Christian Tischner
b) Integration von Seiteneinsteigern ins Thüringer Schulsystem verbessern, Unterrichtsausfall vermeiden
Frau Präsidentin, meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Schülerinnen und Schüler, Kollegen auf der Tribüne, einen wunderschönen guten Morgen! Nicht erst seit den vielfachen Studien zu Grundlagen für einen erfolgreichen Unterricht wissen wir, dass der Schlüssel für einen guten Unterricht vor allem der Lehrer ist. Ein fachlich gut ausgebildeter Lehrer mit Motivation für seinen Beruf und Begeisterung an der Arbeit für Kinder und Jugendliche ist das eigentliche Erfolgsrezept für einen guten Unterricht. Erinnern wir uns doch einmal alle selbst an unsere Schulzeit zurück. Welcher Lehrer ist uns da noch positiv in Erinnerung? Und welcher Lehrer ruft vielleicht bei uns so ein kleines Schmunzeln hervor oder – besser noch – welcher unserer Lehrer bewirkte bei uns beides? Wenn wir da zurückblicken, haben wir uns damals als Schüler einmal die Frage gestellt, wie diese Lehrer eigentlich ausgebildet wurden? Haben wir uns die Frage gestellt, ob unsere Grundschullehrerin ein Abitur hatte? Sie hatte es vielfach nicht. Haben wir uns die Frage gestellt, ob unser Lehrer als sogenannter Neulehrer in den Schuldienst kam oder nachdem er einen Beruf erlernte und dann ins Lehramt wechselte? Für einen Schüler und für unsere Eltern zählte, dass der Lehrer ein guter Pädagoge war und einen guten Draht zu Kindern und Familien hatte. Um nicht falsch verstanden zu werden: Ich stelle nicht die heutige universitäre Lehrerausbildung infrage. Aber ich stelle infrage, ob unsere Universitäten aktuell in der Lage sind und mit entsprechenden Rahmenrichtlinien ausgestattet wurden, den Lehrerbedarf tatsächlich noch zu decken. Ich bin der Überzeugung, sie sind es leider nicht. Sie sind es nicht, weil die Strukturen in der Lehrerbildung an den Universitäten einfach viel zu unflexibel sind. Ich selbst habe lange genug an der Universität gearbeitet, und so, wie wir Landtagsabgeordnete im Rhythmus von Plenarwochen denken, wenigstens im Vier-Wochen-Rhythmus, so denken unsere Universitäten leider im Rhythmus von Semestern. Dies wird umso schwieriger, wenn die bedarfsorientierte Lehrerbildung beim zuständigen Wissenschaftsministerium nicht gesteuert bzw. auch nicht nachgesteuert wird.
(Beifall CDU)
Wie kann es sein, dass die Universität Erfurt nach eigenen Veröffentlichungen jährlich Hunderte von Studienbewerbern für das Lehramt ablehnt? Und wie kann es sein, dass seit vier Semestern das ThILLM mit der Universität Jena streitet, ob man Strukturen anbietet, die gezielt naturwissenschaftliche Lehre auf einem Schulniveau ausbilden? Das ist traurig. Jede Entscheidung für gezielte Lehrerbildung an unseren Hochschulen dauert leider mindestens fünf Jahre und wahrscheinlich noch mal zusätzliche zwei bis drei Semester, bis sich dann eine Universität auch auf den Weg macht. Ich komme zurück auf den Gedanken, ob wir uns als Schüler gefragt haben, wie unsere Lehrer ausgebildet wurden. Nein, wir haben es nicht. Und trotzdem ist etwas aus uns geworden. Fest steht aber: Die Ausbildung der Lehrer war auch schon früher nicht uniform. Die Ausbildung der Lehrer war in dem Fall aber stets ein Monopol des Staats und das ist auch gut so. Angesichts des dramatischen Lehrermangels und des Aufwuchses an Schülern können wir nicht mehr auf eine ausreichende Anzahl klassisch ausgebildeter Lehrer hoffen und ich glaube auch, das brauchen wir nicht. Aber wir müssen alles dafür tun, dass diese Quer- und Seiteneinsteiger einen optimalen Start in einen viel heterogeneren Schulalltag erleben, als wir ihn erlebt haben. Wir müssen – das ist ganz wichtig – eine Willkommenskultur für Querund Seiteneinsteiger an unseren Schulen leben und – das ist eine viel größere Baustelle – wir müssen diese Willkommenskultur in der Schulaufsicht endlich vorleben.
(Beifall CDU)
Wenn man etwas aus der Neulehrerausbildung der DDR lernen kann – ich will da mal an ein interessantes Buch erinnern von Heinz Scholz, einem Lehrer aus Gotha –,
(Beifall Abg. Hey, SPD)
dann dass es eine pragmatische und vor allem eine nicht ideologische Antwort auf die Notstände im Bildungswesen braucht. Eine Antwort, die neue Kolleginnen und Kollegen im Beruf fördert und fordert. Mit unserem Antrag, der nun heute hier endlich zur Beratung im Hohen Haus kommt, fühlen wir uns dem Ziel der pragmatischen Wege zur Absicherung des Unterrichts und einer adressatenorientierten Qualifizierung unserer zukünftigen Lehrer verpflichtet.
(Beifall CDU)
In meiner Rede werde ich dann gleich auf weitere Vorschläge eingehen. Danke schön.
