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Christian Tischner

CDU 07.12.2023 Sitzungen 7/123

Berufliche Bildung durch mehr Eigenverantwortung stärken – Modellprojekt „Eigenverantwortliche Berufsschule“ starten

Frau Präsidentin, meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Schülerinnen und Schüler auf der Tribüne und Zuschauer am Livestream! Ja, wir haben jetzt wieder mal erlebt, dass man kein Lehrer sein muss, um als Oberlehrer hier im Landtag aufzutreten, Herr Wolf. Es hätte Ihrem Antrag, glaube ich, gutgetan, auch ein bisschen zur Sache zu reden. Ich finde es gut, dass wir heute wieder mal zu zwei Schularten sprechen, jetzt in diesem Tagesordnungspunkt zum Thema „Berufsschulen“ und im nächsten Tagesordnungspunkt über das Thema „Regelschulen“, zwei Schularten, die von dieser Landesregierung in den letzten neun Jahren massiv im Schatten behandelt wurden. Die haben es endlich verdient, mehr in den Fokus zu geraten. Deswegen ist auch der Vorschlag, den die FDP hier bringt, auf jeden Fall diskussionswürdig. (Beifall Gruppe der FDP) Um das vorweg zu sagen: Wir wären auch dafür, das im Ausschuss gemeinsam weiter zu beraten. In der Tat, die berufliche Bildung ist die Grundlage für den persönlichen Erfolg, für den persönlichen Wohlstand, für den persönlichen Aufstieg jedes Menschen, (Zwischenruf Abg. Reinhardt, DIE LINKE: Die Grundlage ist das Elternhaus!) aber die berufliche Bildung ist eben auch die Grundlage für den wirtschaftlichen Wohlstand, für den wirtschaftlichen Erfolg. Wenn man sich vor Augen führt, dass 80 Prozent aller Berufe oder aller Erwerbstätigen in Thüringen aus einer dualen Ausbildung kommen, also aus dem berufsbildenden Bereich, dann sieht man auch, wie wichtig die Berufsschulen für unser Thüringer Bildungssystem sind und auch in Zukunft sein werden. Der Vorschlag der FDP nimmt einen Teil heraus und setzt auf strukturelle Veränderungen. Ich muss sagen, ich bin eigentlich sehr skeptisch, wenn es darum geht, immer wieder an den Strukturen herumzurütteln. Wir haben in den letzten 15 Jahren, seitdem die SPD das Kultusministerium führt und dann auch über die linken Bildungsminister, die dort regieren, erlebt, dass es eben nicht zur Qualitätsverbesserung beiträgt, wenn ständig an den Strukturen herumgeschüttelt und verändert wird, (Beifall CDU) sondern, im Gegenteil, man sieht es ja jetzt bei den Bildungsumfragen, nicht nur bei dieser, sondern auch bei denen vorher, dass genau das Gegenteil passiert. Wer an den Strukturen schüttelt, der reduziert die Bildungsqualität. Aber das Thema der eigenverantwortlichen Schule ist durchaus eines, was mir sehr einleuchtet, weil eigenverantwortliche Schulentwicklung dazu beiträgt, dass Schulentwicklung von unten passiert und nicht von oben aufgestülpt wird. PISA hat uns ja diese Woche gezeigt, dass die Länder ganz erfolgreich sind, die den Schulen vor Ort Beinfreiheit geben, Möglichkeiten geben, sich um Personal zu kümmern, um Ressourcen zu kümmern, um Ausstattung zu kümmern. Deswegen ist der Ansatz mit Sicherheit diskussionswürdig. Die Herausforderungen in unseren Berufsschulen sind vielfältig. Unsere Berufsschulen müssen Antworten liefern auf den Fachkräftemangel, der massiv in den nächsten Jahren – nicht Jahrzehnten, sondern in den nächsten Jahren – auf unsere Unternehmen in Thüringen zukommen wird. Die andere große Herausforderung, die für unsere Berufsschulen besteht – wie natürlich für alle Schularten, aber in den Berufsschulen ganz besonders, neben den Regelschulen –, ist das Thema des Lehrermangels. Über 120 Kolleginnen und Kollegen Berufsschullehrer, die jedes Jahr in den Ruhestand gehen, aber nicht mal ein Dutzend Kollegen, die dann klassisch über die Universitäten in Thüringen für das Berufsschullehramt fertig werden. Eine große Herausforderung ist auch die Digitalisierung. Auch dazu sollten wir im Ausschuss mit den Beteiligten noch intensiver reden. Die Digitalisierung der Berufswelt hat letztendlich riesen Auswirkungen auf die Digitalisierung der Berufsschulen, was eine große finanzielle Herausforderung sein wird. Aber auch die praxisnahe Ausbildung ist ein großes Thema, die müssen wir verstärken. Da gibt es gute Modelle, die jetzt beispielsweise hier am Schulamt Nord begonnen worden sind. Ich glaube aber auch, dass das Thema „Berufsorientierung“ (Zwischenruf Abg. Wolf, DIE LINKE: Dann könnt ihr doch unserem Schulgesetz zustimmen!) – dann müsst ihr ein ordentliches Gesetz vorlegen, dann können wir auch zustimmen – (Zwischenruf Abg. Wolf, DIE LINKE: Ihr müsst es nur richtig lesen!) nicht nur an den allgemeinbildenden Schulen, sondern auch an den berufsbildenden Schulen eine große Rolle spielen wird. Wir sind dafür, den Berufsschulen die notwendigen Ressourcen zur Verfügung zu stellen, damit sie diesen Aufgaben auch gerecht werden können. Es kommt darauf an, den Berufsschulen auch über flexible Lehrpläne, über noch mehr Modularisierung Beinfreiheit zu geben. Und wir müssen stark darauf setzen, dass die Berufsschulen über ihre Lehrpläne das selbstgesteuerte Lernen und das lebenslange Lernen tatsächlich leben und fördern können. Es gibt große Baustellen, die angegangen werden müssen, dass die Partnerschaften zwischen Unternehmen und Schulen effektiver werden müssen, denn wir erleben immer wieder, dass das, was in der Schule in der Theorie unterrichtet wird, dann in der Praxis nicht so funktioniert. Und es kommt sehr darauf an – da hat Thüringen nicht nur im Berufsbildungsbereich ein großes Defizit –, die Lehrerqualifizierung, die Fortbildung und die Weiterbildung auf ordentliche Füße zu stellen. Nur so werden wir es schaffen, unser Berufsbildungssystem attraktiv und zukunftsfähig zu halten. Vielen Dank. (Beifall CDU)

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