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Denny Jankowski

AfD 07.07.2023 Sitzungen 7/115

Eine Pädagogische Hochschule für Thüringen: Lehrerberuf aufwerten, Lehramtsstudium attraktiv und praxisnah gestalten!

Sehr geehrter Herr Präsident, werte Abgeordnete, liebe Gäste am Livestream, nach Angaben der Kultusministerkonferenz werden zum Jahr 2035 in Thüringen über 3.000 Lehrer fehlen. Und, Herr Schaft, den Lehrermangel haben wir als AfD nicht neu entdeckt, das habe ich nie behauptet. Ein Blick in die Gegenwart offenbart aber, dass nur die momentane linksgrüne Politik es nicht schafft, diesem auch nur irgendetwas entgegenzusetzen. (Beifall AfD) Sicherlich ist der Lehrermangel in Thüringen maßgeblich der verfehlten Personalpolitik CDU-geführter Landesregierungen in der Vergangenheit zu verdanken. Aber Rot-Rot-Grün ist seit nun mittlerweile über achteinhalb Jahren in Regierungsverantwortung und hätte genug Zeit gehabt, dem Lehrermangel entgegenzusteuern, aber passiert ist leider nicht viel. (Beifall AfD) Die Probleme werden augenscheinlich nur immer größer. Schuljahr für Schuljahr haben wir immer weniger Lehrer an unseren Schulen, Schuljahr für Schuljahr fällt immer mehr Unterricht aus, Schuljahr für Schuljahr werden die Schülerleistungen immer schlechter, wie wir jedes Mal aufs Neue, zum Beispiel in den IQB-Berichten, widergespiegelt bekommen. Diesen fatalen Trend muss man endlich beenden. Wie dramatisch die Situation mittlerweile ist, zeigt nicht zuletzt im Winter die Situation in Gera. Trotz Schulpflicht standen 65 Schüler auf einer Warteliste und konnten zunächst nicht beschult werden. Auch hier lag es an fehlenden Lehrern. Um das Problem zu lösen und die Kapazitäten zu erhöhen, lautet die Notlösung des Ostthüringer Schulamts, nachdem sie mit dem Zollstock noch mal durch die Klassenräume gelaufen sind, deswegen schlussendlich, statt 25 nun 26 Schüler pro Klasse. Ich befürchte, bald werden aus den 26 Schülern dann 27, 28, 29 und irgendwann sind wir, wenn wir den Lehrermangel nicht in den Griff kriegen, wieder in den Zeiten wie vor 100 Jahren, wo 30 Schüler oder mehr in einer Klasse sitzen. Das darf nicht die Lösung des Problems sein. (Beifall AfD) Es wird in der Bildungspolitik Zeit, neue Wege zu gehen. Augenscheinlich sind die bisherigen Maßnahmen zur Lehrergewinnung bei Weitem nicht ausreichend. Wir bekommen nicht mal genug Lehrer, um den Status quo zu erhalten; an eine Verbesserung der Situation an den Schulen ist noch nicht einmal zu denken. Wir fordern deswegen die Gründung einer Pädagogischen Hochschule in Thüringen als zentralen Dreh- und Angelpunkt für die Lehrergewinnung und auch, um ein deutliches Signal zu geben, dass die Ausbildung und Gewinnung von neuen Lehrern das alles entscheidende Thema in den kommenden Jahren, wenn nicht sogar Jahrzehnten sein wird. (Beifall AfD) Herr Schaft, ich gebe Ihnen recht, es ist keine kurzfristige Lösung, aber Rot-Rot-Grün hat es in achteinhalb Jahren auch nicht hinbekommen, dem Lehrermangel irgendetwas entgegenzusetzen. Das Problem, dass wir jetzt so einen gravierenden Lehrermangel haben, ist ja, dass in der Bildung immer auf Sicht gefahren und eben nicht langfristig geschaut wurde. (Zwischenruf Abg. Baum, Gruppe der FDP: Das ist nicht langfristig, sondern rückwärts!) Eine Pädagogische Hochschule kann zum einen dazu dienen, die Ausbildungskapazitäten für die reguläre Lehrerausbildung zu erhöhen. Frau Bergner, wir haben zum Beispiel an der Universität in Erfurt für das Studium des Grundschullehramts gerade einmal 300 Plätze, aber jedes Jahr rund 600 bis 800 Bewerber. Das heißt, wir brauchen teilweise auch eine Kapazitätserhöhung. Auch brauchen wir endlich einen zentralen Ort für die Ausbildung von Berufsschullehrern, denn momentan laufen sie zum Teil wie das fünfte Rad am Wagen an unseren Universitäten. Gerade an den Berufsschulen ist der Altersdurchschnitt unter den Lehrern katastrophal und wir werden in den kommenden Jahren hier ein gewaltiges Problem bekommen. (Beifall AfD) Wichtig ist uns, dass die Pädagogische Hochschule die bisherige Lehrerausbildung an den Universitäten nicht ersetzen soll, sondern lediglich ein zusätzliches Angebot darstellt. Andere Bundesländer wie zum Beispiel Baden-Württemberg haben sehr gute Erfahrungen mit einer Pädagogischen Hochschule. Wir hätten ein zusätzliches Angebot, eine Hochschule, die sich komplett auf die Lehrerausbildung konzentrieren kann und an der die Lehramtsstudenten nicht in Konkurrenz mit den Studenten anderer Studienrichtungen um Vorlesungsplätze treten müssen, sondern sich ganz auf das Lehramtsstudium konzentrieren können. Ein