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Cornelia Klisch

SPD 10.11.2022 Sitzungen 7/94

Gendern? Nein Danke! Regeln der deutschen Sprache einhalten – keine politisch motivierte Verfremdung der Sprache!

Das Gendern ist meiner Meinung nach etwas, was ich im Kontakt gerade auch mit jungen Menschen erlebe, auch mit meinen Kindern, die das ganz selbstverständlich vorantreiben. Ich merke bei mir selbst, dass – ich sehe mich als älter – gerade wir damit manchmal fremdeln. Aber: Fremdeln wir Menschen nicht oft mit Dingen, die wir nicht kennen oder die für uns ungewohnt sind? Ich erinnere mich ganz persönlich an die 90er-, Übergang 2000erJahre. Da gab es eine große Rechtschreibreform. Ich weiß nur noch, ich habe damals mit ganz vielen Dingen gefremdelt. Ich fand manches in der Schreibweise, Grammatik usw. nicht logisch, überflüssig oder irgendetwas anderes. Ich glaube, die Diskussion ging fast zehn Jahre, ob wir das brauchen oder nicht. Meiner Meinung nach ist es aber genau das, was wir brauchen. Denn Sprache, jede Sprache auf dieser Welt, verändert sich ständig und ist ständig im Fluss. Ich denke, das ist auch gut so. Nur, weil Leben Veränderung bedeutet, müssen wir nicht, wie die AfD hier von einem „Sprachnotstand“ fabulieren oder wie die Thüringer CDU gleich die Alarmglocken im Landesparlament aktivieren, insbesondere dann nicht – und da gebe ich meinem Fraktionsvorsitzenden vollkommen recht –, wenn wir über eine Entwicklung und eine gängige Praxis im gesamten deutschsprachigen Raum und eben nicht nur über ein thüringenspezifisches Problem reden. Für uns als SPD ist im Allgemeinen festzuhalten, dass wir gendergerechte Sprache für ein legitimes Mittel ansehen, um Toleranz jedem Menschen gegenüber und um auch die Gleichheit der Geschlechter zum Ausdruck zu bringen. Gleichheit, Toleranz und Gerechtigkeit – das scheinen Ihnen, liebe CDU, aber eben nicht wirklich wichtige Begriffe zu sein, denn Sie haben es getan, und das zeigt auch Sprache. Sie sprechen eben nicht von gendergerechter Sprache, wie es Herr Schaft – glaube ich – auch noch mal erwähnt hat, sondern Sie sprechen eben einfach verkürzt von Gendersprache. Sie klammern in alter Gewohnheit Gerechtigkeit dabei einfach mal aus. (Beifall DIE LINKE, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Nach Ihrem Willen soll der Landtag darauf hinwirken, dass weder der Landtag noch die Landesregierung, staatliche oder schulische Einrichtungen und Einrichtungen der Rechtspflege sowie der öffentlich-rechtliche Rundfunk gendern. Gleichzeitig formulieren Sie aber, dass sich Veränderungen der Sprache nur dann durchsetzen würden, wenn sie von der überwiegenden Mehrheit der Sprechenden verstanden und akzeptiert werden. (Zwischenruf Abg. Meißner, CDU: Richtig!) So haben Sie es aufgeschrieben. Für mich klingt das aber total widersprüchlich. Denn wie soll denn mit Ihrer geforderten strikten Begrenzung überhaupt eine Auseinandersetzung und eine Meinungsbildung zu neuen Sprachformen stattfinden? Und brauchen wir wirklich Sprachverbote? Also, ich kann mir nicht vorstellen, dass Sie das ernst meinen. Soweit mir bekannt ist, hat … (Zwischenruf Abg. König-Preuss, DIE LINKE: Frage mal die AfD, die meinen das ernst!) Die meinen das ernst! Soweit mir bekannt ist, hat die Landesregierung eben keinen Zwang zur gendergerechten Sprachnutzung für alle ausgerufen. Sie suggerieren ganz nach dem Motto „Falls Empörung als Stilmittel nicht reicht, dann schüren wir eben auch noch ein bisschen Angst“ und sprechen dann gleichzeitig auch noch von Fragen der Rechtssicherheit. Doch in Ihrem Antrag geht es nicht um Recht, sondern einzig um Gefühle. Es geht darum, dass Ihnen etwas fremd ist und Sie es deshalb von vornherein ablehnen. Ich verstehe das und ich habe Ihnen ja auch schon gesagt, ich kann das auch nachvollziehen, dass gendergerechte Sprache zu verwenden … (Zwischenruf Abg. Zippel, CDU: Das ist ein Urteil, was Ihnen nicht zusteht! Ein Urteil, wie wir uns fühlen!) (Heiterkeit DIE LINKE, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Ich sagte, ich kann es nachempfinden und, Herr Zippel, ich kann sogar manchmal mit Ihnen fühlen. Meine Uhr läuft!

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