Christian Tischner
Eine Pädagogische Hochschule für Thüringen: Lehrerberuf aufwerten, Lehramtsstudium attraktiv und praxisnah gestalten!
Herr Präsident, meine sehr geehrten Damen und Herren, ich hätte mir ja gewünscht, wenn man einer Dreiviertelstunde Debatte folgt, Herr Jankowski, dass Sie dann auch mal auf die Argumente der Kollegen eingehen, die gegenüber Ihrem Antrag ja doch sehr vernichtend waren. Aber Sie sind halt lieber am Blatt geblieben als hier noch mal zu versuchen, tatsächlich das Wort für die Pädagogischen Hochschulen zu reden. Aber ich muss sagen, Ihr Antrag klingt gut, ja. Lehrerberuf aufwerten, Lehramtsstudium attraktiv und praxisnah gestalten. Das wäre in der Tat auch wirklich wünschenswert, allerdings bietet der Antrag eben – das haben die Kollegen schon gut herausgearbeitet – in keiner Weise einen Lösungsansatz, tatsächlich das Studium für die Thüringer Studierenden im Lehramtsbereich attraktiver und praxisnäher zu gestalten. Vielmehr wird hier die Einrichtung einer pädagogischen Hochschule als Allheilmittel präsentiert. Das ist schlicht falsch – das wurde eben schon von allen Kollegen beschrieben –, denn einen Automatismus, dass eine neue Struktur dazu führt, dass dort dann auch Attraktivität und Praxisnähe entstehen, gibt es nicht. Was es braucht, wären Reformvorschläge für die Ausbildung an den Universitäten. Aber daran fehlt es Ihrem Antrag völlig. Im Antrag steht – das ist durchaus zu begrüßen –: mehr Praxisnähe, bessere Theorie-Praxis-Verzahnung. Sie schreiben, die Rolle der Hochschulen bei der Qualifikation von Seiteneinsteigern muss klarer geregelt werden. Auch dazu debattieren wir gerade mit dem Bildungsministerium, mit dem Wissenschaftsministerium in den Ausschüssen. Da fehlen Sie oftmals in Ihren Beiträgen. Auch fordern Sie, die Weiterbildungen für aktive Lehrer müssen gemeinsam mit den Hochschulen organisiert werden. Ich weiß nicht, ob Sie schon mal so eine Lehrerweiterbildung besucht haben, aber in der Regel kommen da doch die Professoren unserer Universitäten und machen die Weiterbildung gemeinsam mit den Fachleitern des ThILLM. In der Hinsicht ist der Antrag zwar richtig, aber eigentlich nichts Neues. Da Sie ausführen, die Universitäten wären rein theoretische Lehranstalten, empfehle ich Ihnen, reden Sie mal mit den Studierenden in Jena und in Erfurt gerade mit Blick auf das Praxissemester, auf die Fachdidaktikveranstaltungen, auf die erziehungswissenschaftlichen Veranstaltungen, wie viel Theorie-Praxis-Bezug in den Modulkatalogen schon verankert ist. Wir brauchen eine Aufwertung der bestehenden Strukturen statt langwieriger Neugründungen; das ist schon gesagt worden. Wie lange so ein Strukturumbau dauern würde, das hat gerade der Kollege von den Grünen noch mal beschrieben. Mit Blick auf die Entwicklung der Geburten und damit mit Blick auf die sechsjährige Verzögerung, was in unseren Schulen passieren wird, ist aus unserer Sicht sogar das größte Problem gar nicht mehr in der Lehrerbildung zu suchen, leider. Man hätte da – das ist heute auch schon richtig gesagt worden – vor acht Jahren, vor zehn Jahren ansetzen müssen. Wenn man jetzt große Strukturveränderungen macht an den Universitäten, führt das zu Unruhe, aber nicht dazu, dass wir für die Zeit, wo wir jetzt den großen Einstellungsbedarf von über 1.000 Kolleginnen und Kollegen im Jahr haben, etwas retten können. Wir müssen andere Wege gehen – ich komme gleich drauf. Es ist auch schon beschrieben, dass wir uns in Thüringen die Doppelstrukturen nicht leisten können und auch nicht leisten sollten. Das einzige Bundesland, das noch an Pädagogischen Hochschulen in Deutschland festhält, ist BadenWürttemberg – aus einer großen, historischen Tradition heraus. Da ja die AfD immer so in der Vergangenheit verankert ist, bin ich irgendwie auch verwundert, dass Sie nicht erkannt haben, dass die Universität Erfurt eigentlich aus der Pädagogischen Hochschule entstanden ist. Vielleicht hätten Sie sich mal die Mühe machen sollen und sich mal die Studierendenzahlen – gerade der Universität Erfurt – ansehen sollen. Die Hälfte aller Studierenden, die jedes