weiteres drängendes Problem, was an einer Pädagogischen Hochschule angegangen werden kann, ist die Qualifizierung der Seiteneinsteiger. Wir sind momentan auf Seiteneinsteiger angewiesen. Rund 23 Prozent der neu eingestellten Lehrer kommen über den Weg des Seiteneinstiegs an unsere Schulen. Viele Seiteneinsteiger starten aber den Schuldienst, ohne den nötigen vierwöchigen Vorbereitungskurs durchlaufen zu haben, da einfach die Kapazitäten für die Vorbereitungskurse in Thüringen bei Weitem nicht ausreichen. Es fehlt zudem an ausreichenden Plätzen für die Nachqualifizierung und Fortbildung der Seiteneinsteiger. Viele Seiteneinsteiger beklagen sich immer wieder, dass sie a) nicht an die Plätze für die Weiterqualifizierungen drankommen und b), dass sie nicht wirklich berufsbegleitend durchgeführt werden können. All diese Probleme könnte eine Pädagogische Hochschule in Thüringen abstellen. Wir hätten vor allem endlich auch einen zentralen Ort für Beratungs- und Fortbildungsangebote für die Seiteneinsteiger und sie laufen nicht weiter mehr recht als schlecht durch die Qualifizierungsmaßnahmen. Sie müssten sich vor allem auch nicht erst bei den Schulämtern durchfragen, wo welche Qualifikationen möglich sind, sondern hätten einen zentralen Ansprechpartner in Thüringen. Das soll dazu beitragen, dass die Seiteneinsteiger, die wir so dringend brauchen, nicht zum Start ihrer Lehrerlaufbahn die Motivation verlieren und entnervt aufgeben. Ein weiterer Vorteil einer Pädagogischen Hochschule ist, dass die Struktur und die thematische Schwerpunktsetzung des Lehramtsstudiums angepasst werden können. Das Lehramtsstudium wird heute von vielen Studenten zum Teil als weltfremd wahrgenommen. Der Wunsch nach einer größeren praktischen Anbindung ist hier schon seit Jahren zu hören und die Universitäten in Jena und Erfurt tun sich schon seit Jahren schwer, das Lehramtsstudium praxistauglicher zu gestalten. (Beifall AfD) Die Gründung einer Pädagogischen Hochschule bietet hier die Möglichkeit, die Theorie und die Praxis besser miteinander zu verzahnen und ein Studienangebot anzubieten, das die angehenden Lehrer deutlich besser auf den Praxisalltag vorbereitet. Gerade bei der Ausbildung zum Regelschullehrer wird das besonders deutlich. Die Regelschule soll die Schüler auf eine grundständige Berufsausbildung vorbereiten. Sicher ist das Jenaer Modell durchaus gut. Ich muss Ihnen allerdings eins sagen, es ist mir schleierhaft, warum angehende Deutschlehrer der Regelschule sich zum Beispiel mit diachroner Sprachwissenschaft befassen sollten. Das hat mit der Vorbereitung auf den Praxisalltag überhaupt nichts zu tun. Ähnlich sieht es bei den Naturwissenschaften aus. Wenn sich angehende Physik-, Biologie- oder Chemielehrer gerade in den ersten Semestern mit reinen Physik-, Biologieund Chemiestudenten um Vorlesungsplätze streiten müssen und vor allem auch Inhalte vermittelt bekommen, die sie als Fachlehrer niemals brauchen werden, dann hat auch das mit Praxistauglichkeit des Lehramtsstudiums wenig zu tun. Wir hätten mit einer Pädagogischen Hochschule auch endlich einen zentralen Ort für die Weiterbildungsmöglichkeiten für Lehrer. Unsere Lehrer stehen vor ständig neuen Herausforderungen, auf die sie in ihrem Studium nicht wirklich vorbereitet wurden. Durch die Inklusionspolitik dieser Landesregierung zum Beispiel haben sie es mit immer mehr Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf zu tun. Auch die zunehmende Digitalisierung stellt sie vor immer neue Herausforderungen, aber auch pädagogisch neue Möglichkeiten. Hierfür fehlt ihnen aber oftmals die nötige Hilfe bzw. Qualifikation, um das auch einzustellen. Schaffen wir also mit einer Pädagogischen Hochschule eine zentrale Anlaufstelle für die Fort- und Weiterbildung für unsere Lehrer. Zusammengefasst bietet die Gründung einer Pädagogischen Hochschule viele Vorteile, Möglichkeiten und Impulse für die Lehreraus-, ‑ fort- und ‑ weiterbildung. Ja, wir hatten in Thüringen bis 1994 in Mühlhausen eine pädagogische Hochschule. Diese hatte einen guten Ruf genossen und ist auch heute noch tief im Bewusstsein vieler Mühlhäuser verankert. Ich denke, dass Mühlhausen auch deswegen einen idealen Standort für eine neue Pädagogische Hochschule darstellen würde. Vor allem aber wäre die Gründung einer Pädagogischen Hochschule auch ein Zeichen an unsere zukünftigen Lehrer und auch ein wichtiges Zeichen der Politik, dass der Lehrermangel mit aller Macht endlich angegangen wird und unser Bildungssystem nicht noch weiter in Mitleidenschaft gerät. Vielen Dank. (Beifall AfD)

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