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Holter

02.02.2022 Sitzungen 7/71

a) auf Antrag der Parlamentarischen Gruppe der FDP zum Thema: „Wintersport in Thüringen stärken und fördern“

Herr Präsident, meine Damen und Herren, die Spannung steigt, die Kolleginnen und Kollegen Abgeordneten haben darüber gesprochen: Übermorgen, am Freitag, beginnen die Olympischen Winterspiele in Peking. Der Ministerpräsident und ich haben letzte Woche unsere Teilnehmenden an diesen Winterspielen verabschiedet. In dem Zusammenhang, lieber Herr König, hat der Ministerpräsident Bodo Ramelow auch über das Thüringer Haus gesprochen. Ich will Ihnen deutlich sagen: Es ist nicht die Verantwortung Thüringens, auch nicht des Ministerpräsidenten, auch nicht dieser Landesregierung, dass es das Thüringer Haus bei den Olympischen Spielen nicht mehr gibt, sondern das sind Entscheidungen gewesen, die auf anderer Ebene getroffen wurden. Wir würden das Thüringer Haus liebend gern – Bodo, das darf ich sagen – wieder bei den Olympischen Spielen installieren und genau das feiern, was Sie eingefordert haben; da sind wir inhaltlich gar nicht auseinander. Das nur zur Klarstellung. Wir alle haben die Daumen schon fest gedrückt, damit unsere Teilnehmenden, die Männer und Frauen, die dort sind, beste Leistungen bringen und viele Medaillen nach Hause, hier nach Thüringen mitbringen. Ich denke, da werden wir auch gute Ergebnisse zeigen. Die Olympiade findet unter besonderen Bedingungen statt, das sehe ich genauso. Das sind besondere Herausforderungen – nicht nur durch die Corona-Bedingungen, sondern auch durch die politischen Bedingungen, mit denen sich die Sportlerinnen und Sportler auseinandersetzen müssen. Redet man über Thüringen, kommt man auf Wintersport. Ganz klar. Das gehört zusammen, das ist auch gut so. Daran hat niemand Zweifel. Redet man über den Wintersport in Thüringen, kommt man auf Oberhof. Das ist auch logisch. Darüber haben Sie alle gesprochen. Oberhof ist nun mal das Zentrum des Wintersports in Thüringen. Und wie war es? Bis 1989 waren dort auf kleinstem Raum praktisch alle Angebote für Wintersportarten zu finden. Fast alle. Direkt vor Ort wurden die Athletinnen und Athleten trainiert. Es war nur konsequent, dass hier nach der Wende, nach der Wiedervereinigung Bundesstützpunkte etabliert wurden. Die Bundesstützpunkte, das kennen Sie, sind die Art der Förderung, die über den Bund erfolgt. Hier gibt es neben den Olympiastützpunkten genau die Unterstützung, auf die Knut Korschewsky eingegangen ist. Das will ich hier im Einzelnen nicht weiter ausführen. Wir haben an drei Standorten in Thüringen sechs solcher Bundesstützpunkte. Das zentrale Anliegen der Bundesförderung ist es, Spitzenathletinnen und -athleten erstklassige Rahmenbedingungen zur Verfügung zu stellen. Es gibt eine klare Arbeitsteilung zwischen Bund und Ländern, was die Sportförderung betrifft. Es gibt die Zuständigkeiten, und der Bund ist nun mal zuständig für die Förderung von Olympia-, Perspektiv- und Nachwuchskadern – NK 1 werden die genannt. Und die Länder, damit auch Thüringen, haben die Zuständigkeit für die Unterstützung des Nachwuchsbereichs, also bei der Entwicklung von Nachwuchskadern NK 2 und der Landeskader. Darauf ist dann auch die finanzielle Unterstützung ganz konkret abgestellt und da gibt es auch klare Abstimmungen und Verhandlungen zwischen Bund und Ländern, wie das im Einzelnen zu erfolgen hat. Zu diesem Zweck können grundsätzlich alle im Landessportbund Thüringen organisierten Sportfachverbände eine Förderung für die leistungssportliche Entwicklung erhalten. Die qualitative und die quantitative Umsetzung der Förderung muss sich jedoch allein am Kriterium „Erfolgsperspektive“ im Hinblick auf die internationale Konkurrenzfähigkeit ausrichten. Das haben wir in der Sportministerkonferenz übrigens mit Horst Seehofer als Bundessportminister diskutiert, ob das genau der richtige Ansatz ist. Aber der Bund hat genau diese Entscheidung getroffen. Natürlich gibt es darüber hinaus die regionale