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Christian Tischner

CDU 18.11.2021 Sitzungen 7/64

Das Thüringer Bildungswesen stärken – Schlussfolgerungen der Corona-Monate umsetzen

Frau Präsidentin, meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich möchte mich zunächst dem Dank anschließen, den Frau Kollegin Rothe-Beinlich formuliert hat, auch Frau Baum. Nämlich Anerkennung und Respekt zollen dafür, was die Lehrerinnen und Lehrer, was die Familien, die Eltern, die Schüler in diesen Monaten leisten. Herzlichen Dank dafür. (Beifall CDU, Gruppe der FDP) Und ja, es ist notwendig und richtig, dass wir uns im Parlament regelmäßig über die Auswirkungen der Corona-Pandemie unterhalten und wir heute Anträge diskutieren, die eigentlich mit großem Optimismus entstanden sind – nämlich unser Antrag, Herr Kollege Wolf, im Mai auch schon öffentlich vorgestellt, Ihrer dann im Sommer –, aber in einer Zeit, wo wir alle davon ausgegangen sind, dass wir auf ein einigermaßen normales Schuljahr vorausschauen können. Das ist nun leider nicht so, und trotzdem ist es richtig und notwendig, dass wir uns mit den Themen beschäftigen und nicht aus den Augen verlieren, was gerade in unseren Schulen passiert, nämlich, dass die Corona-Fälle und die Quarantänen in den Schulen und Kindergärten förmlich explodieren. Meine Damen und Herren, wir als CDU-Fraktion haben im Mai ein 20-Punkte-Programm vorgelegt, was optimistisch hieß „Schule nach Corona“, und es kommt darauf an, die richtigen Weichen zu stellen. Wir dürfen nicht zulassen – davon sind wir fest überzeugt und leider sind wir in Thüringen auf dem Weg dahin –, dass nach der Corona-Krise die Bildungskrise kommen wird. Es ist notwendig und richtig, dass wir jetzt die richtigen Entscheidungen treffen, und vor allem kommt es darauf an, dass wir mit den Entscheidungen, die wir für die Zeit nach Corona treffen, hoffentlich dann auch im nächsten Schuljahr nicht belasten. Wir dürfen die Lehrer, unser Schulsystem nicht weiter belasten, wir dürfen aber auch unsere Schülerinnen und Schüler nicht über Gebühr weiter belasten. Ich habe ein bisschen die Sorge, dass da zurzeit ein bisschen das Maß und die Mitte verloren gehen, und ich sage es ganz klar: Mehrarbeit kann es aktuell für die Kolleginnen und Kollegen nicht geben. Das ist nicht leistbar, sie sind alle an der Grenze der Belastung, und wir sind froh über jeden Lehrer, jeden Erzieher, der morgens noch zum Dienst kommt, damit das aufrechterhalten werden kann, was gerade aufrechterhalten werden muss. (Beifall CDU, Gruppe der FDP) Wir als Fraktion haben 20 Punkte vorgeschlagen. Ich möchte schwerpunktmäßig auf einige Dinge eingehen. Im Wesentlichen haben wir uns gemeinsam mit Lehrern, gemeinsam mit Schülern, mit Eltern, mit Schulleitern drei Säulen überlegt. Drei Säulen, die eine Säule, das ist der Aufbau von zusätzlichen Bildungsangeboten, ganz, ganz wichtig Beratungsangebote, und die dritte Säule für uns sind Netzwerkangebote. Für uns ist es wichtig, dass das Bildungsministerium den Schulleitungen in den Schulen möglichst viele organisatorische Freiheiten gibt, um flexibel mit Stundentafeln, mit Lehrplänen, mit Prüfungsanforderungen umgehen zu können. Wir hätten uns gewünscht, dass es hier eine Verlässlichkeit gibt, dass es hier eine Langfristigkeit gibt. Es sind immer sehr kurzfristige Entscheidungen, ob mal da oder dort was gekürzt wird, wie eine Prüfung durchzuführen ist. Wir brauchen eine Langfristigkeit, die Lehrerinnen und Lehrer, die Schulen, die Schüler brauchen Planungssicherheit. Wir können uns auch vorstellen, dass wir beispielsweise bei Lehrplänen zusätzliche Wahlpflichtthemen ausweisen, also, dass nicht alle Themen unterrichtet werden – das klappt auch momentan gar nicht –, sondern dass man sagt, das und das Thema kann der Lehrer entscheiden, ob man es unterrichtet. Das muss natürlich dann auch wiederum Auswirkungen auf die Prüfungsanforderungen haben. Deswegen wäre es Aufgabe des Ministeriums gewesen, des ThILLM gewesen, an welchen Stellen die Prüfungsthemen auch reduziert werden oder an welchen Stellen die Prüfungsthemen wahlobligatorisch sind. Wir können uns Änderungen an der Stundentafel vorstellen. Jede Schule, jeder Klassenlehrer weiß selbst, in welcher Klasse die Schülerinnen und Schüler einen guten Stand haben, wo sie gut durch die Krise gekommen sind, wo vielleicht das Online-Lernen auch funktioniert hat. Aber es gibt auch Fächer, wo – das haben wir heute gehört – vielleicht der eine oder andere Kollege ein bisschen abgeduckt ist, wo das OnlineLernen vielleicht auch nicht funktioniert hat, weil in dem Dorf, wo der Lehrer zu Hause ist, das noch nicht so läuft mit dem Internet, dass man dann an der Stelle ein paar Stunden mehr aus der aktuellen Stundentafel herausgibt und Betreuungsangebote, Förderangebote