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Laura Wahl

GRÜNE 13.07.2022 Sitzungen 7/85

b) auf Antrag der Fraktion der CDU zum Thema: „Ausrufung der Alarmstufe des Notfallplans Gas für die Bundesrepublik Deutschland – Wie ist Thüringen auf den Notfall vorbereitet?“

Sehr geehrte Frau Präsidentin, meine sehr geehrten Damen und Herren, ich bin ehrlich gesagt immer noch ein bisschen verwundert darüber, dass Herr Voigt zu Beginn seiner Aktuellen Stunde bemängelt hat, dass die Landesregierung nicht anwesend sei und er jetzt selbst seit der dritten Rednerin nicht mehr hier ist und diesem wichtigen Thema folgt. (Beifall DIE LINKE, BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- NEN) (Zwischenruf Abg. Reinhardt, DIE LINKE: Aber der Herr Mohring ist ja da!) Klar ist, durch den russischen Angriffskrieg sind jahrzehntelange Gewissheiten verloren gegangen. Eine dieser in Deutschland vorherrschenden Gewissheiten bestand darin, dass uns die Sowjetunion bzw. Russland unabhängig von politischen Großwetterlagen verlässlich mit Gas beliefert. Vielen fällt erst jetzt auf, dass wir uns dadurch in eine fatale Abhängigkeit begeben haben, aus der es nun leider keinen schnellen Ausweg geben wird. Wir müssen nun mit einer Gasmangellage zurechtkommen, die sich sehr wahrscheinlich auch noch über die Zeitspanne des nächsten Winters hinaus erstrecken wird. Das aus Versorgungssicht schlimmste Szenario könnte in Kürze eintreten. Sollte nach der derzeit laufenden Wartungsphase von Nord Stream 1 kein Gas mehr durch die Leitung geschickt werden, ließen sich unsere Gasspeicher für den kommenden Winter nicht mehr ausreichend befüllen. Die Ausrufung der Notfallstufe wäre damit unausweichlich. Die CDU hat dieses Szenario zum Anlass genommen, für das heutige Plenum eine Aktuelle Stunde zu beantragen. Zeitgleich mit dieser Anmeldung hat sie aber auch einen Antrag mit dem Titel „Versorgungssicherheit garantieren“ eingebracht. Und diese Gleichzeitigkeit ist dann doch überraschend. Denn entweder man erkennt die Konsequenzen aus der Notfallstufe an – und das bedeutet als ultima ratio eben auch, dass für einige Verbraucher/ innen der Gasverbrauch reduziert werden ‑ muss –, oder man suggeriert wie mit dem Titel, dass solche Einschränkungen mit den richtigen Politikmaßnahmen vermieden und eine uneingeschränkte Versorgungssicherheit garantiert werden könnte. Liebe CDU, es ist wirklich unseriös, hier mit dem Finger nur auf andere zu zeigen und in diesen Zeiten solche Garantien einzufordern. Als Bündnisgrüne sind wir jedenfalls dafür dankbar, dass die Bundesregierung zur Abmilderung der Mangellage alle zur Verfügung stehenden Möglichkeiten ausschöpft. So wurden beispielsweise mit dem im März eingeführten Gesetz zur nationalen Gasreserve oder mit dem in der letzten Woche verabschiedeten Energiesicherungsgesetz überhaupt erst wieder die gesetzlichen Grundlagen dafür geschaffen, als Staat im Sinne der Versorgungssicherheit handlungsfähig zu sein. Für die zusätzliche Gaseinspeicherung hat die Regierung in einem ersten Schritt finanzielle Mittel über 15 Milliarden Euro für den Gaseinkauf zur Verfügung gestellt und zur Absicherung von Energieunternehmen wird gerade ein Rettungsschirm aufgespannt, wodurch in der Lieferkette dann auch kommunale Versorgungsunternehmen und Endverbraucher/-innen abgesichert werden können. Bei der Ausgestaltung wird darauf zu achten sein, dass die großen Konzerne sich nicht aus ihrer privatwirtschaftlichen Verantwortung stehlen. All diese Maßnahmen sind richtig und zwingend notwendig. Dennoch ist ganz klar, dass die Preise für die Gaskunden weiterhin steigen könnten oder zumindest auf einem sehr hohen Niveau verbleiben werden. Durch diese Preisentwicklung droht sich die soziale Spaltung in unserer Gesellschaft weiter zu vertiefen. Da im Anschluss an diese Debatte eine weitere Aktuelle Stunde zur Energiepreisexplosion auf der Tagesordnung steht, werde ich dort auf die notwendigen sozialen und wirtschaftspolitischen Maßnahmen zu sprechen kommen. Zum Abschluss möchte ich noch an die demokratischen Fraktionen in diesem Landtag appellieren, gemeinsam an der Bewältigung der Energiekrise zu arbeiten. Dazu müssen wir uns alle ohne Vorbehalte den unausweichlichen Schlussfolgerungen stellen, auch wenn diese für unsere Parteien mit Zumutungen verbunden sind. Für uns Grüne gehört dazu die vorübergehende Rückholung von Kohlekraftwerken aus der Reserve. Diese Maßnahme ist unter klimapolitischen Gesichtspunkten nur dann zu rechtfertigen, wenn es uns in dieser Übergangszeit gleichzeitig gelingt, den Ausbau der erneuerbaren Energien deutlich zu beschleunigen. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Nur dann hätten wir nicht nur einen Schritt in eine klimaneutrale Zukunft gemacht, sondern auch einen Beitrag zu mehr Energieunabhängigkeit und für ein versorgungssicheres und kostengünstiges Energiesystem geleistet. An dieser Stelle sei mir noch die Bemerkung erlaubt, dass es gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Situation dann doch sehr verwundert, wie viele rückwärtsgewandte Lösungsvorschläge wir heute wieder gehört haben mit Maßnahmen, die schon jahrzehntelang diskutiert worden sind, keine Lösung darstellen, aber sich einer zentralen Maßnahme immer wieder verwehrt wird – wie es Herr Kemmerich gerade gemacht hat –, nämlich dem dringenden Ausbau der erneuerbaren Energien. Es ist längst aufgezeigt, Herr Kemmerich, zum Beispiel in dieser Studie von Herrn Prof. Wesselak, die zumindest vier andere Fraktionen hier sehr ausgiebig in letzter Zeit diskutiert haben, dass ein versorgungssicheres, klimaneutrales Energiesystem möglich und machbar ist, und darauf sollten wir hinarbeiten. Vielen Dank. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) (Zwischenruf Abg. Kemmerich, Gruppe der FDP: Haben Sie denn die Grundlagen dafür?)

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