Sportförderung. Es ist ganz klar, dass auch hier eine umfassende und anspruchsgerechte Förderung von Sportfachverbänden nur für ausgewählte Sportarten gewährleistet werden kann. Um für derzeit international erfolgreiche Sportler in Thüringen die notwendigen finanziellen, personellen und materiell-technischen Bedingungen zu schaffen, ist aus Finanzgründen eine Bündelung und Konzentration der Kräfte und Mittel notwendig und unumgänglich. Nun sind die Standorte Brotterode, Lauscha und Ruhla genannt worden und noch viele, viele andere mehr. Natürlich gehören die alle zu dem Wintersportland Thüringen. Selbstverständlich, sie haben klangvolle Namen und sie haben auch lange Traditionen, die auch niemand in Abrede stellen will. Im Rahmen der leistungssportlichen Entwicklung von Kindern und Jugendlichen sind die Standorte in Verbindung mit den Vereinen der jeweiligen Region Leistungszentren der Sportfachverbände geworden, und diese werden landesseitig unterstützt und gefördert. Hier erfolgt die Nachwuchsförderung vor Ort und vornehmlich im Ehrenamt. Sie alle haben über ehrenamtliches Engagement gesprochen. Also auch meinerseits herzlichen Dank für dieses Engagement. (Beifall DIE LINKE, BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- NEN) Das Ziel ist, talentierte Kinder und Jugendliche für eine leistungssportliche Laufbahn zu befähigen, sie erst mal zu finden und dann zu befähigen und sie auch zu motivieren, genau diesen Weg zu gehen, über den Sie als sportpolitische Sprecherinnen und Sprecher gesprochen haben. Wir alle kennen dieses Stichwort „Förderung von der Breite in die Spitze“. Darin sind wir uns auch alle einig: Haben wir keine Breite, dann werden wir die Spitze auch nie erreichen. Deswegen ist es wichtig, auch die erwähnten notwendigen Strukturen vorzuhalten und die Sportanlage natürlich so zu ertüchtigen, dass diese Nachwuchsförderung, gerade der Kinder und Jugendlichen, möglich ist. Nun möchte ich etwas sagen zu Brotterode. Manchmal habe ich den Eindruck, dass Brotterode reduziert wird auf die Inselbergschanze. Das ist falsch. Sie wissen, dass es in Brotterode nicht nur diese Schanze gibt, sondern dass es da viel mehr Schanzen gibt und gerade die kleinen Schanzen für den Nachwuchs unwahrscheinlich wichtig sind. Zur Ehrlichkeit – darüber haben auch Einzelne gesprochen – gehört natürlich, dass wir so einen Investitionsstau bei Sporteinrichtungen, Sportanlagen, aber auch bei Turnhallen, wo eben beispielsweise der Schulsport stattfinden soll, haben und dass wir den nicht innerhalb von wenigen Jahren auflösen können. Die Summen sind genannt worden. Was die große Schanze in Brotterode, die Inselbergschanze, betrifft, da muss ich sagen, dass mich, seitdem ich in Thüringen bin, dieses Thema begleitet. Ich habe dazu viele, viele Gespräche geführt, aber auch jüngst mit Peggy Greiser – Peggy, wenn du zuhörst, herzliche Grüße –, der Landrätin Peggy Greiser geredet und wir haben genau die fachliche Einschätzung, die Kollege Korschewsky hier vorgetragen hat, miteinander ausgewertet. Und darauf muss man sich auch stützen, auf die fachliche und sportfachliche Einschätzung, was eben ganz konkret Brotterode und was diese Schanze, diese große Inselbergschanze, ausmacht. Und diese Einschätzung lautet, dass diese Schanze als Trainingsanlage für den Leistungs- und Spitzensport nicht relevant ist. Darüber haben Einzelne gesprochen, das gehört aber zur Bewertung dazu. Und aus der Landessportstättenförderung – das haben wir den Akteurinnen und Akteuren immer wieder gesagt – können wir dieses Projekt Inselbergschanze nicht stemmen. Das muss man deutlich sagen. (Beifall DIE LINKE) Das schließt aber nicht aus, dass andere Fördermöglichkeiten, wenn sie sich dann ergeben, dafür genutzt werden. Über diese Möglichkeiten ist gesprochen worden. Ich kann das im Moment nicht einschätzen, was da auf Bundesebene und anderswo passiert. Also sind wir mal froher Hoffnung, dass da noch etwas in Bewegung kommt. Was aber landesseitig erfolgt, ist, dass die vier kleineren und mittleren