Dr. Thadäus Rudolf König
Stärkung der dualen Ausbildung durch eine moderne Berufsorientierung in Thüringen – Unterstützung für die Fachkräfte von morgen
Sehr geehrter Herr Präsident, werte Kolleginnen und Kollegen Abgeordnete, am Anfang war die Einbringung, jetzt kommen wir natürlich zum Redebeitrag. Meine Vorredner haben schon gezeigt, dass es goldrichtig von der CDU-Fraktion war, dieses Thema hier auf die Tagesordnung zu holen,
(Beifall CDU)
denn was, glaube ich, alle Redner hier geeint hat, war, dass wir die Berufsausbildung in Thüringen stärken müssen. Dazu haben wir die Initiative gegeben, Rot-Rot-Grün ist dann mit einem Alternativantrag darauf eingegangen. Ich habe vorhin gesagt, unser Antrag ist aus dem Dezember 2022, der Alternativantrag aus dem April/Mai, also ein halbes Jahr später. Ich glaube, was deutlich geworden ist: Rot-Rot-Grün wollte das nicht so einfach stehen lassen, dann hat man versucht, viele Sachen zusammenzusuchen und einen Antrag daraus zu schustern. Aber wenn man genau in beide Anträge reinschaut, wird deutlich, dass bei Rot-Rot-Grün eher Prüfaufträge, Empfehlungen verteilt werden und dass es bei uns dann doch konkreter ist, wenn wir in die Maßnahmen schauen. Das eine Thema, das ich ansprechen will, ist natürlich erst mal die Problembeschreibung. Das ist hier deutlich geworden: Wir sind stark betroffen vom demografischen Wandel in Thüringen und die Gesamtheit der Jugendlichen unter 25 Jahren hat sich massiv reduziert. Das hat schon von vornherein Auswirkungen auf die Zahl der Ausbildungsverträge, die geschlossen werden können. Gerade vor diesem Hintergrund können wir es uns nicht leisten, dass wir in der Berufsorientierung nicht zu 100 Prozent richtig agieren, sondern wir müssen schon die Jugendlichen, die wir haben, in die richtigen Berufe führen. Denn einen Fakt haben wir hier noch nicht angesprochen: Wir haben bei den Ausbildungen in Thüringen eine Abbrecherquote von 27 Prozent, also ein Viertel der Ausbildungsverträge wird nicht bis zum Ende erfüllt und es finden Abbrüche statt. Das hängt ganz stark auch mit beruflicher Orientierung zusammen. Ich habe vorhin schon gesagt, ein konkretes Beispiel ist der österreichische TalenteCheck, wo die Eltern mit eingebunden werden. Denn Studien zeigen, dass teilweise die Talente bei jungen Menschen anders liegen, als ihre Eltern denken. Einige Eltern – das darf man auch nicht vergessen – kamen auch aus einer Zeit der Arbeitslosigkeit, gerade hier bei uns im Osten. Da war ein Übergangssystem, aber es waren auch einzelne Berufe – auch durch schlechte Bezahlung, das ist natürlich auch ein Fakt – nicht gut angesehen, was aber heute ganz anders ist. Wenn wir ins Handwerk schauen: Wer heute eine Handwerksausbildung macht, einen Handwerksmeister danach macht, der hat teilweise bessere Entwicklungschancen als bei einem Studium in bestimmten Bereichen.
