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Denny Jankowski

AfD 02.02.2023 Sitzungen 7/101

b) Integration von Seiteneinsteigern ins Thüringer Schulsystem verbessern, Unterrichtsausfall vermeiden

Sehr geehrte Frau Präsidentin, werte Abgeordnete, liebe Schüler auf der Tribüne, es freut mich, dass sich viele berufstätige Menschen in Thüringen für den Lehrerberuf interessieren und diesen Menschen der Weg als Seiteneinsteiger offensteht. Aber viele der Seiteneinsteiger fühlen sich alleingelassen. Hier wird immer wieder der Wunsch geäußert, dass die fachliche Schulung entzerrt werden soll, zum Beispiel beim vorbereitenden Intensivkurs zum Einstieg, der von vielen von ihnen einfach nur als Schnellbesohlung verstanden wird. Diesem Wunsch sollte man entsprechen, anstatt die Seiteneinsteiger durch einen vierwöchigen Crashkurs schon vor Beginn ihrer Lehrertätigkeit zu verheizen. Hier muss am Ende nachgebessert werden. Ich kann es mir schlichtweg nicht vorstellen, wie vier Wochen ausreichen sollen, um einen Seiteneinsteiger ordentlich auf den Einsatz im Unterricht vorzubereiten. Das reguläre Lehramtsstudium dauert nicht umsonst zehn Semester und erst nach fünf bis sechs Semestern steht das Praxismodul an. Der Einstiegskurs für die Seiteneinsteiger muss deswegen in unseren Augen von vier Wochen auf wenigstens zwölf Wochen ausgeweitet werden. Nur so kann man garantieren, dass die pädagogischen Grundkenntnisse ausreichend vermittelt und wenigstens ein bisschen gefestigt werden. (Beifall AfD) Überhaupt muss man die Kapazitäten dieser Einstiegskurse vergrößern. Immer wieder hört man, dass Seiteneinsteiger erst an der Schule sind und schon Unterricht geben müssen und erst danach dann irgendwann mal diese Qualifikation genießen. Wir hatten bereits vom Praxisschock gesprochen. Das ist aber nicht nur für die Seiteneinsteiger demotivierend, sondern es ist auch gefährlich, wenn die Seiteneinsteiger einfach unvorbereitet vor den Schülern stehen und noch keine Ahnung haben, wie guter Unterricht überhaupt gelingt. Der Landesregierung muss es auch wichtig sein, dass der Unterricht der Seiteneinsteiger qualitativ genauso hochwertig ist wie der Unterricht durch die regulären Lehrkräfte. Für unser Bildungssystem wäre es nämlich schlecht, wenn die Seiteneinsteiger zunächst erst einmal hofiert werden, ihnen dann aber in der Schule jede Unterstützung fehlt und sie wieder enttäuscht den Schuldienst verlassen müssen. Leider passiert das momentan aber recht häufig und hier muss dringend nachgebessert werden. (Beifall AfD) Zur gezielten Unterstützung der Seiteneinsteiger muss es aber auch gehören, dass sie nur an Schulen unterrichten, die auch Mentoren bereitstellen können. Das können nur grundständig ausgebildete Lehrer mit mehreren Jahren Berufserfahrung im entsprechender Fach des Seiteneinsteigers sein. Sie sollen den Seiteneinsteiger unterstützen und ihm mit Rat und Tat beiseitestehen, bei Problemen helfen und aus der Praxis erworbenes Wissen vermitteln. Man sollte eigentlich meinen, dass diese Bereitstellung eines entsprechenden Mentors eine Grundvoraussetzung für den Einsatz von Seiteneinsteigern sein sollte. Leider ist diese Grundvoraussetzung auch hier in Thüringen bei Weitem nicht gegeben. (Beifall AfD) Da kann ich ein Beispiel bringen aus meinem Freundeskreis: ein Ingenieur, der Seiteneinsteiger werden wollte für das Fach Physik. Das Anerkennungsverfahren war zäh, aber es ging irgendwie. Er durfte dann als Physiklehrer eingesetzt werden. Er bekommt eine Schule zugeteilt, den Einstiegskurs zur Vorbereitung hatte er natürlich nicht bekommen, und wird dann an einer Schule eingesetzt, an der er vom ersten Tag an der einzige Physiklehrer war. Schon allein die Frage, was an Experimenten im Physiklabor überhaupt noch funktioniert, konnte ihm niemand beantworten. Er musste allein zusehen, wie er sich da irgendwie durchwurschtelt. Gerade in der Anfangszeit, wo es wichtig gewesen wäre, mit einem grundständig ausgebildeten Physiklehrer im Austausch zu stehen, war er komplett auf sich allein gestellt. Die Motivation war entsprechend auch relativ schnell dahin. So kann man auch engagierte junge Leute, die den Seitenanstieg ins Lehramt antreten wollen, verprellen. (Beifall AfD) Während ein studierter Wirtschaftswissenschaftler oder ein Ingenieur an einer Berufsschule seine Erfahrungen aus der Arbeitswelt gut einbringen kann und ebenso wahrscheinlich auch ein