schafft. Es ist wirklich wichtig, dass wir nicht Mehrarbeit für die Kolleginnen und Kollegen organisieren. Das wird nicht funktionieren. Wir müssen aus dem aktuellen System, was wir haben, Freiräume herausnehmen. Was für uns eine große Priorität hat – der Hinweis kam auch immer sehr richtig von den Grünen –, wir müssen die Lernstände erfassen. Schade, dass das überhaupt kein Thema mehr war, und vor allem, dass es kein Thema war zum Schuljahresende bzw. zum Schuljahresanfang. Die Kompetenztests sind ausgesetzt. Es wäre ein gutes Instrument gewesen, um auch einmal zu schauen, wie sich über die letzten Jahre hinweg und jetzt gerade im Corona-Jahr in einzelnen Jahrgängen die Probleme niederschlagen. Die Kolleginnen und Kollegen sind auf sich allein gestellt. Sie erfassen natürlich durch Leistungstests, durch Unterrichtsgespräche, wo die Schüler stehen. Denn für uns ist das die Voraussetzung, diese Lernstandserhebung, damit zusätzliche Lernangebote auch organisiert werden können. Diese zusätzlichen Lernangebote, die organisiert werden müssen, müssen wir denken, das habe ich heute auch schon aus einigen Wortbeiträgen herausgehört, nicht allein über die Schulen, ich habe schon gesagt, das ist nicht leistbar, sondern über zusätzliche Unterstützer. Das können Bildungsangebote außerhalb von den Schulen sein, das können also die Volkshochschulen sein, das können Dozenten an außerschulischen Lernorten sein, das können, ist ja auch genutzt worden, die Schwimmtrainer sein, auch Lehrkräfte im Ruhestand. Aber da ist es schon wieder schwierig, weil die maximal ein, zwei Stunden noch zusätzlich geben können, auch wenn sie wollen, weil sie dann mit dem Besoldungsrecht und ihrer Pension Probleme bekommen. Also alles relativ schwierige Baustellen, die nicht angegangen werden. Wir können uns auch vorstellen, dass Studenten an den Hochschulen unterstützen. Das müssen nicht nur Lehramtsstudenten sein, das können auch andere Studenten sein. Das hilft allerdings höchstens den Städten, die Universitäten haben. Das sind nicht so viele in Thüringen. Deswegen können wir uns eben auch vorstellen – die AfD hat so ein bisschen dagegengeredet – Schülertutoren. Warum nicht? Warum sollen nicht leistungsstarke Schüler die leistungsschwächeren auch unterstützen? So etwas gab es bei uns früher in der Schule. Das war sehr erfolgreich. Ich kann mir auch vorstellen, dass es durchaus Zehntklässler, Elftklässler gibt, die einem Fünftklässler oder Sechstklässler gut Sachen beibringen können. Warum sollte man nicht auch solche Sachen denken! (Beifall CDU) Dass nichts gedacht wird, dass nichts empfohlen wird, das ist leider das Versagen im Bildungsministerium. Ich will da wirklich auch noch einmal sagen, wir haben jetzt hier drei Anträge liegen. Es wäre nicht die Aufgabe des Parlaments gewesen, hier ein großes Potpourri an Ideensammlungen vorzulegen, die allen bekannt sind, das hat der Kollege Wolf gesagt, sondern es ist eigentlich die Aufgabe des Bildungsministeriums, selbst einen Fahrplan vorzulegen und selbst dann auch einmal zu handeln. Nicht nur ankündigen, sondern auch handeln! Ich möchte auch die leider negative Prognose geben: Wenn das Ministerium wartet, bis wir uns im Landtag ausdiskutiert haben, bis wir diese Anträge irgendwie zwischen vier Fraktionen geeint haben, dann werden Monate, vielleicht sogar wieder ein, zwei Jahre ins Land gehen, wie wir das beim Regelschullehrerantrag haben, wie wir das beim Attraktivitätsantrag haben. Wir schicken das jetzt in die Ausschüsse. Das kann aber nicht das Ende sein, sondern die Aufgabe und das Signal vom heutigen Tag, Herr Minister, muss sein, dass Sie jetzt aktiv werden, dass Sie jetzt handeln für die Schulen nach Corona, aber auch in der Corona-Krise. (Beifall CDU) Den letzten Punkt möchte ich sagen, weil der mir besonders wichtig ist, wir müssen unbedingt die Netzwerke zwischen Elternhaus und Schulen sehr massiv verstärken. Die Lehrer wissen, wie die Schüler gerade unterwegs sind. Sie wissen, was sie können und was sie nicht können. Jetzt kommt es sehr darauf an, dass in regelmäßigen Elterngesprächen, ob digital oder von mir auch aus in Whatsapp-Gruppen, das ist mir egal, aber Hauptsache, es besteht ein ganz enger Draht zwischen Elternhaus und Schule, damit gemeinsam überlegt wird, wie kann man einem Kind, das gerade auf der Strecke bleibt, helfen und unterstützen, damit es nicht den Anschluss verliert und damit es, wenn es vielleicht einfach in die nächste Klasse weiterrutschen durfte und jetzt die großen Probleme aufgekommen sind, dann auch die richtigen Unterstützungsangebote bekommt. Es ist eine gemeinsame Aufgabe. Aber der Ball, das möchte ich ganz deutlich sagen, liegt zuallererst beim Bildungsministerium. Danke schön. (Beifall CDU)

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