(Beifall CDU)
Also man muss auch da eine Lanze brechen, dass es mehr Potenziale gibt, die es vielleicht vor 20 Jahren nicht gegeben hat, weil es genug Maurer gab, weil es genug Elektriker gab, weil es genug Klempner gab. Heute ist das ganz anders und das muss man deutlich machen und den Eltern auch sagen, die Zeiten haben sich gewandelt. Nun kommen wir beim nächsten Faktor an: Ich glaube – davon bin ich fest überzeugt –, dass die Unternehmen erkannt haben, dass, wenn sie nicht ausbilden, die Zukunft ihres Unternehmens auf dem Spiel steht, weil sie niemanden mehr finden. Deswegen investieren sie in die Köpfe in ihrem Unternehmen. Wenn man in die Ausbildungsbereiche reinschaut, was machen denn gerade große Unternehmen? Da wird teilweise sogar für Auszubildende ein Dienstwagen mit angeboten, damit sie im ländlichen Raum zur Ausbildungsstelle kommen. Da passiert ganz viel und da, denke ich, sind die staatlichen Eingriffe nicht das Essenzielle, sondern das Essenzielle ist wirklich die Orientierung, zu sagen, hier sind deine Chancen, die Chancen sind nicht nur im akademischen Bereich, sondern sie sind auch im Bereich der Ausbildung. Die schulische Ausbildung – das hat Kollege Möller angesprochen – ist auch ein wichtiger Faktor. Wir haben ungefähr knapp über 30 Prozent der Ausbildung in Thüringen, die im schulischen Bereich stattfindet. Da möchte ich mal daran erinnern, wie hart wir hier für die Schulgeldbefreiung in den Gesundheitsfachberufen gekämpft haben, was auch eine Initiative der CDU-Fraktion war.
(Beifall CDU)
Dass da der Weg noch nicht zu Ende gegangen ist, ist auch vollkommen klar. Wir haben hier wirklich verschiedene Bereiche, die wir betrachten müssen: Wir haben die schulische Ausbildung, wir haben die duale Ausbildung, aber wir haben auch das Übergangssystem. Das Übergangssystem in Thüringen ist so gestrickt, dass dort keine Qualifizierungen stattfinden, sondern das ist eher ein Übergang in einer Sozialstruktur, aber nicht in der Qualifikation. Das müssten wir uns auch genau anschauen, weil viel zu viele ins Übergangssystem einmünden, gerade wenn sie keinen Abschluss haben. Da sind wir beim nächsten Problem, das habe ich auch schon angesprochen: 9,5 Prozent der Schulabgänger in Thüringen haben keinen Abschluss und das darf nicht sein.
(Beifall CDU)
Das war auch schon mal niedriger und der Weg, den man geht, wenn man keinen Abschluss hat, der ist natürlich auch in Teilen vorprogrammiert. Der führt in den seltensten Fällen in eine Ausbildung, in den meisten Fällen, wenn es gut läuft, in das Übergangssystem oder auch in Teilen in die Arbeit. Dann wundern wir uns, warum wir Leute nicht qualifizieren können, wenn sie die Ausbildung nicht haben. Wir müssen es schaffen, die Jugendlichen, die wir haben, das Potenzial, das wir haben, komplett auszuschöpfen. Dafür müssen wir bei der Berufsorientierung besser werden und wir müssen diejenigen, die unsere Unterstützung brauchen, auch stärker fördern. Deswegen haben wir in unseren Antrag auch mit Blick auf den Bund geschrieben, dass wir natürlich über die Berufsausbildungsbeihilfe reden müssen, die Mieten sind überall gestiegen, dass wir Auszubildende, die nicht an ihrem Heimatort eine Ausbildung aufnehmen können, unterstützen. Es geht auch um Internatsplätze – das ist auch in dem rot-rot-grünen Antrag –, was für uns sehr wichtig ist. Also, wir müssen das System drumherum so bauen, dass Jugendliche in Thüringen beste Möglichkeiten haben, und wir müssen davon weg, nur in Richtung Akademisierung zu gehen, sondern müssen viel, viel stärker auch in Richtung duale Ausbildung gehen.
(Beifall CDU)
Es wurde eben auch schon angesprochen, der Fachkräftebedarf, den wir in Thüringen haben, bezieht sich zu 73 Prozent auf Berufe in der dualen Ausbildung. Da kann man sich ausrechnen, was in den anderen Bereichen übrigbleibt, im akademischen. Also, deswegen liegt dort für uns ein ganz klarer Schwerpunkt. Deswegen liegt der Fokus in unserem Antrag auf Berufsausbildung und Berufsorientierung. Wir freuen uns auf die Diskussion im Ausschuss. Vielen Dank.
(Beifall CDU)
