Denny Jankowski
Eine Pädagogische Hochschule für Thüringen: Lehrerberuf aufwerten, Lehramtsstudium attraktiv und praxisnah gestalten!
Sehr geehrter Herr Präsident, werte Abgeordnete, liebe Gäste und Schüler am Livestream, in Thüringen haben 2022 8,3 Prozent der Schüler die Schule ohne einen Abschluss verlassen. Das ist der drittschlechteste Wert in ganz Deutschland. Damit stehen 1.660 Schüler vor einer unsicheren Zukunft, denn sie haben keine berufliche Perspektive und landen höchstwahrscheinlich, wenn überhaupt, irgendwo im Niedriglohnsektor, werden ihr Leben lang wahrscheinlich nicht aus prekären Beschäftigungsverhältnissen herauskommen und ihre berufliche Zukunft ist zum Teil schon verbaut, bevor sie überhaupt angefangen hat. Schulschließungen, Stundenausfall und vor allem Lehrermangel sind die Hauptprobleme der Bildungspolitik in Thüringen. Statt sich aber auf die Gewinnung und Ausbildung neuer Lehrkräfte zu konzentrieren, diskutiert man in den Regierungsfraktionen lieber über mehr Schulsozialarbeit, über die Abschaffung der BLF-Prüfung und über das Lieblingsthema „noch mehr Digitalisierung“, denn so wäre es ja möglich, dass die Kinder zu Hause beschult werden und der Lehrermangel kann noch wunderbar besser kaschiert werden.
(Zwischenruf Abg. Rothe-Beinlich, BÜNDNIS
90/DIE GRÜNEN: Sie erzählen einen Blödsinn!) Die Ursachen für den momentan gravierenden Lehrermangel sind hausgemacht. Zum einen haben wir da die komplett verfehlte Personalpolitik CDUgeführter Landesregierungen, zum anderen aber liegt es auch daran, dass der Lehrerberuf immer unattraktiver geworden ist. Wir müssen in der jetzigen Situation neue Wege gehen, um Thüringen für pädagogische Fachkräfte attraktiver zu machen. Unser Antrag sieht vor, dass Thüringen eine Pädagogische Hochschule erhält, die zum Motor der Ausbildung und Weiterbildung von Lehrern und Erziehern wird.
(Beifall AfD)
An der Pädagogischen Hochschule sollen Erzieher, Lehrer für Grundschule, Lehrer für die Regelschule und für die Berufsschule ausgebildet werden, zudem soll dort auch die Weiterbildung für die Lehrer gebündelt werden und vor allem sollte sie auch als zentraler Ort für die Qualifizierung und Weiterbildung von Seiteneinsteigern dienen, denn gerade dort haben wir momentan gravierende Probleme. Es ist bekannt, dass Lernprobleme und soziale Auffälligkeiten in unserer Gesellschaft zunehmen, die Welt sich immer schneller wandelt und die Lehrer auf immer neue Situationen und Probleme reagieren müssen. Auf viele dieser Probleme können unsere Lehrer gar nicht reagieren, weil sie dafür im Regelstudium gar nicht entsprechend vorbereitet werden. Die pädagogische Hochschule sollte deshalb auch als Zentrum der Bildungsforschung, Qualitätsentwicklung und Evaluation von Unterricht dienen. Meine Damen und Herren, die Lehrergewinnung und ausbildung wird das zentrale Thema im Bil‑ dungsbereich in den nächsten Jahren bleiben. Wahrscheinlich wird uns das auch noch in zehn Jahren und mehr weiter beschäftigen. Die Einrichtung einer pädagogischen Hochschule als zentraler Ort für die Aus- und Weiterbildung von Lehrern ist eine richtige Antwort auf diese zentrale Frage im Bildungsbereich. Auch für die Lehrer ist die Einrichtung einer solchen Hochschule ein Signal der Wertschätzung; eine eigene Hochschule speziell für die Lehrerausbildung ausgerichtet zeigt den Lehrern und der Gesellschaft, welchen hohen Stellenwert Bildung in Thüringen hat. Ich freue mich auf die Diskussion zu unserem Antrag und möchte schon jetzt die Überweisung an die Ausschüsse Bildung, Jugend und Sport sowie Wirtschaft, Wissenschaft und Digitale Gesellschaft beantragten. Vielen Dank.
(Beifall AfD)
