Dirk Bergner
Einsatz von Wärmebilddrohnen zum Schutz von jungen Wildtieren auf Landesebene implementieren und auf Bundesebene unterstützen
Vielen Dank, Herr Präsident. Meine sehr verehrten Damen und Herren! Frau Maurer, es ist schön, wenn Sie Landwirte nicht bevormunden wollen, das tun wir auch nicht. Was wir aber tun, ist, dass wir uns um bessere Rahmenbedingungen für sie kümmern.
(Beifall Gruppe der FDP)
Beschäftigen wir uns nun aber mit dem Thema „Wildrettung“. Der Titel des Antrags der AfD – Schutz von jungen Wildtieren – ist clever gewählt. Da kann man ja eigentlich gar nichts dagegen haben und auch nicht dagegen argumentieren. So sind doch Rehkitze und Junghasen verletzliche Kreaturen und müssen geschützt werden. Ganz klar. Sie haben recht! Jedes Jahr werden etwa 100.000 Jungtiere bei der Grasmahd von Landmaschinen getötet oder verletzt. Es ist der Instinkt der Jungtiere sich bei Gefahr still zu verhalten, sich zu ducken und bewegungslos zur verharren. Eine Strategie, die gegen ihre Fressfeinde natürlich wirkungsvoll ist, aber gegen ein modernes Hochleistungsscheibenmähwerk mit Schnittbreiten von über zehn Metern leider nicht. Wie kann man also diesem Problem begegnen? Das Absuchen der zu mähenden Wiesen zu Fuß oder mittels Hunden ist in einer Zeit, in der die zu bearbeitenden Flächen immer größer werden, personell, aber auch zeitlich fast nicht zu leisten. Auch an dieser Stelle von unserer Seite ein herzliches Dankeschön an alle, die das ehrenamtlich leisten und auch da muss uns niemand Empathie beibringen. Ich wohne an einem Feldrand und bei uns sind alle Mitglieder meiner Familie schon unterwegs gewesen, auch zum Thema „Wildrettung“.
(Beifall AfD, Gruppe der FDP)
Die Ausrüstung der Landmaschinen selbst mit Sensoren, Detektoren und Wärmebildkameras lieferte in Feldversuchen allerdings keine befriedigenden Ergebnisse. Auch unterbindet es ein flüssiges und unterbrechungsfreies Arbeiten auf dem Feld. Doch muss gesagt werden – und das vermisse ich in Ihrem Antrag –, es nimmt kein Landwirt die Tötung von Tieren auf seinen Wiesen billigend in Kauf. Ganz im Gegenteil, auch für die Landwirte ist es eine Belastung. Wir als Freie Demokraten haben uns entschlossen, einen Alternativantrag einzubringen. Sie, werte Kollegen der AfD, haben den wohl jetzt auch gefunden und noch über Nacht Ihren Antrag durch einige Forderungen der Liberalen ergänzt und versucht, nun ein bisschen mehr Substanz in Ihr Papier zu bringen. Das ist grundsätzlich erst mal gar nicht falsch. So gehen Sie in Ihrem Antrag auf jetzt bereits bestehende Initiativen ein, welche sich zum Auftrag gemacht haben, Flächen mittels Drohnen nach verletzlichen Tieren abzusuchen. Dies hatten Sie in Ihrem Antrag bis jetzt unterschlagen. Ich spreche hier vom Projekt „Wildretter“. Die Projektpartnerinnen und -partner, welche sich hier zusammengefunden haben, sind unter anderem der Landmaschinenhersteller Claas, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt, die Technische Universität München sowie der Bayerische Jagdverband. Gefördert vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft ist das Ziel, eine drohnenbasierte Ortung von Rehkitzen zu ermöglichen. Dadurch können die Tiere vor der Mahd aufgespürt und umgesetzt werden, um Verluste zu vermeiden. Das ist im eigenen Interesse der Bauern und der Jägerschaft. So kann das Unterlassen von Maßnahmen zur Wildrettung strafrechtliche Konsequenzen nach dem Tierschutzrecht für den Landwirt haben. Auch wirkt sich natürlich das Einarbeiten von Kadavern in den Grünschnitt negativ auf die Qualität aus. Also selbst wenn ein hartherziger Mensch nicht mit den Tieren fühlen würde, würde er diese Ernte nicht so haben wollen. Und laut „Agrar heute“ kostet eine gute Drohne zwischen 15.000 und 20.000 Euro, eine zugehörige Wärmebildkamera 7.000 bis 10.000 Euro und das rechnet sich nur, wenn man die Drohne als Grundgerät analog zur Landmaschine sieht und sie mit verschiedenen Aufgaben über das ganze Jahr auslastet.
(Beifall Gruppe der FDP)
Die Wildrettung ist für viele Menschen natürlich ein hochemotionales Thema. Ich hatte das bereits angeschnitten, muss das aber mit Blick auf die Redezeit etwas einkürzen. Es gibt verschiedene Methoden, etwa das Anmähen von Flächen mit anschließender Ruhephase, weil das dazu führt, dass die Muttertiere noch versuchen, ihren Nachwuchs zu bergen. Zum Schluss möchte ich mich auch noch mal an die zahlreichen ehrenamtlichen Initiativen wenden und ihnen da ganz herzlich danken, etwa die „Rehkitzretter Gera“. Vielen Dank für diesen Einsatz! Ich denke, das sehen auch alle Kolleginnen fraktionsübergreifend hier im Hause so. Ich beantrage für den Alternativantrag der FDP im Namen meiner Gruppe die Überweisung an den Ausschuss für Infrastruktur, Landwirtschaft und Forsten. Damit muss ich das Ganze etwas einkürzen, weil meine Redezeit soeben abgelaufen ist. Gleichwohl, meine sehr verehrten Kolleginnen und Kollegen, danke ich Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.
(Beifall Gruppe der FDP)
