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Denny Jankowski

AfD 02.02.2023 Sitzungen 7/101

b) Integration von Seiteneinsteigern ins Thüringer Schulsystem verbessern, Unterrichtsausfall vermeiden

Sehr geehrte Frau Präsidentin, werte Abgeordnete, liebe Gäste und Schüler auf der Tribüne und am Livestream, ich freue mich, dass im ersten Plenum des Jahres so viele Bildungsthemen auf der Tagesordnung stehen, denn wir haben massive Probleme an den Thüringer Schulen, die auch angegangen werden müssen. Wir haben einen massiven Unterrichtsausfall durch einen gravierenden Lehrermangel und die Situation wird sich noch weiter verschärfen, denn das Durchschnittsalter der Thüringer Lehrer liegt bei rund 50 Jahren. Der hohe Altersdurchschnitt zieht Langzeiterkrankungen und viele Pensionierungen nach sich. Die Offerte des Bildungsministeriums, dass Lehrer ihren verdienten Renteneintritt doch bitte nach hinten schieben sollten, schafft hier in meinen Augen mehr Probleme als Lösungen. Sie wirkt eher wie eine Verzweiflungstat des Ministeriums. Ein probates Mittel, um den Lehrermangel kurzund mittelfristig abzumildern, ist die Einstellung und Förderung von Seiteneinsteigern. Mittlerweile sind 23 Prozent der neuen Lehrkräfte in Thüringen über diesen Weg an unsere Schulen gekommen und der Großteil von ihnen unterrichtetet an den Berufsschulen. Die hohe Zahl zeigt, dass die Seiteneinsteiger aktuell eine wichtige Stütze im Thüringer Bildungssystem sind. Allerdings steht auch diese Stütze auf einem sehr wackeligen Fundament. Sicher können die Seiteneinsteiger von ihren Erfahrungen aus dem regulären Berufsleben profitieren und dadurch neue Impulse in den Unterricht einbringen und diesen vor allem auch praxisnaher gestalten. Der Intensivkurs zum Beispiel zum Einstieg, der die angehenden Neulehrer auf die Unterrichtssituation vorbereiten soll, dauert aber gerade einmal vier Wochen. Und diese vier Wochen sind in meinen Augen komplett zu knapp bemessen. (Beifall AfD) Es ist ein Ding der Unmöglichkeit, Seiteneinsteiger innerhalb von vier Wochen auf ein auch nur annähernd gleiches pädagogisches und didaktisches Niveau zu bringen wie einen Lehramtsstudenten, der erst mehrere Semester Theoriebildung erfährt, bevor er dann an einer Schule hospitieren darf. In meinen Augen ist hier zu befürchten, dass uns eine Deprofessionalisierung des Lehrerberufs bevorsteht und die Seiteneinsteiger vor allem nur unzureichend auf den Einsatz im Unterricht vorbereitet sind. Auch die Kapazitäten für diese Einstiegskurse sind bei Weitem zu gering. Aus vielen Gesprächen mit Seiteneinsteigern weiß ich, dass der Intensivkurs zum Einstieg nur in seltenen Fällen überhaupt vor dem Einsatz im Unterricht durchgeführt wird, teilweise erst, wenn der Seiteneinsteiger schon über ein Jahr vor der Klasse stand. Manch ein Seiteneinsteiger steht deswegen ohne sein eigentliches Rüstzeug vor der Klasse. Der so schön genannte Praxisschock wird dadurch noch größer und führt oftmals zu einem gewaltigen Knick in der Motivation der Nachwuchslehrer. Bei aller Diskussion um Verbesserungen für Seiteneinsteiger dürfen wir aber eins nicht vergessen: Der Lehrerberuf ist zunehmend unattraktiver geworden und das nicht erst seit einer rot-rot-grünen Landesregierung. Schon unter der Ägide der CDU wurden immer weniger offene Stellen besetzt und immer weniger Lehrer müssen immer mehr fachfremde Aufgaben leisten. Sie sollen integrieren, sie sollen inkludieren, sie haben Probleme mit mangelnder Schülerdisziplin und müssen sich immer mehr mit bürokratischen Aufgaben herumplagen. Wir müssen endlich dafür sorgen, dass die Zusatzbelastungen der Lehrer durch Bürokratie und Bildungsexperimente abgebaut werden. Nur so wird der Beruf des Lehrers wieder attraktiver und mehr junge Menschen entscheiden sich dann auch für ein Lehramtsstudium. (Beifall AfD) Denn bei aller momentanen Notwendigkeit der Seiteneinsteiger: Das grundständige Lehramtsstudium muss der Hauptpfeiler unseres Bildungssystems bleiben. Unser eingereichter Antrag soll dazu dienen, die Situation und die Qualifizierung von Seiteneinsteigern zu verbessern und sie bestmöglich auf den Schuldienst vorzubereiten. Vor allem ist in unseren Augen aber wichtig, dass der Einsatz von Seiteneinsteigern nicht zu einem Verlust der Unterrichtsqualität führt, weil sie unter Umständen nicht gut genug auf den Einsatz in der Schule vorbereitet wurden. Ich freue mich auf eine angeregte Diskussion zu unserem Antrag und zu dem der CDU und ich möchte schon jetzt die Überweisung unseres Antrags an den Ausschuss für Bildung, Jugend und Sport beantragen. Vielen Dank. (Beifall AfD)

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