Christian Tischner
Betreuung und Beschulung von Flüchtlingskindern an ukrainischen Vorstellungen orientieren
Frau Präsidentin, meine sehr geehrten Damen und Herren, mit dem Ankommen vieler Tausender ukrainischer Flüchtlinge werden unsere Schulen – das ist heute hier schon von verschiedenen Seiten gesagt worden – einmal mehr herausgefordert. Die Inklusion in den letzten Jahren, der Lehrermangel bedingt durch den Generationswechsel, die Digitalisierung, die Migrationswellen aus den vergangenen Jahren, aber auch der Investitionsstau sind alles Dinge, die unseren Schulen und Kolleginnen und Kollegen jetzt schon viel abverlangen. Und ja, es ist so, dass auch, wenn durch den von Russland ausgelösten Krieg zusätzlich Migranten kommen, die Schulen belastet werden. All diese Themen müssen wir als Bildungspolitiker im Blick behalten, das ist richtig. Wir müssen auf die Bildungsqualität und vor allem die Bildungschancen achten, und das meine ich für alle, sowohl für die ukrainischen Kinder, für die Kinder mit Inklusionsbedarf, aber natürlich auch für die vielen, vielen Tausenden Schüler, die ganz normal in unsere Schulen gehen. Der uns heute hier vorliegende AfD-Antrag ist mal wieder ein Antrag, der unter dem Titel „der Wolf im Schafspelz“ zusammengefasst werden kann. Was die AfD hier treibt – das hat man vor allem jetzt in den Reden und in den Zwischenrufen gehört –, ist abartig, man muss es so deutlich sagen. Wenn Sie, die AfD, die Kinder für die Probleme, die in unserem Schulsystem sind, zu Sündenböcken machen, dann ist das verwerflich. Sie sollten da tatsächlich mal überdenken, was Sie hier fordern. Sie machen die Kinder zum Sündenbock. Das ist nicht der Fall, im Gegenteil.
(Beifall CDU)
Wenn Sie hier reinrufen, das ist Neokolonialismus: Keines dieser Kinder ist freiwillig nach Deutschland gekommen, sie wurden vertrieben durch einen Krieg. Überlegen Sie sich mal, was Sie hier vorn erzählen oder reinrufen. Meine Damen und Herren, die ukrainischen Kinder – ich habe es gerade gesagt – kommen nicht freiwillig nach Deutschland. Sie sind infolge des Überfalls von Russland auf die Ukraine nun bei uns. Aber – und das müssen wir ernst nehmen und das bereichert uns auch – sie bringen neue Perspektiven mit, sie bringen Kultur mit, sie bringen Sprache mit und bereichern damit durchaus auch das Lernumfeld in unseren Schulen.
(Beifall CDU, Gruppe der FDP)
Es ist nach all ihren Erfahrungen wichtig, dass sie sich hier in Deutschland, in unseren Schulen in Thüringen auch willkommen fühlen und dass sie auch hier ankommen, um ihr volles Potenzial weiter entfalten zu können. Um dies zu erreichen, ist es wichtig, dass wir ein Umfeld schaffen, das Unterstützungen ermöglicht und die Schulen natürlich nicht weiter belastet. Es ist in der Tat so – ich habe es ja gerade gesagt –, dass die Schulen in den letzten Jahren durch verschiedene Sachen herausgefordert sind. Aber umso wichtiger ist die Aufgabe – das gebe ich an der Stelle an das Ministerium mit –: Schauen Sie sich an, welche Aufgaben unsere Lehrerinnen und Lehrer haben – Herr Speitkamp schreibt lieber eine SMS an den Minister, was schreiben Sie ihm? Er soll mal genau hinschauen, welche Belastungen man vielleicht weglassen könnte für die Lehrer. Ich habe in meiner letzten Rede zum Schulgesetz fast 10 Minuten lang ausgeführt, was alles so gemacht wird. Wenn wir da Entlastung schaffen würden, dann, glaube ich, hätten wir auch genug Zeit, um uns um die ukrainischen Kinder und die vielen anderen zu kümmern.
(Beifall CDU)
Meine Damen und Herren, Lehrer sollten mehr dafür geschult werden, mit den verschiedenen Kulturen und Sprachen umzugehen. Das ist in der Tat keine einfache Angelegenheit. Und wir brauchen ausreichend Ressourcen und Unterstützung für die Kinder, die integriert werden sollen. Die AfD fordert immer sehr intensiv: nur Lehrplan unterrichten, nur in Klassen, wo die Ukrainer unter sich sind. Auch wir als CDU vertreten oft den Ansatz und sagen, wir brauchen sogenannte Vorschaltklassen, wo erst mal ein grundlegender Spracherwerb stattfindet, und dann eine relativ schnelle Integration in die Klassen. Aber eines ist doch Fakt: Wenn man die Schülerinnen und Schüler nur unter sich lässt, dann werden sie nie die Sprache erlernen. Der Spracherwerb funktioniert am besten dadurch, dass man gemeinsam die Klassen bildet.
(Beifall CDU)
Abschließend möchte ich betonen, dass die Integration von Kindern in unseren Schulen von uns allen unterstützt wird. Alles andere wäre Realitätsverweigerung und würde unsere Gesellschaft im Nachgang noch viel mehr belasten. Vielen Dank.
(Beifall CDU)