Trainingsschanzen für den Nachwuchs weiter gefördert und unterstützt werden. Also Brotterode bleibt das Zentrum für die Nachwuchsförderung, und das Training für Kinder und Jugendliche kann dort weiterhin stattfinden. Diese Schanzen sind nicht nur ertüchtigt worden, sondern sie werden auch in Zukunft weiter ertüchtigt und das wird also unterstützt. (Beifall DIE LINKE, SPD) Liebe Kolleginnen und Kollegen, meine Damen und Herren Abgeordneten, Sport und Tourismus gehören natürlich zusammen. Darüber hat Herr Kemmerich gesprochen, auch andere Kolleginnen und Kollegen haben das angetippt. Auch wenn es das Thema von meinem Kollegen Wolfgang Tiefensee ist, will ich kurz etwas dazu sagen. Es gibt die aktuelle Tourismusstrategie in Thüringen für 2025. Der Rennsteig als Wintersportregion ist eines der vier zentralen Leitprodukte in dieser Konzeption und diese Leitprodukte sind die zentrale Säule zur Entwicklung des Tourismusstandorts. Es geht darum – ich habe früher, noch vor Thüringen auch Tourismuspolitik gemacht –, Menschen zu animieren, hier Urlaub zu machen und in dieses Land zu kommen, das ist ganz klar. Dazu braucht man nicht nur eine Landestourismuskonzeption, sondern da geht es um Regionalmarketing. Man muss seine Region entsprechend verkaufen und natürlich dafür werben und die Vorteile und die Vorzüge der Region entsprechend darstellen. Dazu gehört nun mal Wintersport in Thüringen. Das bietet sich logischerweise an, aber eben nicht nur. Diese touristischen Produkte müssen genau aus der regionalen Ebene heraus entwickelt werden. Die Menschen vor Ort wissen am besten, was auch die Magneten für die Touristen in ihrer Region sind. Das Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitale Gesellschaft hat in Umsetzung der Tourismusstrategie darauf hingewirkt, dass sich regionale Verbände und Vereinigungen zu sogenannten Destinationsmanagementorganisationen zusammenschließen – langes Wort, aber es bedeutet eben, dass vor Ort, und zwar über die Kreisgrenzen hinweg, genau diese Arbeit geleistet wird, um eine solche Konzeption regional umzusetzen. Das läuft. Und für den Thüringer Wald – auch darüber ist schon gesprochen worden – gibt es den Regionalverbund Thüringer Wald e. V., der genau dieses organisiert. Er ist nun mal der flächenmäßig größte Tourismusverband in Thüringen. Da sind die zentralen Akteure zusammengefasst, die genau diese Region entsprechend unterstützen. Da geht es um die Events in dieser Region. Es geht darum, die Marketingaktivitäten zu entwickeln und natürlich den Rennsteig insgesamt als Naturerlebnis dauerhaft zu entwickeln. Da geht es nicht nur darum, Oberhof weiterzuentwickeln, sondern es geht darum, die Region als Ganzes in den Blick zu nehmen und attraktiv zu machen, und das nicht nur im Winter, sondern möglichst ganzjährig. Es geht darum – das wissen diejenigen, die Tourismuspolitik machen –, saisonverlängernde Maßnahmen zu etablieren, damit ein ganzjähriger Tourismus möglich ist und angeboten werden kann. Der Regionalverbund Thüringer Wald kann dabei auf eine Zuwendung von 400.000 Euro in diesem Jahr ganz konkret hoffen, noch hoffen, aber der Haushalt wird hoffentlich dann auch verabschiedet und da wird dieses Geld auch fließen. Meine Damen und Herren, Sie merken, die Landesregierung hat diese Region im Blick, hat Brotterode und auch die anderen Standorte im Blick, aber wir müssen mit unseren Möglichkeiten entsprechend haushalten, und ich denke, Sport, Tourismus und all das, was auch regionale Entwicklung bedeutet, sind hier in einer guten Hand. Wenn man die Möglichkeiten genau beurteilt, Schwerpunkte setzt und mit den Akteurinnen und Akteuren vor Ort Hand in Hand geht, dann haben auch alle Orte etwas von dieser Gesamtkonzeption. Ich denke, wenn der Haushalt dann verabschiedet ist, können auch die entsprechenden finanziellen Mittel fließen, um diese Region touristisch und auch sportlich weiter voranzubringen. Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall DIE LINKE, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Protokoll ↗