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Christian Tischner

CDU 27.04.2023 Sitzungen 7/108

Lehrerbildung weiterdenken – Schritte zu einer Reform der zweiten und dritten Phase der Lehrerbildung

Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen, vor allem aber liebe Schülerinnen und Schüler, liebe Kollegen auf der Tribüne, die ihr uns zuschaut! Ihr habt den guten Moment erwischt, in dem der Landtag wieder mal – aber auch gestern erst – über Bildung diskutiert. Wir diskutieren jetzt gerade über etwas sehr Grundlegendes, um den Lehrermangel einigermaßen in den Griff zu bekommen, den wahrscheinlich auch Sie/ihr in den Schulen haben/habt und erlebt, nämlich das Thema der Lehrerbildung. Die Lehrerbildung ist zu unterscheiden – die Lehrer wissen das, die Schüler vielleicht nicht unbedingt – in eine erste Phase und eine zweite Phase. Die erste Phase – darauf hat Frau Rothe-Beinlich jetzt einen großen Teil ihrer Rede verwendet, aber darum geht es eigentlich gar nicht – ist das, was an den Universitäten passiert, (Zwischenruf Abg. Rothe-Beinlich, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Wie gut, dass Sie immer alles besser wissen!) und die zweite Phase ist das, was dann im Studienseminar mit den Referendarinnen und Referendaren passiert, die wahrscheinlich auch ihr an den Schulen des Öfteren erlebt. Ich sage das auch noch mal so deutlich, dass wir als CDU ablehnen – aber darum soll es, wie gesagt, in der Rede gar nicht gehen –, dass man das Regelschullehramt und das Gymnasialstufenlehramt zu einem Einheitsschullehramt zusammenlegt, weil doch die Anforderungen an einen Gymnasiallehrer andere sind als an einen Regelschullehrer, der mit einer hohen pädagogischen Vielfalt auf die Heterogenität reagieren muss. Wir sind eher dafür, dass es eine bessere Durchlässigkeit gibt, dass es beispielsweise auch möglich ist – so wie in Sachsen oder Sachsen-Anhalt –, dass zwischen den Schularten hinund hergewechselt werden kann. Aber das ist eine Frage des Besoldungsrechts und nicht der Ausbildung an den Universitäten. Jetzt zur Frage der zweiten Phase der Lehrerbildung – und die dritte Phase, das sind dann Fortund Weiterbildungen, die die Lehrerinnen und Lehrer auch immer machen sollen –, aber vor allem zur zweiten Phase, darum dreht sich ja der vorliegende Antrag von Rot-Rot-Grün: Ich habe gestern meine Rede mit der Forderung geschlossen: Wir müssen endlich Spitzenreiter bei den Einstellungsterminen in Deutschland werden – wir sind leider immer noch Bummelletzter –, damit wir den Lehrermangel in den Griff bekommen, wir müssen mehr ausbilden, mehr einstellen, vor allem müssen wir bedarfsgerecht einstellen und ausbilden. Wenn jedes Jahr 1.000 Lehrer in Rente gehen und letztes Jahr auch wieder nur 600 mit ihrem Referendariat fertig werden, dann sind das eben jedes Jahr – und das baut sich auf – 400 zu wenig. Und da helfen leider auch die Seiteneinsteiger nur zum Teil. Und drittens müssen wir uns um die Seiteneinsteiger kümmern, müssen diese qualifizieren und unterstützen. Leider wird das in Thüringen auch sehr halbherzig getan. Nicht selten werfen die Seiteneinsteiger ihre Flinte ins Korn, weil sie schlicht scheitern und mit all den Anforderungen nicht klarkommen, weil zu wenig Unterstützung da ist. Grundlegend dafür, dass wir mehr ausbilden, mehr Seiteneinsteiger unterstützen, ist, dass wir eine funktionierende Struktur in der zweiten Lehrerbildungsphase haben. Unsere Strukturen und