Dr. Wolfgang Lauerwald
b) Chancen der Digitalisierung im Gesundheitssystem nutzen: Thüringer Aktionsplan Gesundheitskompetenz 4.0 vorlegen
Sehr geehrte Frau Präsidentin, werte Kollegen Abgeordnete und Zuhörer am Livestream, in meiner beruflichen Praxis konnte ich seit den 90er-Jahren erleben, wie zaghaft die elektronische Datenverarbeitung im Gesundheitswesen Einzug hielt. Als ich meiner Stationsschwester im städtischen Krankenhaus Gera Ende der 80er prophezeite, dass irgendwann auf jeder Station im Dienstzimmer ein Computer stehen wird, erntete ich Skepsis und Unglauben. Einen Ablauf aus dem analogen Zeitalter möchte ich beispielhaft vortragen. Damals wurden im Zentrallabor von Laborantinnen die ermittelten Laborwerte jeden Mittag per Hand in ein dickes Buch eingeschrieben. Danach wurde von einer Schwester das Laborbuch dort zu Fuß abgeholt. Anschließend übertrug auf der Station eine Schwester die Werte in die persönliche Fieberkurve des Patienten. Welch Zeit- und Arbeitsaufwand und auch Fehlerpotenzial! Zehn Jahre später wäre meine Dialysepraxis ohne eine EDV-Anlage mit acht vernetzten Computerarbeitsplätzen, täglich 80 Behandlungsprotokolldrucken, Qualitätsmanagement, Abrechnungen, Homebanking und zahlreichen Zusatzmodulen mittels teurer Hardware und kostenintensiver Betreuung durch das Softwarehaus auch mittels Fernwartung nicht einen Tag funktionsfähig gewesen, und das bereits seit dem Jahr 1996. Wir haben das damals nicht Digitalisierung genannt, diese aber gelebt. Es war ein Fortschritt. Wir Nephrologen in Deutschland waren in der ambulanten Medizin Vorreiter.
(Zwischenruf Abg. Henfling, BÜNDNIS
90/DIE GRÜNEN: Und dann sind Sie in die AfD eingetreten!) Mittlerweile profitieren wir alle in der Medizin immens von der Computertechnik und der Digitalisierung. Damit es zügig damit weitergehen kann, müssen jedoch parallel die technischen Voraussetzungen geschaffen werden. Hier haben wir das Problem. Mit der dazu notwendigen Infrastruktur befinden wir uns in Deutschland und besonders auch in Thüringen auf dem Niveau eines Entwicklungslandes. Ein landesweites und lückenloses Hochgeschwindigkeitsinternet stellt aber eine unumgängliche Voraussetzung für die Verwirklichung all der hochambitionierten Projekte dar, eben auch flächendeckend im ländlichen Raum. Ich hatte es schon einmal erwähnt: Selbst in einer Großstadt wie Gera kann ich nicht einmal mein Funktelefon zu Hause fehlerfrei benutzen, ständig sind da Abbrüche im Gespräch. Die Verbindung ist an meinem Wohnort seit Jahren katastrophal, der Netzanbieter Vodafone hat auch in naher Zukunft keine Verbesserung geplant. So gut, so schlecht. Meine sehr verehrten Damen und Herren, es hat keinen Sinn, den zweiten Schritt vor dem ersten gehen zu wollen. Erst mit einer funktionierenden Infrastruktur werden alle Ihre Digitalisierungswünsche – wie zum Beispiel heute E-Health oder MedTechCluster – ermöglicht. Liebe Kollegen von der FDP, Ihre Ziele in allen Ehren: Diese sind ja richtig und notwendig, aber sie scheitern an der Realität. Wir leben in einem über Jahre heruntergewirtschafteten Deutschland, das schon längst auf allen Gebieten nicht nur den Anschluss an die Weltspitze verloren hat, sondern sich international in Richtung Bedeutungslosigkeit entwickelt. Wer lieber Windmühlen baut, Regenbogen und „Regenbogen:innen“ an Rathäuser und „Stadions“ malt und endlos auf WellenbrecherLockdowns surft, wird auch weiterhin Kandidat für die rote Laterne bleiben.
(Beifall AfD)
Abschließend möchte ich noch auf einen sehr bedeutenden Umstand bei dem Ruf nach uneingeschränkter Digitalisierung hinweisen: Ich spreche vom Schutz der medizinischen Daten von Patienten. Gerade im Gesundheitsbereich haben wir es mit hochsensiblen Informationen und Patientendaten zu tun. Datenschutz und Patientensicherheit müssen an erster Stelle stehen, niemand will ein gläserner Bürger sein und erst recht nicht ein gläserner Patient. Hierbei darf es keinerlei Abstriche geben. Vielen Dank.
(Beifall AfD)
