Holter
Fragestunde
Frau Präsidentin, sehr geehrter Herr Abgeordneter, die Mündliche Anfrage des Abgeordneten Jankowski beantworte ich namens der Landesregierung wie folgt: Zu Frage 1: Wie viele Seiteneinsteiger wurden seit dem Schuljahr 2018/2019 in den Thüringer Schuldienst eingestellt? Das soll nach den einzelnen Schuljahren aufgeschlüsselt werden. Insgesamt wurden seit dem Schuljahr 2018/2019 1.350 Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger eingestellt. Mit Ihrem Einverständnis, Herr Abgeordneter, würde ich die Aufschlüsselung auf die einzelnen Jahre zu Protokoll geben. Zu Frage 2: Wie viele von den in Frage 1 erfragten Seiteneinsteigern waren seit dem Schuljahresende 2018/2019 noch im Thüringer Schuldienst eingestellt? Wiederum auch nach Jahren aufschlüsseln. Entsprechend der Fragestellung waren 1.180 Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger im erfragten Zeitraum eingestellt. Auch hier würde ich die Aufschlüsselung zu Protokoll geben. Zu Frage 3: Bei wie vielen von den in Frage 1 erfragten Seiteneinsteigern fand der vierwöchige Seiteneinsteiger-Intensivkurs vor dem ersten Schuleinsatz statt? Auch hier möchten Sie wissen, wie das in den einzelnen Schuljahren aussieht. Wir haben dazu keine schulstatistischen Erfassungen. Zu Frage 4: Welche Gründe, denen die Landesregierung mit welchen Maßnahmen entgegenwirkt, nennen die Seiteneinsteiger für ihr freiwilliges Ausscheiden aus dem Thüringer Schuldienst? Und hier bitte die Angabe der zwei am häufigsten genannten Gründe. Die nachstehend genannten Gründe für das freiwillige Ausscheiden von Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger aus dem Thüringer Schuldienst entsprechen den diesbezüglichen Angaben der Staatlichen Schulämter ohne Nennung der Häufigkeit. Da gibt es erstens Nichtbestehen bzw. Abbruch der Nachqualifizierung aus persönlichen Gründen, Einschätzung der eigenen persönlichen Nichteignung ist einer der Gründe, Unterschätzung der Anforderungen und des Aufgabenspektrums des Lehrerberufs sowie der berufsbegleitenden Nachqualifizierung wird auch benannt, insbesondere im pädagogischen Bereich und in der Aufbereitung und fachdidaktischen Vermittlung der Lerninhalte. Ein zweiter Hauptgrund sind zu wenig Fachleiterinnen und Fachleiter für die angemessene Begleitung der Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger in der Nachqualifizierung, woraus sich eine Überforderung und mangelnde schulorganisatorische Ausbildung ergibt. Das betrifft insbesondere den Schulstart an der Regelschule. Der dritte Hauptgrund ist die fehlende Perspektive aufgrund der rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen und Einstellungsvorgaben, hier unter anderem fehlende Verbeamtungsmöglichkeit oder Eingruppierung analog einer voll ausgebildeten Lehrkraft, zum Beispiel wenn ein Seiteneinsteiger einen universitären Abschluss hat, welcher über eine Gleichstellung in nur einem Fach verfügt und kein weiteres Studium absolvieren möchte. Oftmals haben solche Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger ein attraktives Angebot aus der Privatwirtschaft. Der vierte Grund wäre dann der Eintritt in den Vorbereitungsdienst, das sind dann diejenigen, die bei uns verbleiben, ist ja klar, wenn sie in den Vorbereitungsdienst gehen. Den zuerst genannten Gründen wird mit folgenden Maßnahmen entgegensteuert: 1. Beratung durch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der staatlichen Schulämter über Entwicklungsperspektiven, welche es den Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteigern ermöglicht, durch Nachqualifizierung und gegebenenfalls anschließendes bzw. paralleles Studium und die hiermit verbundene Prüfung in einem weiteren Fach am Ende sämtliche Vorteile einer voll ausgebildeten Lehrkraft für sich in Anspruch zu nehmen, hierzu gehört etwa die Verbeamtung oder die Eingruppierung in die E10; 2. Anmeldung zum Intensivkurs zur pädagogisch-didaktischen Arbeitsweise beim ThILLM und die damit verbundenen Vernetzungsmöglichkeiten mit anderen Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteigern; 3. Unterstützung durch die Schulen beim Kennenlernen der Schule und Schulumgebung sowie Begleitung durch den Schulalltag; 4. Hinweise auf Anrechnungsstunden für die Nachqualifizierung; 5. Einsatz von Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteigern in Schule mit entsprechenden Erfahrungen; 6. Hospitationen und die Bildung von Austauschgruppen, Coachingangebote für Einzelne und in Gruppen sowie kollegiale Fallberatung – das sind auch Maßnahmen, die zur Anwendung kommen; 7. Fortbildungsangebote zu Themen wie „Methoden im Unterricht“, „Planung und Gestaltung von Unterricht“ und 8. – letzter Punkt – Fortbildungsangebote für Verantwortliche für die Ausbildung und für die Schulleitung zum Umgang mit Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteigern. Danke schön.