Informatiker an einem Gymnasium einen praxisorientierten Unterricht gut durchführen kann, sehe ich den Einsatz von Seiteneinsteigern an Grundschulen aber sehr skeptisch. Während man von älteren Kindern und Azubis in Berufsschulen erwarten kann, dass sie auch selbstständig lernen, so liegt der Fokus in der Grundschule woanders. Grundschulkinder müssen auch das Lernen erst lernen. Bei Grundschullehrern liegt der Fokus vor allem auf dem Didaktischen und Pädagogischen. Das Beibringen von elementaren Fähigkeiten im Rechnen, Lesen und Schreiben erfordert besondere pädagogische Anforderungen. Ich glaube nicht, dass ein Seiteneinsteiger dies wirklich leisten kann, weder nach vier Wochen noch nach drei Monaten Intensivkurs. Es wäre deswegen das Beste, wenn man auf Seiteneinsteiger in der Grundschule verzichten würde. Stattdessen sollte man Anreize und Möglichkeiten schaffen, damit Erzieher in Thüringen zu Grundschullehrern weitergebildet werden können. Wir hatten einen entsprechenden Antrag vor zwei Jahren hier in den Landtag eingebracht, der auch genau in diese Richtung ging. Im Antrag forderten wir, dass den Erziehern die Möglichkeit gegeben werden soll, wieder die Lehrbefähigung für ein Fach zu bekommen, wie es auch zu Ostzeiten schon möglich war, und somit ihren Beschäftigungsumfang zu erhöhen. Insgesamt muss man sagen, dass Erzieher eine sehr gute Ausbildung genießen und vor allem im Bereich der Pädagogik viele Kenntnisse mitbringen. Sie kennen vor allem den Umgang mit Kindern. Deswegen sollte insgesamt darüber nachgedacht werden, wenn man schon im Grundschulbereich über nicht genügend ausgebildete Lehrer verfügt, dann Erziehern die Möglichkeit zu geben, sich durch Nachqualifizierung zum Grundschullehrer ausbilden zu lassen, und auf Seiteneinsteiger aus anderen Berufsfeldern gänzlich zu verzichten. (Beifall AfD) Auch die Fraktion der CDU hat einen Antrag zur Verbesserung der Seiteneinsteiger eingebracht. In diesem Antrag fehlt mir aber ganz klar das Bekenntnis zu regulär ausgebildeten Lehrern als Motor unserer Schulbildung. Die AfD-Fraktion steht hinter den Seiteneinsteigern, weil wir momentan auch gar nicht drum herumkommen, auch auf Seiteneinsteiger im Schuldienst zurückzugreifen. Diese Form der Qualifizierung darf aber kein Selbstzweck werden. Die Förderung der Seiteneinsteiger kann nur mit einer großen Lehreroffensive einhergehen. Und Sie dürfen auch eines nicht vergessen: Die Seiteneinsteiger machen mittlerweile fast ein Viertel der Neueinstellungen im Schuldienst aus. Diese Seiteneinsteiger sind hochqualifizierte Fachkräfte, die uns dann aber auch woanders fehlen, und zwar in der freien Wirtschaft. Ihr Antrag, sehr geehrte Damen und Herren von der CDU, ist durchaus umfangreich, aber an manchen Stellen haben wir auch Bedenken. Ich finde es zum Beispiel schwierig, dass Sie die Anerkennungsverfahren für ausländische Hochschulabschlüsse in diesem Bereich vereinfachen wollen. (Zwischenruf Abg. Tischner, CDU: Es hätte mich auch überrascht, wenn es nicht so wäre!) (Zwischenruf Abg. Wolf, DIE LINKE: Was für ein Unsinn!) Auch hier sorge ich mich um die Deprofessionalisierung des Lehrerberufs. Hinzu kommen auch immer noch vorhandene Sprachbarrieren von vielen ausländischen Fachkräften. Diese können die Vermittlung des Unterrichts dann durchaus auch erschweren. Gut hingegen finde ich in Ihrem Antrag, dass Sie – wie meine Fraktion es auch möchte – die Verlängerung des Vorbereitungskurses auf drei Monate fordern und die Kapazitäten der Studienseminare erhöhen wollen. Außerdem positiv hervorzuheben ist in meinen Augen auch die Idee, die Hochschulen stärker mit einzubinden. Auch die speziell für Seiteneinsteiger zugeschnittenen Masterstudiengänge zur Qualifizierung sind in meinen Augen sehr dienlich. Trotzdem darf es aber nicht dazu führen, dass der reguläre Weg zum Lehrer übergangen wird. Sie alle dürfen nicht vergessen, dass der grundständig ausgebildete Lehrer auch in Zukunft noch Vorrang haben muss, damit Sie den Lehrermangel nicht noch weiter verschärfen. Es sind insgesamt im Antrag der CDU einige gute Ansätze zu finden, im Interesse unserer Seiteneinsteiger werden wir also einer Überweisung an den Bildungsausschuss auch gern zustimmen. Ich würde mich freuen, wenn beide Anträge den Weg in den Ausschuss finden und wir dann dort eine gemeinsame Beratung durchführen. Vielen Dank. (Beifall AfD)

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