Franziska Baum
Berufliche Bildung durch mehr Eigenverantwortung stärken – Modellprojekt „Eigenverantwortliche Berufsschule“ starten
Vielen Dank, Frau Präsidentin. Liebe Kolleginnen und Kollegen, erst einmal vielen Dank für die kritische Debatte. Schon Seneca hat gesagt: Fragen sind manchmal wichtiger als Antworten. Wenn wir über Berufsschulen sprechen, sprechen wir natürlich auch thüringenweit über teilweise unterschiedliche Herangehensweisen und auch unterschiedlichen Stand. Das hängt mit dem komplexen System des Schulsystems zusammen, welcher Schulträger sich wie engagiert um seine Berufsschulen kümmert. Das ist aber auch Teil des Problems. Nordthüringen ist nun wieder ein gutes Beispiel. Die arbeiten relativ eng zusammen. Herr Wolf hat gerade den Tag in der Praxis angesprochen. Das ist eine Initiative, die aus den Berufsschulen und den Wirtschaftsverbänden in Nordthüringen entstanden ist. Es ist auch aus den Regelschulen.
(Beifall Gruppe der FDP)
Das ist eine Initiative von – es ist schön, dass das Ministerium das weiter mit unterstützt, aber es ist mir schon auch noch mal wichtig, dass da ganz viel Engagement aus der Region gekommen ist, um das voranzubringen. Wenn ich mir an anderen Stellen Berufsschulen anschaue, wie die Struktur ist, wie die Ausstattung ist, wie teilweise mit den Herausforderungen umgegangen werden muss, die die unterschiedlichen Schülerinnen und Schüler dort mitbringen, dann ist, um Herrn Wolf zu zitieren, vielleicht die Zerstörung des etablierten Systems die einzige Chance, die wir haben, um irgendwie ein Stück voranzukommen. Denn momentan zerreiben sich Schulen und gerade Berufsschulen und gerade auch in der Debatte des Berufsschulnetzes, welche Schule bleibt, welche darf nicht, zerreiben die sich zwischen Land und Schulträger bei den Fragen: Bekommen sie nun noch ein Sonnenrollo oder bekommen sie kein Sonnenrollo? Bekommen sie eine digitale Tafel oder doch nur die, die irgendwo anders abgefallen ist? Also wir haben sehr unterschiedliche Situationen in den Berufsschulen. Ich nehme Ihre Argumente durchaus zur Kenntnis. Wir haben alle eine unterschiedliche Sichtweise auf die Sachen. Wenn Sie sagen, Herr Wolf, dass die Nordthüringer das gar nicht so wollten, wie wir das geschrieben haben, dann ist das natürlich richtig, weil die Nordthüringer Berufsschulen sich natürlich in dem System, was sie momentan haben, überlegen, wo sie mehr Eigenverantwortung, mehr Spielraum für sich herausholen können. Wir wollen einen Paradigmenwechsel. Wir wollen an manchen Stellen einfach ein Stück weit heraus aus diesen Verschränkungen, die in den Strukturen Schulen teilweise lähmen.
(Beifall Gruppe der FDP)
Wir sagen nicht, dass die Etablierung eines Modellprojekts jetzt irgendwie alle Defizite aufhebt, aber wir können damit zumindest Möglichkeiten testen, wie wir Schulen mehr Beinfreiheit in der Schulentwicklung, in der Ausstattung, in der Zusammenarbeit etc. ermöglichen können.
(Beifall Gruppe der FDP)
Deswegen bin ich froh, dass Sie bereit sind, das thematisch zu diskutieren. Ich bin auch gespannt, wie die Anzuhörenden darauf reagieren. Möglicherweise ist es ja – zumindest Teile davon – eine Art kreative Lösung, wie sie Denny Möller vorhin angesprochen hat. Wir können natürlich darüber diskutieren, ob eine volle Rechtsfähigkeit oder eine Teilrechtsfähigkeit oder ob andere Wege der Eigenverantwortung da sinnvoller zu etablieren sind als – sagen wir mal – eine volle Rechtsfähigkeit in einer unternehmerischen Struktur, die natürlich in der aktuellen Struktur eine Herausforderung und auch ein Stück weit ein Fremdkörper sein würde. Das ist mir durchaus bewusst. Mir wäre es aber wichtig, dass wir gerade in dem Bereich, in dem wir über Berufe, über Unternehmen, über Wirtschaft sprechen, einfach die Diversität, die an beruflichen Schulen abzubilden ist, ernst nehmen. Dort werden ja nicht nur duale Ausbildungsgänge umgesetzt, sondern da werden Abiturprüfungen abgelegt, da werden vorbereitende Kurse absolviert für Schülerinnen und Schüler, die nicht über das übliche Schulsystem in Thüringen gelaufen sind. Insofern ist das sehr divers und ich habe manchmal den Eindruck, dass gerade auch – sagen wir mal – die personelle Untersetzung, die sich im Ministerium wiederfindet, auf jeden Fall den Anforderungen, die in den Berufsschulen herrschen, nicht gerecht wird. Aus unserer Sicht ist die Etablierung des Modellprojekts zur Stärkung der Eigenverantwortlichkeit der Berufsschulen ein erster Schritt zu einer weiteren Veränderung in den Strukturen, hin zu mehr Eigenverantwortung. Wenn es uns gelingt, mehr an schulischer Eigenverantwortung an beruflichen Schulen zu implementieren, dann ist das auch eine Chance, das Bildungssystem an anderen Stellen resilienter zu machen. Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich hoffe, es richtig vernommen zu haben, dass wir das im Ausschuss weiter diskutieren. Ich danke Ihnen herzlich dafür. Für uns Freie Demokraten gilt: Wer den Mittelstand von morgen unterrichtet, der sollte auch wie der Mittelstand agieren dürfen, nämlich mit Eigeninitiative und Selbstbestimmung. Und das ist das, wofür wir uns an dieser Stelle einsetzen. Vielen Dank.
(Beifall Gruppe der FDP)
