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Dr. Wolfgang Lauerwald

AfD 22.10.2021 Sitzungen 7/62

Der Weg zum selbstbestimmten Patienten: Gesundheitskompetenz bei Kindern und Jugendlichen stärken

Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Kollegen Abgeordnete und Zuhörer am Livestream, unter Gesundheitskompetenz, unter Health Literacy wird die Fähigkeit verstanden, Entscheidungen im Alltag zu treffen, die der Gesundheit förderlich sind bzw. zu mehr Gesundheit beitragen. Dafür sind bestimmte individuelle Kompetenzen und unterstützende Rahmenbedingungen erforderlich. Gesundheitskompetenz zeigt sich in der Balance zwischen den Fähigkeiten der einzelnen Person und der Health-Literacy-Freundlichkeit des gesellschaftlichen und situativen Umfelds. Wie haben wir früher unsere eigene Gesundheitskompetenz gestärkt? (Zwischenruf Abg. Rothe-Beinlich, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Sie können doch nicht mal in den Ellenbogen niesen!) Nun, wenn ich mich an meine Jugend erinnere, wir haben schon damals das Rad nicht neu erfinden müssen. (Zwischenruf Abg. Rothe-Beinlich, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Echt jetzt?!) Wir wussten, dass viel Bewegung, möglichst an frischer Luft, gesunde, ausgewogene Ernährung, ausreichend Schlaf, ein stabiles soziales Umfeld, das Vermeiden von Nikotin und zu viel Alkohol und nicht zuletzt ein gesunder Eustress statt Distress die Grundpfeiler gesunder Lebensweise waren. (Beifall AfD) Auch medizinische und zahnmedizinische Vorsorgeuntersuchungen in Kindergärten und Schulen fanden statt. Es gab eine hohe Durchimpfungsrate gegen gefährliche Kinderkrankheiten, Röntgenreihenuntersuchungen und großzügig Heilkuren. Auch damals haben die gesellschaftspolitischen Rahmenbedingungen nicht ausreichend funktioniert. Die Schulspeisung war suboptimal, es gab aber Pausenmilch, viele außerschulische Sportmöglichkeiten und – ich betone – regelmäßigen Schulsport mit drei Stunden pro Woche, im Winter das Manöver Schneeflocke und im Sommer Ferienlager mit Sportfesten. Die gesunde Lebensweise oder Gesundheitskompetenz vermittelten uns die Eltern, die Großeltern, und die Familie wurde von den Erziehern und Lehrern unterstützt. Drogen gab es zum Glück nicht, auch keine Digitalisierung, aber die Lebensfreude und der schulische Leistungswille und damit das Bildungsniveau (Zwischenruf Abg. Rothe-Beinlich, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Oh, war das Leben schön!) waren mehrheitlich ausgeprägt gut und besser als heutzutage. (Beifall AfD) Nachteilig im gesellschaftlichen Umfeld war zwar die regelmäßige politische Indoktrination, aber wir hatten eine Schere im Kopf, wussten zu filtern, ließen uns nicht das Gehirn waschen und konnten uns damit letztlich psychisch gesundhalten. (Zwischenruf Abg. Möller, AfD: So wie heu- te!) (Beifall AfD) (Unruhe DIE LINKE, BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- NEN) Wie ist die Situation aktuell? Die Studie zur Gesundheitskompetenz – Sie kommen doch nachher noch dran, beherrschen Sie sich doch mal ein bisschen! –, (Zwischenruf Abg. Rothe-Beinlich, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Entschuldigung, bei der Rede?) (Zwischenruf Abg. Möller, AfD: Das hat sie in der Schule nicht gelernt!) Die Studie zur Gesundheitskompetenz, die Health Literacy 2012, musste feststellen, dass es etwa der Hälfte der Studienteilnehmer in Deutschland schwerfällt, Gesundheitsinformationen zu finden, zu beurteilen und