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Dirk Bergner

FDP 27.04.2023 Sitzungen 7/108

Klimafreundliches Bauen fördern – Lehmbauweise entbürokratisieren

Vielen Dank, Frau Präsidentin. Meine sehr verehrten Kolleginnen und Kollegen, Ideengeber für diesen Antrag sind meine Großeltern, auch wenn sie schon seit über drei Jahrzehnten nicht mehr leben. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs flohen sie zurück in das Dorf ihrer Mutter, sprich meiner Urgroßmutter, in eine Zweizimmerwohnung ohne Bad unter sehr beengten Verhältnissen. Das heißt, es war Wohnungsnot, ein Begriff, den wir auch heute kennen, wenn auch nicht in dieser Schärfe wie damals. Als es ihnen gelungen war, im Dorf ein Grundstück zu ergattern, fehlte es natürlich an Baumaterial. Sie haben den örtlich anstehenden Lehm von Hand ausgegraben und daraus in Formen Lehmsteine geformt, die dann luftgetrocknet waren, die Größe von Ziegeln hatten, aber nicht gebrannt wurden. Sie haben damit – nebenbei gesagt – auch jede Menge Energie gespart. Das ist eine gute Lösung. Ich habe selbst auch einige Jahre in dem Haus gewohnt. Es ist ein angenehmes Wohnklima, steht heute noch, auch nachdem ich dort gewohnt habe. (Beifall Gruppe der FDP) (Heiterkeit DIE LINKE) Es gibt nur ein Problem: Das, was meine Großeltern 1946/1947 geleistet haben, wäre heute gar nicht mehr so einfach möglich, denn der Lehm aus der Baugrube verfügt über keine CE-Kennzeichnung, keine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung, keine allgemeinen bauaufsichtlichen Prüfzeugnisse. Es gibt einen großen Streit darüber, ob man überhaupt von eingeführten technischen Baubestimmungen reden kann, zumindest für den Lehm aus der eigenen Baugrube. Ob man das zu den allgemein anerkannten Regeln der Technik rechnen kann, obwohl es eine jahrtausendalte Bauweise ist, ist auch umstritten, zumindest von Behörde zu Behörde. Bleibt also nur der Weg der vorhabenbezogenen Bauartgenehmigung. Das bedeutet: Antrag beim Infrastrukturministerium mit sehr umfangreichen Unterlagen, die fast umfangreicher sind als für einen Bauantrag, und Prüfgebühren von bis zu 5.000 Euro. Das ist der Grund, warum es viele nicht machen und warum ich es beim Bau vom eigenen Haus auch nicht gemacht habe. Meine Damen und Herren, angesichts des Klimawandels ist es notwendig und geboten, in allen Sektoren des gesellschaftlichen Handelns CO 2 mindernde Maßnahmen zu implementieren. (Beifall Gruppe der FDP) Der Gebäudesektor wird für ca. 30 Prozent der gesamten Treibhausgasemmissionen in Deutschland verantwortlich gemacht. Hier bietet sich die Chance, schon ein großes Maß an Energie einzusparen, indem das Baumaterial nicht erst gebrannt werden muss. Der Vorschlag der FDP zielt im Kern darauf ab, lokal anstehende Rohstoffe für die Errichtung von Gebäuden ohne unnötige bürokratische Hürden einsetzbar zu machen. Durch den verstärkten Einsatz von Lehm im Bauwesen können nicht nur Immissionen für die Herstellung von Baumaterialien in erheblichem Maße eingespart werden, sondern auch der energieintensive Transport von Material zu den Baustellen, auch die Abfuhr von Erdstoffen. Und – nebenbei gesagt – sparen wir auch jede Menge Bedarf an Deponieraum. (Beifall Gruppe der FDP) Lehm findet sich in Abhängigkeit von den örtlichen Baugrundverhältnissen sehr oft gleich vor Ort, sodass das Ganze auch noch kostengünstig werden kann, wenn wir es entbürokratisieren. (Beifall Gruppe der FDP) Mit Blick auf die Zeit kürze ich etwas ein und möchte noch auf einen Fakt schon in der Einbringung aufmerksam machen. Wenn wir diese Bauweise ermöglichen, schaffen wir auch gerade mit Blick auf die derzeit enorm gestiegenen Baukosten für Menschen, die sich Bauen derzeit nicht leisten können, die aber vielleicht nicht zwei linke Pfoten haben, sondern selbst auch mal anpacken könnten, die Möglichkeit, mit Eigenmaterial vor Ort den Traum vom eigenen Wohnraum auf den Weg zu bringen, und das Ganze auch noch auf ökologische Weise. (Beifall Gruppe der FDP) Ich glaube, das alles ist Grund genug, dass wir uns darüber im Bauausschuss, also im Ausschuss für Infrastruktur und Landwirtschaft – als Bauingenieur darf man auch mal vom Bauausschuss reden –, (Beifall Gruppe der FDP) also im Ausschuss für Infrastruktur und Landwirtschaft darüber unterhalten, wie wir diesen Weg gemeinsam gehen, vielleicht in der Bauordnung eine Tür dafür öffnen können. Ich werbe sehr dafür, dass Sie nachher auch unserem Antrag auf Überweisung an den Ausschuss für Infrastruktur und Landwirtschaft Folge leisten, und freue mich auf eine interessante inhaltliche und fachliche Diskussion. Ich danke Ihnen. (Beifall Gruppe der FDP)

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