Dr. Böhler
Eine Pädagogische Hochschule für Thüringen: Lehrerberuf aufwerten, Lehramtsstudium attraktiv und praxisnah gestalten!
Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Abgeordnete, für die Landesregierung nehme ich zum Antrag der AfD in der Drucksache 7/6579 wie folgt Stellung: Attraktive Studienangebote im Land für die angehenden Lehrerinnen und Lehrer, das ist der Landesregierung ebenso ein wichtiges Anliegen wie den Thüringer Hochschulen, denn nur durch eine attraktive und praxisnahe Lehrerbildung können wir die Lehramtsstudierenden für ihren späteren Beruf qualifizieren und begeistern. Ja, diese qualitativ hochwertige Lehrerbildung ist notwendig, um den Lehrerbedarf auch mittel- und langfristig zu sichern. Aber nein, die Gründung einer neuen Pädagogischen Hochschule würde nicht automatisch zu mehr Lehrerinnen und Lehrern bzw. Studierenden im Lehramt führen. Lassen Sie mich eingangs betonen, dass die Lehrerausbildung in Thüringen einen sehr hohen Stellenwert genießt, sowohl an den Hochschulen als auch im gesamten Land. Die Lehrerbildung ist in Thüringen ein zentrales Thema der Vereinbarung zwischen dem Land und den Hochschulen, insbesondere in der Rahmenvereinbarung V und in den Ziel- und Leistungsvereinbarungen mit den maßgeblich für die Lehrerbildung verantwortlichen Hochschulen FSU Jena und Universität Erfurt. Auch in der sogenannten Verpflichtungserklärung Thüringens zum Zukunftsvertrag stellt die Lehrerbildung einen Schwerpunkt dar. Dort wird im Schwerpunkt 4 insbesondere das Ziel verfolgt, für die Profilierung der Hochschullandschaft und den Fachkräftebedarf des Landes wichtige Fächergruppen, darunter die Lehramtsstudiengänge, zu unterstützen und für qualitative Verbesserungen zu sorgen. Die Orientierung der fachbezogenen Studienplatzkapazitäten am künftigen Ersatzbedarf der Thüringer Schulen an Lehrkräften ist dabei ein wesentlicher Aspekt. Bereits das Eckpunktepapier – Herr Liebscher hatte schon darauf hingewiesen – der Allianz für Lehrerbildung vom Oktober 2019 machte deutlich, dass ein gemeinsames Interesse des Landes und der Hochschulen an einer zeitgemäßen und bedarfsorientierten Qualifizierung der zukünftigen Lehrerinnen und Lehrer besteht. Entsprechend entwickeln das Land und die lehrerbildenden Hochschulen die Lehrerbildung in Thüringen substanziell weiter. Die Notwendigkeit einer ständigen Weiterentwicklung der Curricula ergibt sich insbesondere aufgrund der ständig wachsenden Kompetenzanforderungen an eine künftige Lehrkraft. Ich nenne exemplarisch die Themen „Heterogenität“, „Inklusion“, „Digitalisierung“ und „Medienbildung“ sowie „Deutsch als Zweit- und Fremdsprache“, die in den inhaltlichen Säulen der Lehrerbildung – Fachwissenschaften, Fachdidaktiken, Bildungswissenschaften und schulpraktische Übungen – zusätzlich zu integrieren sind. Zudem bedarf es der weitern Verzahnung der drei Phasen Studium, Vorbereitungsdienst und Weiterbildung. Die Lehramtsausbildung in Thüringen wird durch das TMWWDG mit Mitteln des Zukunftsvertrags „Studium und Lehre stärken“ umfangreich gefördert. Damit ist Thüringen eines von wenigen Bundesländern, die diese Mittel nutzen. Für die aktuellen Maßnahmen an der FSU Jena und der Universität Erfurt, mit denen insbesondere die erfolgreichen Projekte aus dem Bund-Länder-Programm „Qualitätsoffensive Lehrerbildung“ in die Breite ausgerollt werden, wurden 18 Millionen Euro zugesagt. An der FSU Jena werden beispielsweise zur Professionalisierung der Regelschullehrerausbildung drei neue erziehungs- bzw. bildungswissenschaftliche W3-Professuren eingerichtet für die Bereiche „Umgang mit Heterogenität“, „Digitale Kompetenz“ und „Multiprofessionalität“. Dies steht im Zusammenhang mit der in der Ziel- und Leistungsvereinbarung vereinbarten Neugestaltung der Regelschullehrerausbildung, womit dieser Studiengang als letzter in Thüringen auf 300 Leistungspunkte erweitert wird. Zudem werden Poolstellen für zusätzliches Lehrpersonal in Überlastbereichen durch gestiegene Studierendenzahlen in einzelnen Lehramtsfächern finanziert. An der Universität Erfurt wurde die Lehrkapazität in den Bereichen „Grundschule“ und „Förderpädagogik“ bedarfsgerecht erhöht und deren Aufrechterhaltung aktuell gefördert. Zudem erfolgen eine curriculare Stärkung der fachwissenschaftlichen Ausbildung für das Grundschullehramt sowie eine weitere Stärkung der Verbindung von Theorie und Praxis durch den Einsatz von Lernlaboren und neuen Lernformaten für das erfahrungsorientierte, situierte schulpraktische Lernen. Schließlich wird – um das Stichwort der im Antrag genannten neuen Wege in der Lehrerausbildung aufzugreifen – als wichtiges Vorhaben der Fraktionen der Regierungskoalition eine schulstufenbezogene Lehrerausbildung vorgeschlagen, um die Flexibilität des Einsatzes der für die Sekundarstufe ausgebildeten Lehrkräfte zu erhöhen und dem Bedarf der Regelschulen besser gerecht zu werden. Die aktuell an der FSU Jena in Vorbereitung befindliche Neugestaltung der Studiengänge für die Sekundarstufe soll daher bereits entsprechend anschlussfähig ausgestaltet werden. Ich habe Ihnen diese zahlreichen Maßnahmen gerade aufgeführt, weil sie zeigen, dass die federführenden Hochschulen im Land, die FSU Jena und die Universität Erfurt, seit Jahren systematisch und mit viel Einsatz an der ständigen Verbesserung der Lehramtsausbildung arbeiten und damit das Lehramtsstudium attraktiv gestalten. Die mit dem Antrag verbundene Erwartung nach Verknüpfung von Theorie und Praxis in der Lehrerausbildung von Studienbeginn an ist bereits gängige Praxis in den bestehenden lehramtsrelevanten Studiengängen. Kurzum: Die Landesregierung beabsichtigt nicht, bestehende und erfolgreich wirkende Standorte der Lehrerbildung im Land dadurch zu schwächen, dass man mit viel Geld neue Strukturen schafft. Neuer Strukturen bedarf es aus unserer Sicht nicht. Vielen Dank.
(Beifall DIE LINKE, SPD, BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN)
