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Franziska Baum

FDP 01.02.2023 Sitzungen 7/100

b) Lernlücken schließen – Bildungschancen wahren – Aus der Corona-Krise lernen – Schule der Zukunft jetzt auf den Weg bringen

Vielen Dank, Herr Präsident. 10 Minuten, ich bin völlig geflasht. Meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Akteure im Thüringer Bildungssystem, liebe Kolleginnen und Kollegen, wir haben ja in dem Haus jetzt mehrfach, nicht nur im Rahmen des Ausschusses, sondern auch an ganz unterschiedlichen Stellen über die Folgen der Coronapandemie auf das Bildungswesen gesprochen. Und einige Fraktionen des Hauses haben sich halt in einem Antrag Gedanken zu dem Thema gemacht. Ich habe ja mit Absicht vorhin in der Berichterstattung auch die Antragstitel mal vorgelesen, damit man mal so ein Gefühl dafür kriegt, wie unterschiedlich auch die Herangehensweisen sind, was so wichtige Schlagworte sind, die jeder da so mitbringt: Bildungswesen stärken, Lernlücken schließen, Bildungschancen wahren, Schule der Zukunft. Und wir als Freie Demokraten haben eben mitgebracht: Selbstverantwortung der Schulen respektieren und die Erfahrungen aus der Coronapandemie vor allem für die Modernisierung des Schulwesens nutzen. Und da ging es uns eben darum, dass wir das umsetzen, was wir im Rahmen der Pandemie gesehen haben. Und wir haben gesehen, dass ganz viele Probleme doch vor Ort an der Schule gelöst werden müssen. Deswegen braucht es dort Eigenverantwortung und Handlungsspielraum. Und wir haben gesehen – und da sind wir beim Thema „Modernisierung“ –, dass die Schulen entschieden besser durch die Krise und in den Wechsel zum Distanzunterricht gekommen sind, die einfach ihrer Zeit schon ein paar Jahre oder teilweise Jahrzehnte voraus waren und für die digitales Unterrichten oder das Einbinden digitaler Mittel eben keinen Neuigkeitswert hatte. Wir haben eine sehr umfangreiche Anhörung durchgeführt, trotz Corona und obwohl das System sehr unter Druck stand. Ich wiederhole gerne meinen Dank an all jene, die sich daran beteiligt haben. Man könnte ja denken, dass in einer neuen Situation, wie die Pandemie ja eine war, wir jetzt plötzlich ganz viele neue Sichtweisen, Perspektiven und Lösungsansätze hören. Wir mussten aber in der Anhörung feststellen, dass ganz viele Aussagen am Ende waren: Wenn das, was wir seit Jahren schon fordern und diskutieren, schon umgesetzt gewesen wäre, wären wir leichter durch die Krise gekommen. Es ist eben nicht so, wie Herr Jankowski sagt, dass wir nur die Folgen der Coronamaßnahmen kaschieren oder bearbeiten wollen, sondern es geht darum, dass das System so aufgestellt werden muss, dass es solchen Krisen begegnen kann. Und diese Lösungsvorschläge waren schon vorher länger im Raum. Aber über vergossene Milch braucht man nicht so viel sprechen. Diese Anhörung war auch am Ende der Grund, weshalb wir uns an dieser Diskussion mit Rot-Rot-Grün beteiligt haben. Und Kollege Tischner: Man kann ganz unterschiedlicher Auffassungen in ganz vielen Dingen sein, aber Ihren Abriss habe ich nicht so richtig verstanden. Es war von Anfang an Ansinnen des Ausschusses, ein gemeinsames Ergebnis zu verabschieden, eben gerade, weil wir viel mit den Akteuren gesprochen haben, die im Bildungswesen unterwegs sind. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Gruppe der FDP) Ich finde, in Zeiten, in denen die Demokratie unter Druck steht, ist es notwendig, dass aus solchen Gesprächen auch wieder Signale aus einem Parlament herauskommen und dass es irgendein Ergebnis gibt. Wir als Freie Demokraten hatten in der ganzen Diskussion auch einfach ein paar Punkte, bei denen wir gesagt haben, die sind wichtig und die müssen hier raus. Wenn Sie die Diskussion und den Beitrag von Herrn Jankowski gehört haben, dann lag – und das ist auch Demokratie – die Mehrheit nicht auf der Seite der CDU und der FDP, sondern sie lag bei Rot-Rot-Grün. Deswegen habe ich mich, auch wenn wir sicher nicht bei allen Punkten einer Meinung waren, gerne an der Zusammenarbeit beteiligt. