Prof. Dr.-Ing. Kaufmann
d) Heute schon an morgen denken: Gründerkultur stärken – Unternehmensnachfolge erleichtern
Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete, liebe Gäste im Saal und am Livestream, ich möchte speziell zu Punkt c im FDP-Antrag sprechen. Die FDP möchte mit einer Reihe von Maßnahmen die Gründerkultur an Hochschulen stärken und diese – typischer Unternehmensberaterbullshit [′balʃit] – zu gründerfitten Hotspots entwickeln.
(Zwischenruf Abg. Hey, SPD: „Ballstädt“
heißt das!) Ich frage Sie, liebe Kollegen von der FDP: Waren Sie eigentlich schon mal an einem MINT-Fachbereich einer Thüringer Hochschule? Haben Sie sich jemals mit einem Professor in einem MINT-Bereich unterhalten? Wenn Sie wollen, zeige ich Ihnen mein Hochschulpostfach. Ich werde jede Woche mit Finanzierungsvorschlägen, Coaching-Angeboten, Wettbewerben, Gründungsangeboten zugemüllt.
(Zwischenruf Abg. Rothe-Beinlich, BÜNDNIS
90/DIE GRÜNEN: Das würde vielleicht helfen!) Dazu kommen die Telefonate von Gründungsberatern. Wenn es nach der Anzahl der Finanzierungsangebote ginge, könnten ich und meine Studenten jede Woche drei Unternehmen gründen. Die meisten Ihrer Vorschläge sind an den mir bekannten Hochschulen längst umgesetzt. Es gibt wohl keine MINT-Hochschule, die nicht längst ihren MakerSpace eingerichtet hat. Lassen Sie mich diesen erfundenen Anglizismus kurz erklären.
(Zwischenruf Abg. Rothe-Beinlich, BÜNDNIS
90/DIE GRÜNEN: Ausgerechnet Sie erklären Anglizismen?) MakerSpace, so wird in der neudeutschen Sprache eine Werkstatt genannt, in der Studenten ihre Ideen umsetzen können. Sogenannte EntrepreneurshipKurse gibt es längst im Übermaß. In vielen Studiengängen gibt es die Möglichkeit, bestimmte Leistungen bei einer Unternehmensgründung als Projekt mit ECTS-Punkten anzuerkennen. Man kann natürlich mehr vom selben fordern, aber auch der doppelte Einsatz an Geld und Anstrengungen wird kaum zu mehr Gründern führen. Es fehlt schlicht an jungen Menschen, die diese Anstrengung auf sich nehmen wollen. Eine Karriere in einem Großunternehmen ist meist verlockender. Mal ehrlich, Herr Kemmerich: Können Sie Ihrem Kind mit gutem Gewissen empfehlen, ein Technologieunternehmen ausgerechnet in Deutschland, im Hochsteuerland Deutschland zu gründen,
(Zwischenruf Abg. Kemmerich, Gruppe der
FDP: Ja!) in dem man bei Erfolg gegen 50 Prozent des Einkommens an das Finanzamt abliefern darf – wenn es nach den rot-rot-grünen Parteien geht, nach der Bundestagswahl noch deutlich mehr –,
(Unruhe DIE LINKE)
(Zwischenruf Abg. Müller, BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN: Davon werden Ihre Diäten bezahlt!)
(Zwischenruf Abg. Müller, DIE LINKE: Davon
werden Ihre Diäten bezahlt!) in dem Land, in dem Unternehmer durch einen Berg an Regulierungen eingeschränkt werden, in dem Land, in dem erfolgreichen Selbstständigen nicht selten Neid und Missgunst entgegenschlägt? Es mangelt nicht an der Förderung von Gründern. Es mangelt an den Bedingungen im Land.
(Beifall AfD)
Noch ein weiterer Hinweis an die FDP: Ihre Forderungen sind in weiten Teilen grundgesetzwidrig, denn sie greifen in die Freiheit von Forschung und Lehre ein. Politiker dürfen laut Grundgesetz nicht entscheiden, welche Inhalte ein Studiengang haben soll und welche Studienleistungen anzuerkennen sind. Das ist einzig und allein Sache der Hochschullehrer.
(Beifall AfD)
Glauben Sie mir: Die Hochschullehrer brauchen Ihren Rat nicht, und schon gar nicht Vorgaben aus der Politik. Wir lehnen den Antrag deshalb in der vorliegenden Form ab, stimmen aber einer Überweisung an den Wissenschaftsausschuss zu. Vielen Dank.
(Beifall AfD)
