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Christian Tischner

CDU 02.02.2023 Sitzungen 7/101

b) Integration von Seiteneinsteigern ins Thüringer Schulsystem verbessern, Unterrichtsausfall vermeiden

Vielen Dank, Frau Präsidentin. Meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Schülerinnen und Schüler, eines haben die beiden Reden vor mir gemeinsam: Sie nehmen einen Alleinvertretungsanspruch für sich und das Thüringer Bildungssystem in Anspruch. Das ist, glaube ich, der falsche Weg. Keiner hat die Weisheit mit Löffeln gefressen. Herr Wolf, Sie können nicht sagen, dass alle Lehrer Ihren Gedanken folgen. Da müssen Sie wirklich mal mit den Kolleginnen und Kollegen reden, wie verschreckt die sind, beispielsweise jetzt durch Ihr Schulgesetz, dass Sie 40 Prozent aller Grundschulen und 40 Prozent aller Regelschulen infrage stellen. (Zwischenruf Abg. Dittes, DIE LINKE: Das ist doch Quatsch, Herr Tischner! Das ist doch gelogen!) (Zwischenruf Abg. Rothe-Beinlich, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Das stimmt doch nicht!) Es ist so. (Unruhe DIE LINKE, BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- NEN) Schauen Sie doch mal nach, Ihre Schulgrößen: (Unruhe DIE LINKE, BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- NEN) 40 Prozent aller Grund- und Regelschulen stellen Sie infrage. (Zwischenruf Abg. Dittes, DIE LINKE: Das ist doch Unsinn! Das ist einfach Quatsch!) Ich glaube, wir kommen nicht weiter hier im Thüringer Landtag, wenn wir immer wieder in die Vergangenheit schauen. Ich habe auch das Gefühl, bei den Reden oder Gesprächen, die ich mit den Kolleginnen und Kollegen, mit den Schülern, mit den Eltern führe, die sind es irgendwie satt, dass man immer wieder schaut, was in den 90ern und in den 2000ern und in den 2010ern war (Zwischenruf Abg. Kalich, DIE LINKE: Angst schüren wie die AfD!) und dann die Politiker alle kommen und ihre Erläuterungen bringen. Wir müssen zur Kenntnis nehmen, wie es auch in den 90er-Jahren war, dass die Hälfte aller Schülerinnen und Schüler innerhalb von zehn Jahren aus Thüringen weggegangen ist oder verschwunden ist, nicht mehr da war, weil die Eltern abgewandert sind, aber dass sich damals die Regierungen – ob FDP, ob SPD, ob CDU – dafür entschieden haben, nicht die Hälfte aller Lehrer in zehn Jahren zu versenken oder abzubauen oder zu entlassen, sondern dass man da gesagt hat: Okay, wir werden das über das Floating-Modell abfedern und schicken nicht Tausende Kolleginnen und Kollegen in den Ruhestand. Richtig war damals aber auch, dass die Regierungen, die damals Verantwortung getragen haben, immer Überbedarf ausgebildet haben. Seit 2014 passiert genau das Gegenteil. Jedes Jahr gehen mehr Kollegen in den Ruhestand, als tatsächlich ausgebildet werden. Aber es bringt uns nicht weiter, immer nach hinten zu schauen. Die Schulen haben den Anspruch und die Erwartung an uns, dass wir die Probleme lösen, die da sind, und das hat nichts mit irgendwelchem kurzfristigen Aktionismus zu tun, wie es Herr Höcke jetzt versucht hat hier darzustellen. Nachdem er seine Show-Rede gehalten hat, ist er jetzt auch weg. Die Videoaufnahmen sind wahrscheinlich gemacht, gut. Der parlamentarische Austausch ist – liebe Schüler, es läuft hier immer so – dann von Herrn Höcke auch nicht gewollt. Fakt ist: Die Schaufensterreden, die Herr Höcke hier für ein starkes, für ein gutes Schulsystem hält – das teilen wir alle. Wir alle wollen, dass beste Qualität an unseren Schulen ist. Wir alle wollen, dass unsere Lehrer trotz der vielen Aufgaben, die in den letzten Jahren hinzugekommen sind, weiter entlastet werden, vor allem, dass wir einstellen müssen. Aber es bringt auch nichts, wenn die AfD immer sagt: Wir lösen die Probleme in unserem Thüringer Schulsystem durch Selektion. Das hatten wir ja schon mal in der Vergangenheit. Wir selektieren, wir nehmen also mal alle raus, die Förderbedarf haben, die im inklusiven Unterricht sind, wir nehmen mal alle raus, die irgendwas mit Migrantenhintergrund haben, die aus der Ukraine kommen, die aus Afghanistan kommen. Selektion, das ist das, was Ihre Bildungspolitik eigentlich ausmacht, und das ist aus unserer Sicht der falsche Weg. Meine Damen und Herren, ich möchte noch ganz kurz, weil das ein paarmal angesprochen worden ist, zum Thema „Schulstufen“ etwas sagen: Eigentlich reden wir über ein viel wichtigeres Thema, nämlich über die Seiteneinsteiger. Aber diese schulstufenbezogene Lehrerausbildung wird uns keinen einzigen Lehrer mehr nach Thüringen bringen. Im Gegenteil, wir werden es erleben, dass mehr Lehrerinnen und Lehrer, die in die Ausbildung gehen wollen, in andere Bundesländer gehen, (Zwischenruf Abg. Wolf, DIE LINKE: Das ist falsch!) so wie wir es jetzt schon bei den Förderschulen erleben, weil in Thüringen die Förderschulen infrage gestellt sind. Deswegen gehen die Lehrer weg von Thüringen. Wenn wir jetzt auch noch die Regelschule in ihrer klassischen Ausbildung infrage stellen, dann werden auch die Mittelstufenlehrer nicht mehr zu uns kommen und verschwinden. Wir müssen uns Gedanken machen – dazu liegen auch Anträge hier im Haus, seit vielen Jahren mittlerweile im Ausschuss und es geht nicht voran –: Wie machen wir unsere Sekundarstufe I attraktiver? Wie gehen wir mit den Regelschulen um? Wie gehen wir mit der Oberschule um? Wie gehen wir mit den Gemeinschaftsschulen um? Das müssen wir in Angriff nehmen. Aber zu sagen, wir nehmen jetzt noch die klassische Ausbildung weg und machen in diese Richtung den Einheitslehrer, das wird es mit uns nicht geben. Danke schön. (Beifall CDU) (Zwischenruf Abg. Müller, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Was für eine Lüge! Einheitslehrer?)

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