anzuwenden. Was sind die Ursachen, dass wir heutzutage zunehmend Defizite in der Gesundheitskompetenz feststellen müssen? Vor allem Menschen mit geringem Bildungsgrad, mit Migrationshintergrund und Ältere sind laut Studie betroffen. Damals hatten wir die ersten beiden fast kaum und Letztere deutlich weniger. Die Gesundheitskompetenz hat sich in den letzten Jahren sogar noch verschlechtert. Verfügten 2014 noch 54,3 Prozent der Bevölkerung über eine geringe Gesundheitskompetenz, so ist der Anteil 2020 auf fast 60 Prozent angestiegen. Die Verbesserung der Gesundheitskompetenz stellt eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe dar, die einer systematischen Vorgehensweise bedarf und ein umfassendes bundesweites Programm erfordert. Aus diesem Grunde wurde 2018 der „Nationale Aktionsplan Gesundheitskompetenz“ mit vier Handlungsfeldern und 15 Empfehlungen, die Gesundheitskompetenz in Deutschland gezielt zu fördern und zu stärken, ins Leben gerufen. Leider vermisse ich, liebe Kollegen der FDP, dass dieser „Nationale Aktionsplan Gesundheitskompetenz 2018“ von Ihnen weder erwähnt noch in Bezug zu Ihrem Antrag gesetzt wird. Der FDP-Antrag fordert ein Landesprogramm „Gesundheitsförderung für Kinder“, das ausschließlich auf Maßnahmen der Verhaltensprävention, also auf Wissensvermittlung setzt. Das Konzept Gesundheitskompetenz sieht aber ausdrücklich eine Kombination aus Verhaltens- und Verhältnisprävention vor. Ein Konzept, das ausschließlich über die Wissensvermittlung Einstellungen ändern und gesundheitsgerechtes Verhalten erreichen möchte, wird wenig Erfolg haben, da die Motivation und die jeweilige Lebenswelt in aller Regel nicht adressiert werden. Die Motivation hängt vom Leidensdruck des Einzelnen, aber auch von den jeweils verfügbaren Ressourcen ab. Sie fordern von der Landesregierung die Bestandsaufnahme und Verbesserung der gesundheitsrelevanten Rahmenbedingungen für alle Personen in den Kindergärten und Schulen in Thüringen. Was genau soll man sich darunter vorstellen? Sie fordern weiterhin die Förderung der Gesundheitskompetenz der Kinder und Jugendlichen in Thüringen durch zum Beispiel Maßnahmen zur gesunden Ernährung in der Schule. Das wäre auch unabhängig von irgendeiner Gesundheitskompetenz zu fordern. Die AfD hatte dies bereits in ihrem Antrag vom 03.07.2020 in Drucksache 7/1165, „Krankhaftes Übergewicht bei Heranwachsenden – Präventionsmaßnahmen ausbauen und die Anzahl adipöser Kinder und Jugendlicher durch wirksame Maßnahmen reduzieren“, gefordert, wurde aber von der nationalen Front weggestimmt. Liebe FDP, Sie fordern Maßnahmen zur Reduzierung von Stress und zur Verhinderung von Suchterkrankungen. Wie soll das funktionieren, wenn die Lebensverhältnisse außen vor bleiben, wenn die Kinder und Jugendlichen durch Regierungsmaßnahmen mit Dauerlockdowns, Heimbeschulung, Testorgien, Quarantänen und indirektem Impfzwang verängstigt, bedroht, genötigt und dadurch massiv physisch und psychisch anhaltend geschädigt werden? Letztlich fordern Sie in Ihrem Antrag die Entwicklung und Implementierung eigener Maßnahmen (Zwischenruf Abg. Schubert, DIE LINKE: Die AfD ist durch das Virus geschädigt worden!) wie Förderprogramme und die Entwicklung einer möglichen dauerhaften Finanzierungsstruktur für die präventiven Angebote zu ihrer Absicherung. Das ist zu vage. Förderprogramme für wen, mit welchem Ziel? In dieser Form erscheint der Antrag überflüssig. Vielen Dank. (Beifall AfD)

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