Cornelia Klisch
Hebammenversorgung in ganz Thüringen sicherstellen – gelingende Arbeitsbedingungen fördern
Sehr geehrte Damen und Herren, es ist jetzt schon viel zur Hebammenversorgung und zu den Aspekten dieses Antrags gesagt worden, der gefühlt in einer fast logischen Reihenfolge kommt, obwohl er sozusagen schon vor langer Zeit das Licht der Welt erblickt hat, da wir in der vergangenen Woche im Gesundheitsausschuss wirklich eine sehr große Anhörung zur medizinischen Versorgungslandschaft hatten. Den ganzen Tag saßen wir hier und haben verschiedene Aspekte der Versorgungslandschaft beleuchtet – und so auch die Hebammen. Herr Dr. Lauerwald hat gerade einen Ausdruck erwähnt, der hier an diesem Rednerpult vor einer Woche fiel, der lautete: „moralische Verletzung“. Ich glaube, dieser Begriff „moralische Verletzung“ hat doch auch ein gewisses Staunen und fast auch Entsetzen im Saal ausgelöst, weil es einen betroffen macht, wenn Hebammen sagen, sie fühlen sich moralisch verletzt. Die Frage kam dann: Was ist damit eigentlich gemeint, moralische Verletzung? Die Erklärung war ganz einfach, wir haben es heute schon in den verschiedensten Varianten gehört: Das ist einfach die hohe Arbeitsbelastung, es ist der Druck, wenn eine Hebamme drei bis vier Geburten gleichzeitig zu betreuen und noch zig andere Aufgaben hat. Da stellt sich natürlich die Frage – abseits dessen, dass Kliniken geschlossen werden, dadurch andere Kliniken umso mehr machen müssen –, wo wir auch als Politik handeln können, denn das kann nun wirklich nicht unser Ziel sein, dass die Menschen, die sagen, das ist ein schöner Beruf, ich möchte diesen Beruf ergreifen, ich möchte in diesem Beruf bleiben, am Ende – und das wurde auch schon gesagt – nach ca. fünf bis sieben Jahren den Beruf wieder verlassen. Jede Zweite denkt darüber nach, die Arbeitszeit zu reduzieren. Ich glaube, 30 Prozent der Hebammen denken nach, den Beruf zu verlassen. Das sind alles Zahlen, die einen schockieren. Natürlich – Frau Rothe-Beinlich sagte es – ist vieles auch auf Bundesebene ein Problem. Es ist nicht irgendwie thüringenspezifisch. Deswegen wurde auch im Bund das Gesundheitsversorgungsund Pflegeverbesserungsgesetz ins Leben gerufen, was allerdings bis 2023 befristet ist, wo der Bund 100 Millionen Euro in die Hand nimmt, um unter anderem nicht nur mehr Hebammenplätze zu schaffen, sondern auch unterstützende Fachkräfte zu initiieren, die Hebammen entlasten, also die den Hebammen tätigkeitsfremde Aufgaben abnehmen. Ich glaube, in der Anhörung letzte Woche ist auch klargeworden: Das trifft nicht nur auf den Hebammenberuf, sondern auch auf Pflegeberufe, auf viele andere Berufe in der Gesundheitsversorgung zu, dass wir perspektivisch schauen müssen, wo gibt es Entlastung, wo kann man verteilen. Denn die Fachkräfte werden immer weniger und wir müssen mit weniger Fachkräften qualitativ gleich gute und – wenn es geht – sogar noch bessere Arbeit leisten. Deswegen heißt es einfach, auf mehr Schultern zu verteilen. Umso wichtiger, denke ich, war vergangene Woche auch noch mal der Punkt, was auch genau die Frage eines runden Tisches sein sollte, abseits des Berufs: Wie sieht es denn aus, wenn Kliniken geschlossen werden? Die Kliniken wurden schon genannt, die jetzt allein im gesamten letzten Jahr geschlossen wurden: Schleiz, Greiz, Hildburghausen. Das sind allein, ich glaube, 940 Geburten – habe ich mir aufgeschrieben – pro Jahr, die da wegfallen. Es wurde gesagt, das ist gar nicht der Punkt, ob irgendwas geschlossen wird, sondern wir müssen vorher darüber reden: Wie können wir das auffangen, wie können wir die Versorgung anders strukturieren, sodass keine Lücken entstehen, sodass so etwas nicht aus heiterem Himmel passiert, sodass so etwas geplant ist, und zwar mit Prinzip geplant ist und mit vorausschauender Sicht? Insofern, ja, kann ich auch nur unterstützen, den Runden Tisch „Geburt und Familie“ fand die SPD immer gut. Es ist eine Schande, dass der zuletzt 2019 getagt hat.
(Beifall CDU)
Insofern: Ja, das ist längst überfällig. Um es jetzt nicht noch länger zu machen und noch mal alles zu sagen, was meine Vorredner gesagt haben, danke ich Ihnen erst mal für die Aufmerksamkeit. Ich freue mich auf die Behandlung im Ausschuss.
(Beifall DIE LINKE, SPD, BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN)