Regularien, die wir in Thüringen derzeit noch sehen, stammen aus einer Zeit, wo wir einen Lehrerüberhang hatten, wo wir eigentlich kaum Lehrer brauchten, eine Zeit, die ich auch als Lehrer durchlaufen habe, als Referendar, wo sich das Land im Grunde auch jeden aussuchen konnte und jeder Referendar, der irgendwie eingestellt wurde, auch das machen musste, was das Land wollte, und dann auch hunderte Kilometer jeden Tag zum Studienseminar oder zur Schule gefahren ist. Das war so. Die Zeiten sind vorbei, wir stehen im massiven Wettbewerb mit all den angrenzenden Bundesländern. Wir brauchen hier moderne und effiziente Strukturen. Deshalb hat meine Fraktion – und das war mir immer ein sehr wichtiges Anliegen in den letzten Jahren – immer wieder auch Vorschläge hier in den Landtag eingebracht, um gerade in der zweiten Phase der Lehrerbildung etwas zu tun. Kollege Schaft hat es schon beschrieben: Wir sind alle als Politiker im Gespräch – fast alle wahrscheinlich – mit den Verbänden, die in diesem Bereich etwas zu sagen haben. Auch wir haben schon vor sechs, sieben Jahren Vorschläge vorgelegt, wie im Bereich der zweiten, dritten Phase der Lehrerbildung etwas passieren kann. Ich bin deshalb dankbar, dass jetzt, nach nun neun Jahren, auch mal so ein Gesamtkonzept von Rot-Rot-Grün vorliegt, wie sie sich denn die zweite und dritte Phase der Lehrerbildung vorstellen können. Ich will nur daran erinnern, was in den letzten anderthalb Jahren durch unsere Fraktion in diesem Bereich vorangetrieben worden ist, und wir sind dankbar, dass es dann dafür hier im Landtag eine Mehrheit gab. So war es die CDU-Fraktion, die vor zwei Jahren eine Änderung des Besoldungsgesetzes gefordert hat – eine Änderung des Besoldungsgesetzes dahin gehend, dass wir das Funktionsamt für die Fachleiterinnen und Fachleiter, also die Kollegen, die an den Studienseminaren arbeiten, auch wieder eingeführt haben. Leider hat es sehr lange gedauert, bis das umgesetzt wird – wir sind immer noch dabei –, aber vor anderthalb Jahren sind wir diesen Schritt gemeinsam hier im Parlament gegangen. Und wir als CDU-Fraktion haben es in den Haushaltsverhandlungen vor zwei Jahren bereits hinbekommen – natürlich auch dank der Unterstützung der anderen Fraktionen –, dass Gelder für die Schaffung von drei zusätzlichen Studienseminaren eingestellt werden, nämlich in West-, Nord- und Südthüringen. Das ist ein sehr wichtiger Schritt, aber leider ist inzwischen erheblich viel Zeit vergangen und die Umsetzung stockt. Die Umsetzung stockte massiv bei den Fachleiterinnen und Fachleitern. Es hat über ein halbes Jahr gedauert, bis uns – nicht der Bildungsminister – die zuständigen Mitarbeiter in seinem Ministerium sagen konnten, wie viele Fachleiterinnen und Fachleiter wir überhaupt in Thüringen haben – es ist schon spannend, dass es im zuständigen Referat nicht bekannt war – und vor allem, wie viele Studierende oder Lehramtsanwärter dann auch von den Fachleitern betreut werden, sodass wir dann nach einer nochmaligen Gesetzesänderung auch dazu gekommen sind, die Funktionsämter einzuführen, wobei die Ausschreibungen – vielleicht kann Herr Minister das gleich noch mal ein bisschen konkretisieren – für die Besetzung der Funktionsämter in der zweiten Phase, was ja auch Rot-Rot-Grün hier noch mal in ihren Antrag reinschreibt, immer noch nicht geschehen sind. Genauso verhält es sich jetzt mit der so dringend notwendigen und auch hier im Haus breit geteilten zusätzlichen Schaffung