Dr. Thadäus Rudolf König
c) Zukunft der Thüringer Bäder sichern – Fortschreibung der Thüringer Schwimmbadentwicklungskonzeption
Sehr geehrte Frau Präsidentin, werte Kolleginnen und Kollegen Abgeordnete, sehr geehrte Zuschauer auf der Tribüne und am Livestream, heute ist letzter Schultag, die Sommerferien stehen vor der Tür und das Wetter kann nicht besser sein. Wir kriegen 30 Grad, in den nächsten Tagen ist das auch so. Das ist natürlich die Hochsaison für unsere Freibäder, die in den nächsten Wochen sicherlich stark frequentiert werden. Deswegen ist es aus unserer Sicht wichtig, aktuell auch die Schwimmfähigkeit unserer Thüringerinnen und Thüringer in den Blick zu nehmen, denn Schwimmen ist nicht nur Spaß, sondern ist ebenso überlebenswichtig; gerade für unsere Kinder und Jugendlichen, aber nicht nur für sie, sondern auch für die gesamte Bevölkerung. Unser Anspruch als CDU-Fraktion ist es, dass jeder Thüringer und jede Thüringerin die Möglichkeit hat, das Schwimmen zu erlernen und nach Möglichkeit auch schwimmen sollte. Wenn wir uns die Statistiken anschauen, wird deutlich, dass in Deutschland immer noch in jedem Jahr ca. 400 Menschen – das ist die statistische Zahl der letzten Jahre – durch Ertrinken sterben. Im vergangenen Jahr waren es 355 Todesfälle durch Ertrinken in Deutschland, in Thüringen waren es neun, also eine geringere Zahl. Wir wollen mit unserer Schwimmoffensive, die die Grundlage dieses Antrags bildet, präventiv tätig werden, denn je besser jemand schwimmen kann, umso geringer ist auch das Risiko zu ertrinken. Meine sehr geehrten Damen und Herren, unser Antrag enthält drei inhaltliche Schwerpunkte. Der erste ist eine umfassende Bestandserhebung über die Schwimmfähigkeit der Thüringer und Thüringerinnen, dann über die Auswirkung der coronabedingten Schließungen von Schwimmbädern auf die Schwimmfähigkeit, das zum einen auf den Schwimmunterricht bezogen. Aber es ist natürlich auch so, dass Thüringen das Bundesland war, das an letzter Stelle die Schwimmhallen wieder geöffnet hat, also wo in anderen Bundesländern schon wieder Schwimmen möglich war, waren bei uns noch die Schwimmbäder geschlossen.
(Zwischenruf Abg. Henfling, BÜNDNIS
90/DIE GRÜNEN: Weil wir hohe Coronazahlen hatten!) Wenn man auf die DLRG hört und die sagt, dass im Jahr 2022 zwar deutlich mehr Kinder als in den Coronajahren das Schwimmen gelernt haben – das geht natürlich auf Programme wie „Aufholen nach Corona“ und Initiativen der Vereine zurück –, sind die Vereine oder die Schwimmfähigkeit noch lange nicht auf dem Niveau von vor Corona. In Thüringen haben wir 743 Schwimmabzeichen im Jahr 2022 abgenommen bekommen, 2019 waren es 923. Man sieht schon, dass da noch Spielraum ist. In dem Zusammenhang möchte ich die DLRGPräsidentin Ute Vogt zitieren, die sagt: „Der Rückstand durch lange Zeit geschlossene Bäder ist aber weiterhin erheblich.“ Bundesweit liege das Ausbildungsergebnis „um knapp 14 Prozent unter dem von 2019. [...] Die Lebensretter“ – also in dem Fall Frau Vogt – „verwiesen auch auf eine im Januar veröffentlichte Forsa-Umfrage – demnach kann jedes fünfte Grundschulkind [in Deutschland] nicht schwimmen“. Fünf Jahre zuvor war dieser prozentuale Anteil nur bei 10 Prozent. Das zeigt auch deutlich, welchen Handlungsbedarf wir hier haben. In Thüringen sind die Zahlen noch ein bisschen besser nach DLRG-Landesverband, aber trotzdem besteht hier auch großer Bedarf. Des Weiteren wollen wir eine Bestandserhebung über den Zustand unserer Bäder in Thüringen und auch über die Personalsituation in den Bädern, weil wir immer häufiger lesen müssen, dass Öffnungszeiten begrenzt werden aufgrund von Fachkräftemangel in den Bädern, von Mangel an Rettungsschwimmern. Deswegen ist es ganz wichtig, die Personalsituation zu betrachten. Der zweite Schwerpunkt unseres Antrags umfasst klare Zielstellungen: Wie können wir die Bäderinfrastruktur in Thüringen verbessern? Wie können wir die Personalsituation verbessern und wie können wir die kommunale Ebene unterstützen, die die Schwimmbäder im Regelfall unterhält? Der dritte Schwerpunkt sind dann die konkreten Maßnahmen, die wir aufführen; das heißt unter anderem Stärkung des Ehrenamts beim Schwimmunterricht, den Ausfall von Schwimmunterricht zu minimieren, dann aber auch die Novellierung unserer Schwimmbad-Entwicklungskonzeption in Thüringen aus dem Jahr 2005, Sonderinvestitionen, Ausbildung von Fachangestellten im Bäderbereich und – für uns auch ein wesentlicher Punkt – dass wir mit Gutscheinen die Attraktivität, den Schwimmunterricht zu besuchen oder Schwimmabzeichen zu machen, fördern wollen. Das ist nur ein kleiner Vorgriff. Ich freue mich auf die Diskussion hier. Wie gesagt, der Zeitpunkt kann nicht besser sein, dieses Thema zu diskutieren, und natürlich für das Thema „Schwimmfähigkeit“ und auch das eigene Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten noch mal zu sensibilisieren, bevor wir alle in den Sommer gehen und auch in die Freibad- und Seensaison. Herzlichen Dank.
(Beifall CDU)
