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Knut Korschewsky

Die Linke 24.09.2021 Sitzungen 7/59

Perspektiven für den Thüringer Tourismus – einen erfolgreichen und nachhaltigen Neustart der Tourismuswirtschaft in Thüringen ermöglichen

Frau Präsidentin, meine sehr geehrten Damen und Herren, ich will zunächst sagen, dass ich sehr froh bin, dass wir nach zwei Jahren in dieser Legislaturperiode das erste Mal überhaupt in diesem Parlament wieder mal über Tourismus reden. (Beifall DIE LINKE, BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- NEN) Deshalb an der Stelle dafür an die CDU-Fraktion ein Dankeschön, weil – das haben wir nun häufig hier von dieser Stelle schon gesagt – der Tourismus ein sehr wichtiger Baustein ist, ein Wirtschaftsfaktor, den man nicht unterschätzen darf. Ich will das dahin gehend noch einmal untermauern: Tourismus sorgt für fast 3 Millionen Arbeitsplätze und trägt mit über 100 Milliarden Euro zur Wertschöpfung in Deutschland insgesamt bei. Mehr als rund 287 Milliarden Euro haben ausländische Touristen im Jahr 2015 für Güter und Dienstleistungen ausgegeben. Diese Umsätze sorgten für fast 3 Millionen Arbeitsplätze und eine Wertschöpfung von mehr als 105 Milliarden Euro. Damit hat der Tourismus einen Anteil von 3,9 Prozent der gesamten Bruttowertschöpfung in Deutschland insgesamt. Ich glaube, das ist nicht zu unterschätzen. Diese positiven Impulse des Tourismus strahlen auch in andere Wirtschaftsbereiche wie Handel, Handwerk, Landwirtschaft Dienstleistungen an Flughäfen, Bäcker, Gaststätten, Renovierungsarbeiten durch Handwerksbetriebe usw. aus. Allein hier in diesen Anschlussgewerken sind noch einmal 76 Milliarden Euro an Bruttowertschöpfung und Arbeitsplätze für 1,25 Millionen Beschäftigte – das vorneweg noch einmal, was die Bedeutung des Tourismus auch für Thüringen an der Stelle untermauert. Ich will zum Antrag andersherum anfangen, ich möchte ein Dankeschön sagen an die DMOs, an die Leistungsträger in den Regionen für das, was sie in den vergangenen Jahren geleistet haben, sowohl vor der Pandemie als auch in der Pandemie und auch jetzt, weil ohne diese DMOs, ohne den Regionalverbund Thüringer Wald, den Holzlandkreis oder die Städtekette, der Tourismus überhaupt nicht möglich wäre. Deshalb ein großes Dankeschön an sie und natürlich auch an die TTG, die dafür gesorgt hat, dass die DMOs jeweils die entsprechende Unterstützung bekommen haben. Also ein herzliches Dankeschön! (Beifall DIE LINKE) Ich muss auch sagen, wir brauchen den Tourismus in Thüringen nicht kleinreden. Thüringen war ein Tourismusland, ist ein Tourismusland und wird es hoffentlich auch weiterhin bleiben. Wir haben im Tourismus viel erreicht. Ich glaube, dass auch die Landestourismuskonzeption 2025 genau richtig war, die Konzentration auf Leitprojekte. Wir haben unter anderem die Wanderwegekonzeption erarbeitet. Diese trägt dazu bei, dass Thüringer Wanderwege zertifiziert werden konnten, damit der ThüringenForst finanziell ausgestattet wird, um auch diese Wanderwege instand zu halten. Ich glaube, das ist eine ganz wichtige Geschichte. Die Werra-Ertüchtigung, die derzeit gerade durch das Wirtschaftsministerium mit Fördermitteln untersetzt wurde, oder auch der Bereich des Thüringer Meeres – ich glaube, das sind Beispiele dafür, dass wir hier gute Arbeit geleistet haben. Es wurde hier schon gesagt: Im Jahr 2019 wurde erstmalig die 10-Millionen-Grenze an Übernachtungen geknackt. Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass wir, wenn wir die Pandemie nicht bekommen hätten, auf dieser Ebene auch weitergegangen wären und dass wir dort weitere positive Effekte erzielen können. Nun ist es so, dass wir leider diese Pandemie haben. Es wurde hier angesprochen: Wir haben 52,3 Prozent weniger Gästeankünfte als im 1. Halbjahr 2020 im Jahr 2021. Wir haben insgesamt ein Minus von 3,2 Prozent an Übernachtungen insgesamt von 2020 zu 2021 im 1. Halbjahr. Das ist wohl so, aber damit liegen wir auch unter dem Deutschlanddurchschnitt mit 5,6 Prozent. Aber wir sind im Vergleich der ostdeutschen Bundesländer immer noch am besten dargestellt. Ich will hier als Vergleich sagen: Brandenburg minus 6,1; Sachsen-Anhalt minus 7,2; Sachsen minus 14,8; MecklenburgVorpommern minus 15,1. Das heißt also, dass unsere Leistungsanbieter trotz Corona immer noch versucht haben, hier das Bestmögliche zu erreichen, auch mit der Unterstützung, die durch das Thüringer Wirtschaftsministerium gegeben wurde. Ja, es ist so, dass wir natürlich vor allen Dingen Probleme haben, was die Fachkräfte anbetrifft – Kollegin Diana Lehmann hat es hier gesagt. Ich will das Beispiel von Erfurt nennen. Innerhalb des vergangenen Jahres haben in Erfurt-Stadt allein rund 700 Köche, Serviceangestellte und Hotelangestellte dem Gastgewerbe den Rücken gekehrt. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit beschäftigte das Hotel- und Gaststättengewerbe in Erfurt zum Jahreswechsel 3.993 Menschen und genau ein Jahr zuvor, vor Ausbruch der Corona-Pandemie, waren es noch 4.683, also 15 Prozent weniger. Dafür müssen wir etwas tun, meine lieben Kolleginnen und Kollegen. Ich glaube, da wird es auch Zeit, dass wir etwas dafür tun. Die Fachkräfte sind abgewandert in andere Bereiche. Das hat unter anderem auch damit zu tun – und auch da stimme ich unangefochten der Kollegin Lehmann zu –, dass diese Fachkräfte nämlich in anderen Bereichen viel mehr verdienen als in den Bereichen der Gastronomie, der Hotellerie. Ich glaube, es ist dringend angesagt, dass wir hier angemessene Löhne in der Gastronomie zahlen (Beifall DIE LINKE, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) und dass hier 13 Euro Mindestlohn, die wir als Linke ansetzen, das Minimum ist, was man hier zahlen sollte. Ich glaube, es ist sogar wichtig, dass man hier noch mehr an dieser Stelle zahlt. (Zwischenruf Abg. Montag, Gruppe der FDP: Den kleinen Lohn zahlen Sie! Sie sprechen immer von „wir“!) (Unruhe DIE LINKE, SPD) Wollen Sie weiter runtergehen? Brauchen wir nicht die Fachkräfte? Womit wollen wir denn Fachkräfte bekommen? Ich will noch zwei andere Dinge hier benennen.

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