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Franziska Baum

FDP 16.03.2022 Sitzungen 7/74

d) auf Antrag der Fraktion DIE LINKE zum Thema: „Integration von Kindern aus der Ukraine in Thüringer Kindergärten und Schulen gestalten – eine Herausforderung auf allen staatlichen Ebenen sowie für die Zivilgesellschaft“

Vielen Dank, Herr Präsident für diese Vorbereitung. Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete, sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kollegen – und das ist jetzt ein ganz bewusst gewähltes Maskulinum –, wenn Sie irgendwie die Intention hatten, die Pädagoginnen und Pädagogen da draußen zu motivieren, sich dieser Herausforderung mit Elan zu stellen, die da vor uns liegt, würde ich jetzt mal behaupten, dass Ihnen das jetzt nicht so richtig gelungen ist. Das sollte vielleicht aber unsere Aufgabe sein. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Wir werden sehen, Kollege Tischner, wie die Zahlen am Ende aussehen. Bisher ist noch nicht so richtig klar, wie viele Flüchtlinge aus der Ukraine wir hier aufnehmen, wie viele Kinder das sind, wie viele schulpflichtige Kinder, wie viele Kita-Kinder. Also das ist eine ganze Reihe an Ungewissheiten und deswegen ist es umso wichtiger, dass wir gerade auch den Schulen – über Kitas ist gerade viel gesagt worden – Sicherheit vermitteln. Denn es geht ja nicht nur darum, Unterricht zu machen, sprachliche Hürden zu meistern und adäquat auf traumatisierte Kinder zu reagieren, sondern es muss ja auch so sein, dass das Unterstützungssystem, was wir ja eigentlich im Thüringer Bildungssystem haben, genau das tut, nämlich Schulen unterstützt bei der Frage, wie sieht es überhaupt aus mit einem ukrainischen Lehrplan, was ist da im Bildungssystem vorgesehen, damit die Schulen auch wissen, wie sie die Kinder überhaupt einzuschätzen haben, auf welchem Lernstand sie möglicherweise in die Klassen kommen. „Schulpsychologen und Schulsozialarbeiter“ werden ein Thema werden und da gebe ich Ihnen recht, da wird es sicher noch mal Geld brauchen. Natürlich stellt sich auch die Frage, wie wir Sprachmittler und auch Personal mit russischen und ukrainischen Sprachkenntnissen in Schulen einsetzen können. Aber Thüringen hat hier die Chance, sich von seiner besten Seite zu zeigen, das muss man auch sagen. Das ehrenamtliche Engagement und die Hilfsbereitschaft, die in der Bevölkerung in den letzten Wochen zu sehen waren, sind auch immer noch zu sehen und die staatliche Aufgabe besteht jetzt darin, dieses Engagement in vernünftige Bahnen zu leiten, also in Bahnen, die dann auch langfristig und nachhaltig für die Schulen funktionieren können. (Beifall Gruppe der FDP) Und üblicherweise können wir das. Die Deutschen sind ja für Ordnung und Verwaltung bekannt. Insofern können wir uns das ruhig mal nehmen, nämlich Ordnung ins Chaos zu bringen: Wo genau finde ich einen Übersetzer, wenn sich Mutter und Tochter in der Schule vorstellen, wohin wenden sich überhaupt die ukrainischen Familien in Sachen Schule, an wen wende ich mich, wenn ich als Muttersprachler in der Schule unterstützen möchte? All das sind so Themen, die einfach kanalisiert werden müssen, damit die Angebote die Bedarfe treffen und die Probleme schnell gelöst werden können. (Beifall Gruppe der FDP) Und während wir aber Ordnung ins Chaos bringen, müssen wir aufpassen, dass sich die Verwaltungsmaschinerie hier nicht verselbstständigt, denn eine reine Erfassung der Personen und das Vorlesen von Paragrafen schaffen noch keinen Alltag, (Beifall Gruppe der FDP) über den auch Kollege Hartung gesprochen hat. Das Wichtigste, was die Kinder brauchen, wenn sie hier nach Thüringen kommen, ist ein ganz, ganz klein bisschen Normalität. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Gruppe der FDP) Also machen wir es doch einfach möglich, dass Kinder schnell und unkompliziert in Schulen ankommen und lösen wir die Verwaltungsprobleme im Hintergrund. (Beifall Gruppe der FDP) Und während wir Ordnung ins Chaos bringen, müssen wir auch das im Blick behalten, was möglicherweise schon gelöst ist. Einige Schülerinnen und Schüler und gerade diejenigen, die gerade auch kurz vor Abschlüssen stehen, kommen hierher und haben ein Distanzunterrichtsangebot aus der Ukraine. Das gehört mit in den Planungen berücksichtigt. Also brauchen wir Räumlichkeiten, wo eine stabile Internetverbindung ist, möglicherweise ukrainisches Personal, das das unterstützt, und dann sollte sich vielleicht noch jemand danebenstellen und sich fragen, wie die das machen. Da können wir vielleicht was lernen. (Beifall SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Gruppe der FDP) Gestatten Sie also hier den Schulen auch durchaus eigenverantwortliches Handeln und unterstützen Sie lösungsorientiertes Vorgehen! Bei all dem Blick auf die Schulen dürfen wir nicht vergessen, dass wir auch Jugendliche zu Besuch bekommen – sage ich mal –, die in der Berufsausbildung sind, kurz vor der Entscheidung, welchen Beruf sie erwählen oder auch mitten in der Berufsausbildung stecken. Hier sollten wir relativ unkompliziert mit Berufsvorbereitungsprojekten dafür sorgen, dass die mögliche Berufswahl vereinfacht wird, dass hier eine Ausbildung angefangen oder dass eben auch eine in der Ukraine angefangene Ausbildung abgeschlossen und auch anerkannt werden kann. (Beifall CDU, Gruppe der FDP) Da gibt es sicher viele Fragen zu klären. Da gibt es auch die Frage, wie wir das mit den Deutschkursen lösen, dass die Sprache keine Barriere wird. Da kann ich nur auf die Ausbildungsverbünde verweisen, die wir in Thüringen haben, die bereits Erfahrungen im Umgang mit ukrainischen Unternehmen, mit ukrainischer Ausbildung haben. Hier sollten wir die Expertise und die Einsatzbereitschaft nutzen. Ja, ich stimme Ihnen zu, es ist eine gesamtstaatliche und es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die hier vor uns liegt. Lassen Sie uns die mit Entschlossenheit und Vertrauen in die Leistungsfähigkeit jedes einzelnen Akteurs angehen. Und lassen Sie uns gemeinsam ein bisschen Alltag für Kinder und Jugendliche aus der Ukraine hier in Thüringen schaffen. Vielen Dank. (Beifall DIE LINKE, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Gruppe der FDP)

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