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Dirk Bergner

FDP 27.04.2023 Sitzungen 7/108

Klimafreundliches Bauen fördern – Lehmbauweise entbürokratisieren

Vielen Dank, Frau Präsidentin. Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen, ich freue mich über die sachliche und fachliche Diskussion. Frau Lukasch, das ist auf jeden Fall richtig, wenn wir das zusammen mit der Bauordnung diskutieren können. Der Antrag war zwar schon entstanden, bevor die Pressemitteilung über die Bauordnung kam. Aber als ich dann die Pressemitteilung gelesen habe, haben wir uns auch darum bemüht, das priorisierend auf die Tagesordnung zu bekommen, schon um die Bauordnung nicht mehrmals anfassen zu müssen. Das halte ich für einen guten Schritt. Zum Recycling gibt es ja den schönen Spruch: Wenn mir mein Lehmhaus nicht mehr gefällt, sumpf ich es ein und baue mir ein neues. Das passt sehr gut zu dem, was Sie hier vorgetragen haben, Frau Kollegin Lukasch. Herr Malsch, es gibt bereits Firmen, die mit Lehm arbeiten, und gar nicht so wenige. Die haben nur das Problem, dass die gerade wegen dieser Problematik mit dem eigenen Baugrund meist mit angeliefertem Material arbeiten müssen, und das macht es teuer. Deswegen entscheiden sich zu viele Bauherren nach wie vor nicht für dieses Material. Deswegen werbe ich so dafür. Warum wir als Liberale auf das Thema „Lehmbau“ setzen, habe ich erläutert. Ich möchte gern noch mal kurz erklären, wie wir uns die Entbürokratisierung vorstellen, meine Damen und Herren. Um den Einsatz lokal anstehender bindiger Böden auch für selbsttragendes Mauerwerk aus Lehmstein – wie das funktioniert, habe ich erläutert – oder Stampflehm – das ist im Prinzip eine Gleitschalung, wie wir sie auch vom Beton her kennen, wo dann der Lehm dort hineingestampft wird – zu vereinfachen, können wir uns folgendes Verfahren vorstellen: Die Eignung möchten wir im Rahmen eines Baugrundgutachtens feststellen lassen. Das sollte man, wenn man baut, heutzutage sinnvollerweise wirklich tun, dass man sich auch über die Beschaffenheit des Baugrunds vorweg informiert. Dann wollen wir zweitens die der Tragwerksplanung zugrunde liegende Druckfestigkeit nachweisen lassen, also dass das Material es auch erreicht anhand geeigneter Prüfverfahren wie zum Beispiel mittels Probewürfel unter Aufsicht eines Baugrundbüros oder des Bauleiters. Das kennen wir aus dem Betonbau mit dem Probewürfel, nur dass man den Probewürfel aus Lehm natürlich nicht wie bei Beton in Wasser einlegen kann. Das wäre bei Lehm verheerend. (Beifall Gruppe der FDP) Über die Idee haben wir uns mit Prof. Ruth von der Bauhausuniversität in Weimar unterhalten, der gestern hier zum parlamentarischen Abend war, Prof. Ruth selbst nicht, der aber an dem Thema „Lehmbau“ forscht und durchaus über unseren Gedanken erfreut war, dass wir mit dem eigenen Lehm aus der eigenen Baugrube arbeiten wollen und nicht nur mit den typisierten Baustoffen. Ein Wort an die Baustoffhändler und Baustoffproduzenten: Die brauchen mit Sicherheit keine Angst zu haben, weniger zu verkaufen, sondern sie werden eher mehr verkaufen, auch neben Putz usw. usf., weil einfach die Bauweise mit Lehm wieder salonfähiger werden wird. (Beifall Gruppe der FDP) Das sind die entscheidenden Punkte, über die wir mit Ihnen diskutieren wollen. Insofern glaube ich, dass wir sagen können: Wir haben in Thüringen das Potenzial, tatsächlich ein ganzes Stück weit ökologischer zu bauen. Wir haben ein ganzes Stück weit die Chance, damit auch den Freistaat als Leuchtturm eines nachhaltigen Bauens weiterzuentwickeln. Mit dem Holzbau wurde schon ein guter Anfang geleistet. Das war damals Ihr Antrag, verehrte Kollegen der Union. Deswegen hoffen wir, dass es gelingen wird, die Thüringer Bauordnung dahin gehend zu novellieren, dass der Baustoff Lehm nicht nur mit konventionellen Baustoffen weitgehend gleichgestellt, sondern dass die Verwendung geeigneter in situ, also vor Ort verwendeter Materialien leichter ermöglicht, die Bautätigkeit mit Lehm attraktiver gestaltet wird und dass es gelingt, Energie, Deponieraum zu sparen. Eine kleine Bemerkung noch am Rande: Allein wenn ich den Aushub von einem Eigenheim nicht mehr irgendwo auf der Deponie verkippen lassen muss, spare ich rund 20.000 Euro, so mal als Aussage aus der Praxis. Insofern glaube ich den Beiträgen, die hier gekommen sind, entnehmen zu können, dass eine Diskussion im Infrastrukturausschuss möglich wird und auf die freue ich mich, weil ich das Gefühl habe, es könnte gelingen, gemeinsam etwas Vernünftiges auf den Weg zu bringen. Meine Damen und Herren, ich danke Ihnen. (Beifall DIE LINKE, Gruppe der FDP)

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