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Dirk Bergner

FDP 02.02.2022 Sitzungen 7/71

e) auf Antrag der Fraktion BÜNDNIS 80/DIE GRÜNEN zum Thema: „Energiewenderechner für Thüringen zeigt: klimaneutrales, kostengünstiges und versorgungssicheres Energiesystem ist möglich“

Vielen Dank, Frau Präsidentin. Meine sehr verehrten Kolleginnen und Kollegen, die Aktuelle Stunde der Grünen beschäftigt sich mit einer Studie des Instituts für Regenerative Energietechnik der Hochschule in Nordhausen. Die Zukunft der Energieversorgung für unser Land in Zeiten, in denen dieses Jahr die letzten Atomkraftwerke stillgelegt werden – übrigens keine fossile Energie, wie es vorhin behauptet wurde –, Kohleverstromung ein Ablaufdatum hat und ein großer Teil der antragstellenden Partei auch Erdgas für das ausgemachte Böse hält, ist ein drängendes Thema nationaler Tragweite. Und Sie, werte Kolleginnen und Kollegen von den Grünen, begründen Ihre Aktuelle Stunde mit einem Beratungsbedarf der Landespolitik. Jetzt kann man ja mal die Frage stellen, wer seit 2014 für die Energiepolitik im Lande zuständig ist und hier beraten werden soll. Immerhin stellen Sie ja die zuständige Ministerin im Land und jetzt sogar im Bund. Sie sind selbst dafür verantwortlich, dass die Potenziale im Energiesektor bis jetzt nicht ausgeschöpft wurden. Da will ich zu dem Thema „Blockade“ kommen, Herr Möller. Ich würde von Blockade reden, dass wir beim Thema „Wasserkraft“ immer noch nicht weitergekommen sind in Thüringen. (Beifall Gruppe der FDP) Ich würde von Blockade reden, dass wir beim Thema „Biogas“ nicht an dem Punkt sind, wo wir sein könnten. Ich würde von Blockade reden, dass wir beim Thema „Wärmepumpen“ bei Weitem nicht auf dem Stand sind, wo wir sein könnten und sein müssten. (Zwischenruf Abg. Möller, SPD: Sie sind doch gegen die Westringkaskade!) Gerade Wärmepumpen – und da rede ich nicht nur von Erdwärme – sind ein Medium, das durchaus in der Lage ist, auch wieder Wärme der Atmosphäre, Wärme diesem Planeten zu entziehen, wo wir uns doch gerade Gedanken machen, dass sich unser Planet zu sehr aufheizt. Ich rede bei Blockade auch davon, dass wir beim Thema „Biomasse“ längst nicht auf dem Punkt sind, wo wir sein könnten. Ich will es an dieser Stelle ganz deutlich sagen: Jawohl, es ist richtig, wir brauchen auch ein höheres Maß an alternativer Energie, die in Thüringen hergestellt wird, weil es sich um Wertschöpfung im Lande handelt. Aber ich sage eben auch: Wir brauchen einen wesentlich breiteren Winkel, wir brauchen einen vernünftigen Mix auch in den alternativen Energien, um auch dort breiter aufgestellt zu sein, meine Damen und Herren. Doch kommen wir zu der Ausarbeitung. Ein klimaneutrales Thüringen ist realistisch, ein klimaneutrales Thüringen ist bezahlbar. So lauten die ersten beiden Thesen der Energiesystemmodellierung, welche hier besprochen werden soll. Doch wird bereits in der einführenden Zusammenfassung auf eine Berechnungsgrundlage verwiesen, die mich stutzig macht. Hier auf Seite 6 heißt es – und ich möchte zitieren –: „Die Berechnungen gehen von einem deutlich sinkenden Energiebedarf bis 2050 aus. Hintergrund der Berechnungen ist die vollständige Umsetzung der auf Bundesebene geplanten Energieeffizienzmaßnahmen insbesondere im Gebäudebereich.“ Ein deutlich sinkender Endenergiebedarf – das ist dann schon eine interessante These. Das Umweltbundesamt jedenfalls spricht da von einer anderen Entwicklung. Im Jahr 2020 wurde in Deutschland ungefähr so viel Strom verbraucht wie im Jahr 1990. Die Zahlen für 2021 sind zwar um einiges geringer durch die Corona-Effekte in der Wirtschaft, aber dennoch liefen letztes Jahr rund 560 Terawattstunden durchs Netz. Von Prozesswärme und ‑ kälte, Heizung oder Mobilität haben wir doch noch gar nicht gesprochen, meine Damen und Herren. (Beifall Gruppe der FDP) Nehmen wir das Beispiel Mobilität. Wenn wir wollen, dass die Bürger im Land auf batteriebetriebene Fahrzeuge umsteigen, werden wir einen erheblichen Anstieg des Strombedarfs allein in diesem Sektor beobachten können, wobei wir uns als Freie Demokraten – daran will ich an dieser Stelle noch mal klar und deutlich erinnern – seit jeher für eine Technologieoffenheit in der Antriebsfrage ausgesprochen haben und dies auch weiterhin tun werden. (Beifall Gruppe der FDP) Wir gehen davon aus, dass die Industrie auf CO 2 freie Verfahren umstellen wird. So wird allein die chemische Industrie ihren Bedarf an Elektroenergie etwa verzwölffachen von etwa 54 Terawattstunden heute auf 650 – nur die chemische Industrie, meine Damen und Herren. Oder um eine für Thüringen greifbarere Branche zu wählen: Die Stahlindustrie wird allein etwa 130 Terawattstunden benötigen – das Zehnfache vom heutigen Verbrauch. – Das ist meine Redezeit, deswegen lasse ich mich von Ihnen jetzt nicht ablenken. –

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