von weiteren Studienseminaren. Wir als CDU-Landtagsfraktion verstehen nicht, was daran das Riesenproblem ist, dass wir es vielleicht dieses Jahr wieder nicht hinkriegen und dann vielleicht – Fragezeichen, Herr Minister – in dieser Legislatur nicht hinbekommen, dass wir die Struktur bei den Studienseminaren so umstellen, dass sie dem gerecht wird, was wir als CDULandtagsfraktion seit Jahren hier fordern, was wir mehrfach mit Landtagsbeschlüssen auch hier im Landtag gemeinsam dokumentiert haben. Der vorliegende Antrag von Rot-Rot-Grün – ich habe es eben schon gesagt – ist ein gutes Sammelsurium und mal ein Überblick über all das, was sich Rot-Rot-Grün vorstellen kann. Viele dieser Punkte teilen wir, haben wir zum Teil auch hier im Landtag schon beraten, haben wir manches Mal auch schon beschlossen. Das ist durchaus ein gutes und notwendiges Gesprächsangebot. Ich glaube, es ist wirklich sehr wichtig, dass wir uns im Landtag – und dazu liegt ja bereits auch ein Antrag der CDU-Landtagsfraktion im zuständigen Bildungsausschuss – zum Thema „Seiteneinsteiger“ noch mal verständigen. Da haben die Fachleiterinnen und Fachleiter und das Thüringer Lehrerbildungsinstitut natürlich eine große Relevanz, einen großen Anteil daran und wir kriegen täglich die Rückmeldungen, wie schwierig es ist, als Seiteneinsteiger eingestellt zu werden. Das ist das eine Problem. Aber wir kriegen auch täglich die Rückmeldungen, wie schwierig es ist, dass die Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger Unterstützung in den Schulen erfahren, weil Seiteneinsteiger meistens in den Schulen eingestellt werden, wo der Lehrermangel schon riesengroß ist, und dort, wo der Lehrermangel schon riesengroß ist, gibt es selten Kolleginnen und Kollegen, die dann auch ausreichend Zeit haben, sich um den Seiteneinsteiger zu kümmern. Da müssen wir unbedingt ran. Ich will deswegen meine Rede in diesem Bereich, Herr Minister, noch mal mit einer Forderung enden lassen – eine Forderung, die wir nicht auf die lange Bank schieben sollten. Sie haben dankenswerterweise das Programm „Grau macht schlau“ entwickelt und stellen das auch immer voran. Wir lesen in den Antworten, die Sie uns auf die Kleinen Anfragen geben, dass dieses Programm „Grau macht schlau“ nicht unbedingt zuhauf genutzt wird und wenn, dann mal mit wenigen Stunden. Das müssen wir auch verstehen, weil viele Kolleginnen und Kollegen, wenn sie dann im Rentenalter sind, auch einfach ausgebrannt, fertig sind. Die wollen nicht mehr diese ganzen Korrekturen, die wollen nicht mehr den ganzen Aufwand, die Verantwortung, die wollen weniger. Aber bitte, Herr Minister, ich habe es schon mal gefordert: Bewerben Sie aktiv das Programm „Grau macht schlau“ dahin gehend, dass diese älteren Kolleginnen und Kollegen sich vielleicht als Hospitanten, als Unterstützer um die Seiteneinsteiger kümmern. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass die älteren Kollegen in die Schule gehen, vielleicht einmal, zweimal in der Woche, sich in den Unterricht des Seiteneinsteigers hineinsetzen und den riesigen Erfahrungsschatz, den diese Lehrerinnen und Lehrer haben, dann auch an die Neuen weitergeben. Wenn wir das ein bisschen mehr nach vorn treiben und die Angebote machen und den Schulleitern sagen, geht aktiv auf die Kollegen zu, die jetzt im August in Rente gehen, glaube ich, dann können wir sehr viel erreichen. Vielen Dank. (Beifall CDU)

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