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Ich möchte Ihnen ein paar von den Punkten vortragen, die für uns in dem Zusammenhang und in der Beschlussempfehlung eine Rolle spielen. Alle werde ich nicht erwähnen können, da reichen auch 10 Minuten nicht. Ein Thema, das für uns auch immer wichtig ist und das auch einen großen Vorrang bei vielen Themen hat, die bei Schule eine Rolle spielen, ist das Thema „Freiraum“. Da geht es auf der einen Seite sicher um den Freiraum, Handlungsspielraum für Schulleitungen und Schulen, Kollegien vor Ort. Es ging aber auch um mehr Raum im wörtlichen Sinne. Viele Fragen, die sich in den Schulen in der Pandemie gestellt haben, hatten tatsächlich mit richtigen räumlichen Verhältnissen zu tun. Wie flexibel sind unsere Schulgebäude, jetzt sowohl in so einer Krise, als aber auch für die Zukunft, also mit Blick auf die Veränderung von Unterricht? Wie lassen sich neue Raumeinteilungen lösen? Wie kann mehr Platz für neue Lernformate geschaffen werden und wie können Arbeitsplätze für Lehrkräfte in Schulen realisiert werden? Deswegen ist das ein Thema, das wir mit eingebracht haben. Ein anderes ist auch das Thema „Multiprofessionalität“. Das ist von ganz vielen Verbänden und Akteuren angesprochen worden. Da geht es natürlich um pädagogisches Personal, Erzieher, da geht es auch um Psychologen, da geht es um Assistenzkräfte. Da geht es aber auch um Akteure, die vielleicht nicht mit einem Lehramt oder mit einem Pädagogikblick kommen. Da geht es um Verwaltungskräfte, da geht es um Akteure aus Vereinen und Unternehmen, die von extern an Schule kommen und Unterricht unterstützen. Da geht es auch um die Frage: Was ist eigentlich unser Verständnis von Unterricht in der Zukunft, vom Lernen, vom Lehren und von Leistungserbringung? Zu solch einem Blick nach einer Pandemie und in die Zukunft gehört für uns auch der Versuch, Liebgewonnenes infrage zu stellen. Und das betrifft auch die Prüfungskultur. Deswegen geht es auch auf unsere Initiative zurück, die schulischen Abschlussprüfungen an der Berufsschule zu hinterfragen. Ich weiß, das ist nicht unumstritten. Wir werden an der Stelle aber missverstanden und deswegen möchte ich das hier gern noch mal klarstellen. Die Berufsschule ist wesentlicher, sehr wesentlicher Bestandteil unserer berühmten und bekannten dualen Ausbildung. Nur ist es aktuell so, dass diese schulische Abschlussprüfung null Bedeutung für ein Berufsabschlusszeugnis hat. Deswegen, finde ich, muss man sie hinterfragen und aus unserer Sicht vorsichtig abschaffen. Wir erhoffen uns an der Stelle – das sage ich auch ganz deutlich – eine sehr sensible Umsetzung dieser Abschaffung und dass die unbedingt im Gespräch mit den Handwerkskammern und mit den Industrie- und Handelskammern vollzogen wird, damit hier nicht das Kind mit dem Bade ausgeschüttet wird. Ich bin gespannt auf das Ergebnis, denn wir haben hier quasi Verordnungsverantwortung auf Exekutivebene. Liebe Kolleginnen und Kollegen, sehr verehrte Damen und Herren, für uns ist Schule immer irgendwie auch das Zentrum im Dorf. Wir brauchen ein Schulsystem, das Bildung als gesamtgesellschaftliche Aufgabe begreift, und dass Projekte, die Schulen auch auf eigene Faust mit Initiativen, Unternehmen und Vereinen vor Ort ins Leben gerufen haben, gesichert und weiterentwickelt werden. Denn wir werden in Zukunft – das zeigt uns der Lehrermangel gerade jetzt – immer wieder auf externes Wissen zugreifen und dafür muss Raum an Schule sein. Erlauben Sie mir zum Abschluss aus der Zuschrift der Evangelischen Schulstiftung zu zitieren, welche die Anhörung und ganz grundsätzlich auch unseren Blick ganz gut widerspiegelt. Ich zitiere: „Nunmehr sollte die Diskussion deshalb weniger um das ,Aufholen von Lernrückständen‘ als vielmehr um die grundsätzliche Frage der Schul- und Unterrichtsqualität in Thüringen geführt werden. [...] Insgesamt müssen im Lichte der aktuellen Krise […] die Prozesse der inneren Schulentwicklung und des äußeren Schulmanagements [der] staatliche[n] Schulverwaltung stärker auf Zukunftsorientierung, Resilienz und Eigenverantwortung ausgerichtet sein.“ (Beifall DIE LINKE, BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- NEN, Gruppe der FDP) Dem kann man nicht viel hinzufügen. Das heißt nicht, dass wir an der Stelle nicht die einschneidenden Folgen der Pandemie für unser Bildungssystem in den Blick nehmen und den Blick zurück wagen. Aber wir müssen immer darauf achten, dass wir die Zukunftsfestigkeit des Bildungssystems in den Blick nehmen. Die Herausforderungen, denen wir uns gegenübersehen, werden wir nur lösen können, wenn wir uns auf eine Reform grundlegender – grundlegender – Strukturen und Prozesse einlassen und die eigenverantwortliche Handlungsfähigkeit der Schulen garantieren und uns auch für die Zukunft einsetzen. Ich danke Ihnen für die Aufmerksamkeit. (Beifall DIE LINKE, BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- NEN, Gruppe der FDP)

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