren Stresslevel kurz vor der Schlachtung festzustellen und die Auswirkung des Stresses auf die Qualität des Fleisches beurteilen zu können. Ich zitiere aus der Studie: „Tiere werden nicht selten mehrere Stunden transportiert – aus Kostengründen oder weil es logistisch durch die Zentralisierung der Schlachthöfe nicht anders möglich ist. In dieser Zeit empfinden sie Stress – eine Tatsache, die viele Landwirte für ihre Tiere nicht mehr hinnehmen möchten. Ein Trend, der sich gerade herausbildet, ist daher das mobile, hofnahe Schlachten. Es trägt nicht nur zu mehr Tierwohl bei, sondern auch zu größerer Regionalität […].“ Eine Untersuchung des Unternehmens „Land.Luft“ aus Bayern in den Jahren 2017 und 2018 besagt dahin gehend Folgendes: Bei der Untersuchung von 66 Mastschweinen aus ganzjähriger Freilandhaltung wurden keine Probleme wie Technopathien und Verletzungen durch Kannibalismus dokumentiert. Aufgrund Laktatmessungen im Blut und Cortisolmessungen im Speichel wurde eine nahezu stressfreie Schlachtung festgestellt. Die Fleischqualität wurde als sehr gut befunden. Noch ein Wort zur Situation der Schlachtstätten: In nicht einmal zehn Jahren hat sich die Zahl der Schlachtbetriebe in Thüringen halbiert. Im Frühjahr 2023 waren noch etwa 100 Betriebe angemeldet. Viele Mittelständler haben aufgegeben oder werden aufgeben. Das mobile Schlachten trifft in Thüringen auf einen nahezu kahl gefegten Schlachtstättenmarkt im ländlichen Raum, kahl gefegt aufgrund von Wettbewerbsdruck, Abgabenlast und Bürokratie – also alles politisch induziert. Im EU-Wettbewerb konnten sich Unternehmen nicht halten, sodass Tiere – wie eben schon ausgeführt – aus Thüringen in andere Bundesländer oder ins Ausland transportiert werden mussten, um dort geschlachtet zu werden, was dann den Stress hervorruft. Dem wird durch die teilmobile oder mobile Schlachtung zumindest ein Stück entgegengewirkt. Wir stimmen dem Antrag zu. Vielen Dank.
(Beifall AfD)
