Astrid Rothe-Beinlich
Lehrerbildung weiterdenken – Schritte zu einer Reform der zweiten und dritten Phase der Lehrerbildung
Frau Präsidentin, meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Interessierte, unser vorliegender Antrag macht Vorschläge zur Weiterentwicklung der Thüringer Lehrerbildung. Das ist ein Thema, das uns im Ausschuss auch schon lange beschäftigt. Hier geht es uns ganz besonders um die sogenannte zweite und dritte Phase, also den Vorbereitungsdienst und die Fortbildung bzw. die berufsbegleitende Weiterbildung von Lehrkräften. Einen weiteren Antrag, der sich mit den Herausforderungen gerade der ersten Phase der Lehrerbildung beschäftigt, haben wir ebenfalls eingebracht. Dort liegt der Fokus dann eher auf der schulstufenbezogenen Lehrerinnenausbildung, die aus unserer Sicht jedenfalls dringend notwendig ist, um einen breiteren Einsatz der Lehrkräfte zu gewährleisten, wo ich mir endlich auch ein Umdenken der CDU wünsche.
(Beifall DIE LINKE)
(Zwischenruf Abg. Tischner, CDU: Nein!)
Ja, Nein kann man immer laut rufen, aber ich dachte, wir sind hier im Diskurs oder im Dialog oder wie man das nennt.
(Zwischenruf Abg. Tischner, CDU: Sind wir!)
Wie wichtig die Fort- und Weiterbildung von Lehrkräften ist, muss ich sicherlich nicht besonders betonen. Gerade auch angesichts des Generationenwechsels, den wir im Moment erleben, brauchen wir flexiblere Strukturen, die sowohl den Quer- und Seiteneinstieg, aber auch die Nachqualifizierung und die berufsbegleitende Fort- und Weiterbildung verlässlich gewährleisten. Was aber schlagen wir nun vor? Unser Antrag enthält zahlreiche Punkte, auf einige möchte ich kurz eingehen: Zum einen schlagen wir vor, die Studienseminare und Seminarschulverbünde so neu zu ordnen, dass wir tatsächlich in jedem Schulamtsbereich einen Standort für die Lehrerbildung vor Ort haben. Bisher gibt es in Thüringen nämlich nur zwei Studienseminare, eins in Erfurt und eins in Gera, und ergänzend verschiedene Seminarschulverbünde in Worbis, Eisenach, Nordhausen und Nordthüringen. Zukünftig wollen wir eine einheitliche Struktur mit vergleichbaren Rahmenbedingungen, mit kurzen Wegen und auch verbesserten Unterstützungsmöglichkeiten schaffen. Auch das Unterstützungssystem selbst wollen wir neu aufstellen, indem wir das ThILLM, das Lehrerbildungsinstitut, zu einem Zentrum für Schulqualität weiterentwickeln und als übergreifende Institution für alle Phasen der Lehrerinnenbildung benennen. Wir wollen die Schulentwicklung unterstützen, indem wir natürlich auch die Fort- und Weiterbildungsformate stetig an Erkenntnisse der Bildungsforschung anpassen. Außerdem geht es darum, die Schulevaluation zu unterstützen, die Fachberatung wirksam aufzustellen und auch die Digitalität der Lehrerbildung umzusetzen. Wir müssen uns aber auch in der Fortbildung digital besser aufstellen, beispielsweise mit einem landeseigenen Bildungsserver, der alle Fortbildungsangebote zugänglich macht, und natürlich auch die Schulcloud immer wieder weiter ausbauen. Auch für die Gewinnung und Nachqualifizierung von Quer- und Seiteneinsteigerinnen möchten wir mit unserem Antrag Impulse setzen. So sehen wir die Chancen der Neuordnung der Nachqualifizierungslehrgänge, der Verlängerung der Ausbildung für ein Fach von 12 auf 16 Monate, ein verstärktes Mentoring sowie verringerte Deputatsvorgaben während der Nachqualifizierung. Schließlich geht es ja auch um die Frage der Verbindlichkeit bei der Lehrerinnenfortbildung. So soll die Einführung einer Fortbildungsverpflichtung geprüft werden – wohl wissend, dass natürlich auch die personellen Rahmenbedingungen ganz oft die sind, die über die Möglichkeit einer Teilnahme entscheiden. Unser Antrag reiht sich also in eine Menge von Reformvorschlägen ein, die wir bereits in den Landtag eingebracht haben. Ich will hier auch noch einmal auf das Schulgesetz hinweisen, mit dem wir neben der Entlastung von Lehrkräften insbesondere inhaltliche Aspekte wie die Praxisorientierung, digitale Lehr- und Lernformen sowie die Schulentwicklung deutlich voranbringen wollen. Mit der von uns vorgeschlagenen Änderung des Lehrerbildungsgesetzes, der Einführung der stufenbezogenen Lehramtsausbildung wollen wir dringend auf die notwendige Flexibilität beim Lehrkräfteeinsatz hinwirken und die schulartübergreifende Zusammenarbeit von Anfang an fördern. Dementsprechend ist es auch nur logisch, dass wir nun auch die Fort- und Weiterbildungsstrukturen in den Blick nehmen, denn die kontinuierliche Schulentwicklung braucht über die gesamte Bildungsbiografie unserer pädagogischen Profession gute Rahmenbedingungen. Diese wollen wir schaffen und ich freue mich auf eine gute fachliche Diskussion im Ausschuss dazu. Vielen herzlichen Dank.
(Beifall DIE LINKE, SPD, BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN)