Jahr in Erfurt zu studieren beginnen, sind Lehramtsstudierende. Ihr Vorschlag würde also dazu führen, dass Sie die Universität Erfurt de facto infrage stellen. Meine Damen und Herren, diesen Weg werden wir nicht mitgehen. Wir fordern deshalb, dass das Wissenschaftsministerium in der Tat stärker auf die Universitäten einwirkt und die Universitäten so von manchem Standesdünkel, den sie immer noch pflegen, herunterkommen. Vielleicht, Herr Ministerpräsident – es ist schön, dass Sie heute bei der Debatte da sind –, wäre es gut, wenn Sie mal wirklich Wissenschaftsminister und Bildungsminister zu sich einladen, zu dritt in den Raum und mal mit beiden deutlich reden, wie stark die Verantwortung ist – Sie haben den Platz schon eingenommen, genau –, aber es ist wirklich kein Spaß. Ich habe das Gefühl, dass das Wissenschaftsministerium und das Bildungsministerium hier an vielen Stellen viel zu lange aneinander vorbeiarbeiten – selbst, wenn man sich Kleine Anfragen anschaut, die in den letzten Wochen beantwortet worden sind. Da schreibt das Wissenschaftsministerium, wie toll ein duales Studium ist. Das Bildungsministerium sagt, duales Studium ist toll, das Wissenschaftsministerium tritt deutlich auf die Bremse. Es kann auch nicht sein, Herr Ministerpräsident, dass jedes Jahr 900 junge Leute Grundschullehramt studieren wollen bei uns in Thüringen, aber das Wissenschaftsministerium mit der Universität Erfurt nur 300 Grundschullehrer zulässt. Sie schicken 600 studienwillige junge Leute aus dem Land heraus und dann kommt Rot-Rot-Grün mit einem Gesetzentwurf um die Ecke und will kleine Schulen schließen. Da können Sie von uns eben auch keine Zustimmung erwarten. Ebenso Luxus ist, Frau Staatssekretärin, dass es sich die Universität in Erfurt immer noch leistet, Studierende, die das Grundstudium, also den Bachelor absolviert haben, nicht zum Master zuzulassen, wenn sie eine Note 2,5 und schlechter haben. Warum ist ein Masterabsolvent schlechter, wenn der mit 2,6 oder 2,7 oder 2,8 sein Studium beendet? Warum lassen Sie diese jungen Regelschulstudierenden, diese jungen Berufsschulstudierenden nicht auch für den Masterstudiengang zu? Hier könnte aus unserer Sicht sehr schnell Abhilfe geschaffen werden. Ebenso fordern wir seit Jahren als Fraktion das MINT-Zentrum an der Universität in Jena, wo also gezielt Studierende weiterqualifiziert und ausgebildet werden können, die sich in den Naturwissenschaften später einbringen wollen. Das ist ja oftmals die Kritik, dass man hört, dass die Ansprüche in diesen naturwissenschaftlichen Studiengängen sehr hoch sind. Mit dem MINT-Zentrum könnte man, glaube ich, eine sehr gezielte Lehrerausbildung organisieren. Ein ganz wichtiger Baustein – auch deswegen, Herr Ministerpräsident, wäre es wichtig, sich mal mit Wissenschaftsminister und Bildungsminister hinzusetzen – ist das Riesenproblem der Zeugnisse. Die Universitäten kriegen es nicht hin, ihre Zeugnisse so auszustellen, dass dann tatsächlich die jungen Leute auch im August in den Schuldienst aufgenommen werden. Es kann nicht sein, dass es jetzt im Grundschullehramt wieder so ist, dass die Grundschullehramtsabsolventen drei Monate warten müssen, bis sie dann im November zum Einstellungstermin auch tatsächlich in Thüringen bleiben können. Das führt dazu, dass viele nach Sachsen, nach Niedersachsen, nach Bayern auswandern. Das können wir uns nicht leisten! Sie sehen, meine Damen und Herren, es gibt viele Vorschläge, viele Sachen werden auch seit Monaten, seit Jahren im Ausschuss diskutiert, vieles hat der Landtag auch beschlossen. Vieles wird dann leider von der Landesregierung nicht umgesetzt – leider. Aber der Vorschlag, den die AfD hier vorträgt, der klingt zwar nett und den hört man auf der Straße auch immer gern, auch wenn man mit den Lehrern im Lehrerzimmer redet: Ach, an der Pädagogischen Hochschule, das war früher alles schöner und besser. Aber Sie müssen eben daran denken, dass dieser Vorschlag aus der Zeit gefallen ist, spätestens bei dem Argument, dass Sie die Universität Erfurt damit in Gefahr bringen würden. Vielen Dank.
(Beifall CDU, Gruppe der FDP)
