Prof. Dr.-Ing. Kaufmann
Ja zur wirtschaftlichen, technologieoffenen und ideologiefreien Wasserstoffforschung und Nutzung in Thüringen – Thüringen benötigt eine realistische und marktwirtschaftlich tragfähige Wasserstoffstrategie
Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete und liebe Gäste auf der Tribüne und am Livestream! Zuerst ein Wort zu Herrn Gottweiss: Der AfD-Antrag ist eben nicht entbehrlich. Und die Gründe dafür stehen in der Überschrift: wirtschaftlich, technologieoffen, ideologiefrei. Das bietet die Wasserstoffstrategie der Landesregierung nicht. Wie wir gerade gehört haben, schließt sich die CDU vorbehaltlos dieser Strategie an, sonst hätte sie ja ihren Antrag nicht gecancelt. Ursprünglich war der Tagesordnung zu entnehmen, dass die Landesregierung einen Sofortbericht zu diesem Tagesordnungspunkt geben wolle. Dieser Bericht erscheint jetzt auch nicht. Offenbar gibt es dann doch nicht so viel zu berichten. Als jemand, der aus der Wissenschaft kommt, möchte ich die Gelegenheit nutzen, hier auf einige Grundlagen hinzuweisen. Ich zitiere den Physiker Harald Lesch. Von ihm und einigen anderen Wissenschaftlern ist aktuell ein Buch über erneuerbare Energien erschienen. In einem Interview in der „Süddeutschen Zeitung“ sagt Prof. Lesch – ich zitiere –: „Ich habe den Eindruck, die Gesellschaft hat verlernt zu rechnen. Sie hat keine Ahnung davon, wie viel Energie wir in Deutschland verbrauchen.“
(Beifall AfD)
Genau dies ist der Fall, wenn wir über die einseitige grüne Wasserstoffstrategie der Landesregierung sprechen. Wenn die Verantwortlichen dieses Landes in der Schule die Grundrechenarten gelernt hätten, wäre es für jeden in diesem Haus ersichtlich, dass wir weder in Thüringen noch in Deutschland je im nennenswerten Umfang und zu vertretbaren Preisen grünen Wasserstoff erzeugen können.
(Beifall AfD)
Denn die von romantischem Wunschdenken getriebene Energiewende von Grünen, SPD, FDP und CDU sorgt schon heute für Stromknappheit in unserem Bundesland und in ganz Deutschland. Und wir reden noch gar nicht vom weiter steigenden Energiebedarf der Zukunft. Wasserstoff als Treibstoff ist sicherlich für einige Anwendungen sinnvoll. Und ich begrüße ausdrücklich, dass sich hier in Thüringen Unternehmen und Institute mit den Chancen der Anwendung von Wasserstoff beschäftigen. Die Wasserstoffstrategie der Landesregierung ist jedoch wesentlich auf die Erzeugung von Wasserstoff im Land aus sogenannten erneuerbaren Quellen fokussiert. Ich hätte im Sofortbericht weitere Auskünfte dazu erwartet.
(Zwischenruf Abg. Wahl, BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN: Na, weil es doch sonst keinen Sinn ergibt!) Nur zur Erinnerung, für die Erzeugung von Wasserstoff gibt es folgende Quellen: erstens aus fossilen Energieträgern wie Erdgas oder als Abfallstoff der chemischen Prozesse – diese Variante lasse ich hier außer Acht –, zweitens durch Elektrolyse, also mithilfe von Strom. Wenn man dazu erneuerbare Quellen verwenden möchte, braucht man endlose freie Flächen mit viel Sonne oder viel Wind. Sprich: Die Länder, die uns heute Erdöl verkaufen, werden in Zukunft zu Wasserstofflieferanten. Thüringen jedoch, meine verehrten Damen und Herren der Regierungskoalition, liegt weder am Meer, noch ist es mit endlosen freien Flächen und noch weniger mit Wind und Sonne ohne Ende gesegnet.
(Zwischenruf Abg. Wahl, BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN: Doch, in 50 Jahren oder 100 Jahren, wenn Sie so weitermachen!) Offenbar ist dies hier im Hause nicht allen genügend bekannt. Drittens kann man, wenn man es denn nur wollte, Wasserstoff durch Thermolyse herstellen. Dafür bieten sich Kernreaktoren an. Der Wasserstoff ist dann ein Nebenprodukt der Stromerzeugung. Eine Technik, die unter anderem in Japan entwickelt wird. In Deutschland allerdings hat die Gesellschaft verlernt zu rechnen und so schlägt man einen verhängnisvollen Sonderweg ein, indem man starrsinnig am Ausstieg aus der Kernenergie festhält.
(Beifall AfD)
Übrigens auch am Ausstieg aus der Kohle und neuerdings auch aus dem Gas, denn das ist ja der neueste Baerbock, den die Grünen-Chefin geschossen hat. Währenddessen werden rund um Deutschland neue Kernkraftwerke geplant, in der Slowakei, in den Niederlanden, in Frankreich. Mit der Einführung neuer Reaktortypen werden Kernkraftwerke zu Wasserstofflieferanten.
(Beifall AfD)
Die Energiewendepolitik ist klar eine Katastrophe für unser Land, eine Katastrophe insbesondere für Geringverdiener und mittelständische Unternehmen.
(Zwischenruf Abg. Müller, BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN: Eine Katastrophe für unser Land ist die AfD!) Es erfüllt mich aber mit einer gewissen Schadenfreude, dass nun die Grünen, so sie denn an einer künftigen Bundesregierung beteiligt werden, die Suppe auslöffeln müssen, die sie sich eingebrockt haben.
(Beifall AfD)
Das ist der Fluch der bösen Tat, meine Damen und Herren.
(Zwischenruf Abg. Müller, BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN: Wir übernehmen Verantwortung!) Schade ist nur, dass nicht auch die CDU diese Suppe auslöffeln muss, aber sie ist ja inzwischen zu klein, um eine Regierung zu bilden.
(Beifall und Heiterkeit AfD)
Wir werden erleben, sehr geehrte Grüne, sehr geehrter Herr Müller, dass Grüne den Wiedereinstieg in die Kernkraft fordern. Darauf nehme ich Wetten an.
(Beifall AfD)
Man wird das dann verschämt damit begründen, dass die Technologie doch heute eine ganz andere sei. Man wird sich damit die Argumente der AfD zu eigen machen. Nun, wir werden uns Gesprächen mit den Grünen über den Wiedereinstieg nicht verschließen.
(Zwischenruf Abg. Wahl, BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN: Kein Interesse, danke!) Unter diesen Voraussetzungen wäre es jedenfalls töricht, wichtige Ressourcen in den Ausbau einer Wasserstofferzeugung auf Basis von Sonne und Wind in Thüringen zu verschwenden, denn der Wirkungsgrad einer solchen Power-to-Gas-Prozesskette im wind- und sonnenarmen Thüringen ist so absurd gering, dass sich mir als Energietechniker die Haare sträuben.
(Beifall AfD)
Nein, meine Damen und Herren, wenn der Pfusch der Energiewende fortgeführt wird, dann wird Deutschland genauso zum Importeur von Wasserstoff oder gleich von synthetischem Kraftstoff, wie wir heute fossile Brennstoffe …
