Franziska Baum
Digitalpädagogen für Thüringens Schulen
Sehr geehrter Herr Schriftführer, sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Zuschauerinnen und Zuschauer am Livestream, Sie haben alle darauf gewartet, wir reden über Digitalisierung in der Schule.
(Beifall Gruppe der FDP)
Die Umsetzung der Digitalisierung im Schulsystem kommt nicht nur in Thüringen eher schleppend voran – und ich könnte jetzt ganz doll auf die letzten vier Landesregierungen schimpfen, denn das müsste ich mindestens tun. Aber das hilft uns an dieser Stelle nicht so richtig weiter. Stattdessen würde ich gern einen Vorschlag unterbreiten, der auf das setzt, worauf wir Freie Demokraten immer gern setzen, nämlich auf Menschen und auf lebenslanges Lernen. Die Corona-Pandemie hat gezeigt, dass es durchaus Schulen gibt, die vortrefflich in Sachen Digitalisierung unterwegs sind und dass es andere gibt, die das Thema überhaupt nicht anfassen, und das liegt sicher sehr oft an fehlenden Kapazitäten, vor allem aber auch am Respekt vor dem Thema. Und man darf es sich jetzt an der Stelle nicht einfach machen und sagen, das löst sich alles, wenn die Generationen wechseln und wir nur noch junge Lehrkräfte in den Schulen haben, sondern wir reden hier nicht nur von einem Generationenproblem, sondern wir reden von einem Kompetenz- und einem Begeisterungsproblem, und zwar durch die Generationen hindurch, im Lehrerberuf.
(Beifall Gruppe der FDP)
Aber da, wo digitale Transformation nicht gelebt wird, wo niemand sich für das Thema begeistern kann, da kann die Umsetzung auch mit noch so viel Geld und mit noch so viel Technik nicht gelingen. Wir brauchen Menschen. Menschen, die das können, und damit meine ich nicht Menschen, die einen Beamer anschließen oder ein Smartboard bestellen, ich meine auch nicht diejenigen, die vorbeikommen, wenn der Rechner nicht startet oder eine Software installiert werden muss. Wir brauchen Menschen, die sich in die Lage versetzt fühlen, Schule im digitalen Zeitalter zu denken, neue Konzepte anzustoßen und diese dann vor allem auch gemeinsam mit dem Kollegium umzusetzen. In den Schulen herrscht aktuell aber eine ganz andere Situation – und das haben auch Dr. Frank Mußmann und Dr. Thomas Hardwig von der Uni Göttingen in einer Studie zur Digitalisierung im Schulsystem festgestellt. Sie haben untersucht, welche Auswirkungen die neuen Technologien auf die Arbeitsbelastung von Lehrerinnen und Lehrern haben. Und das Ergebnis ist nicht, dass die Lehrkräfte sich mit dem Thema nicht beschäftigen wollen, ihnen fehlt es vielmehr an den Rahmenbedingungen und an den Handlungsoptionen. Das liegt teilweise sicher an Ausstattung, es liegt aber ganz viel auch an Zeit und an Kraft und eben auch an Weiterbildungsmöglichkeiten. Was wir in der Diskussion gern vergessen, ist, dass Lehrkräfte ja nicht nur ihre eigenen Aufgaben, also ihr eigenes persönliches Unterrichten weiterentwickeln müssen, sondern dass sie auch im Schulentwicklungsprozess zur Integration von digitalen Lehr- und Lernmitteln beteiligt sind. Deswegen wollen wir dafür sorgen, dass es in allen Schulen Menschen gibt, die sich mit Begeisterung um solche Themen kümmern wollen und auch mit den Werkzeugen ausgerüstet sind, die Schulgemeinschaft kompetent zu unterstützen. Und genau das wollen wir schaffen mit unserem Vorschlag zu einem Erweiterungsfach, einer Zusatzqualifikation im Lehramtsstudium. Unter dem Titel „Digitale Transformation in Schule und Bildung“ sollen Teilnehmende vertiefte Kenntnisse über digitales Lernen und Lehren erhalten, aber auch darüber, wie Veränderungen, Transformation in diesem Ausmaß, wie sie die Digitalisierung uns vorgibt, im Kollegium umgesetzt werden können. An Beispielen von Bayern und Estland haben wir uns da orientiert und empfehlen deswegen tatsächlich ein zusätzliches Angebot für Lehramtsstudierende, zum Beispiel in der Zeit zwischen Studienende und Beginn des Vorbereitungsdienstes. Vor allem aber soll es einen Zugang für Lehrerinnen und Lehrer im Schuldienst geben, die den Kurs berufsbegleitend absolvieren können und so auch eine Zusatzqualifikation erwerben können. Das könnte ja dann zum Beispiel eine Grundlage für die immer viel diskutierten Zulagen sein, die wir gerade hier im Haus öfter mal im Gespräch haben.
(Beifall Gruppe der FDP)
Wir wollen damit so schnell wie möglich so viele Personen wie möglich mit dem Thema in Berührung bringen, damit wir in den Schulen Menschen haben, die sowohl über das technische Verständnis als auch über die pädagogische Vorerfahrung und Kenntnis der Schulabläufe verfügen, um eben gute medienpädagogische Konzepte zu entwickeln und den Wandel in Schule zu begleiten. Sie sollen Ansprechpartner sein sowohl für die Kolleginnen und Kollegen, aber eben zum Beispiel auch für den technischen Support der Schulträger oder auch externe Dienstleister. Denn unser Vorschlag ändert nichts an der Notwendigkeit, das Thema grundständig im Lehramtsstudium vorzusehen. Digitalpädagogen ersetzen auch nicht den professionellen ITSupport, der jeder Schule zustehen sollte. Wir empfehlen eine weitere Diskussion unseres Antrags im Ausschuss für Bildung, Jugend und Sport sowie im für Hochschulen zuständigen Ausschuss für Wissenschaft, Wirtschaft und Digitale Gesellschaft. Ich danke Ihnen herzlich für die Aufmerksamkeit und freue mich auf die Erwiderung.
(Beifall Gruppe der FDP)
