Astrid Rothe-Beinlich
b) Weitere Stärkung und Entwicklung der Digitalisierung des Thüringer Schulwesens
Wenn jetzt alle outen müssen, wo sie ihr Abitur gemacht haben: Bei mir war es die Erweiterte Oberschule Heinrich Mann, Sprachspezialklasse, hier quasi schräg gegenüber, auch nicht zu verachten. Herzlich willkommen den Schülerinnen und Schülern! Das Abitur ist allerdings bei mir schon ein bisschen länger her, gebe ich zu, aber egal. Wir reden gerade über das Thema „Digitalisierung in Schule“ und in der Tat haben wir heute eine Situation, die nicht so oft im Thüringer Landtag vorkommt. Fünf Fraktionen haben sich nach vielen, vielen Diskussionen auf einen Antrag verständigt. Ich glaube, dass es auch richtig und wichtig ist, weil nicht nur die Corona-Pandemie dazu geführt hat, dass ganz viele sich mit Digitalisierung noch mal ganz anders und praktisch auseinandersetzen mussten, sondern weil sie schlichtweg zu unserer Lebensrealität im 21. Jahrhundert dazugehört. Das will die AfD nicht unbedingt immer wahrhaben. Liebe Schülerinnen und Schüler, Ihr habt verpasst, dass die AfD vorhin davor gewarnt hat zu digitalisieren. Sie hat sogar von einer „Digitalisierungslobby“ gesprochen über diejenigen, die sich hier zusammengefunden haben und diesen Antrag auf den Weg gebracht haben. Ich meine, es zeigt vielmehr die Anerkennung von Lebensrealitäten. Ihr gerade als Schülerinnen und Schüler seid da wahrscheinlich manchmal viel fitter als die eigenen Eltern oder Lehrerinnen und Lehrer.
(Zwischenruf Abg. Dr. Hartung, SPD: Das ist
nicht die Stärke der AfD!) Ich glaube, wir können da alle noch unheimlich viel voneinander lernen. Wir müssen trotzdem genau hinschauen, wo Chancen sind, wo vielleicht auch Risiken liegen und wo es vor allem noch viele Verbesserungspotenziale und noch viel zu lernen gibt. Die digitalen Medien prägen ja bekanntermaßen immer mehr unseren Alltag und sie haben dementsprechend auch eine immer größere Bedeutung, das wird auch die AfD nicht aufhalten können. Unsere Kinder und Jugendlichen wachsen ganz selbstverständlich mit digitalen Medien auf, sie gehören zur Lebenswirklichkeit einfach dazu. Klar ist aber, dass es Medienkompetenz im Umgang selbstverständlich auch mit den digitalen Medien braucht. Für uns ist weiterhin klar, dass schulisches Lernen zeitgemäß und auch zukunftstauglich sein muss. Deshalb wollen wir die Chancen der Digitalisierung im Sinne guter Bildung nutzen. Ich sage es noch mal: Sie sind quasi Mittel zum Zweck, es geht um gute Bildung für alle von Anfang an und niemand von uns wird sagen, dass es deshalb keine Bücher oder die klassische Tafel nicht mehr braucht, ganz im Gegenteil: Wir brauchen ein gutes Miteinander von analogen und auch von digitalen Methoden. Dafür braucht es natürlich auch die richtigen Rahmenbedingungen, für die die entsprechenden Maßnahmen zu benennen sind. Deswegen will ich noch mal kurz zu unserem gemeinsamen Antrag kommen, mit dem wir die zentralen Herausforderungen aus landespolitischer Perspektive aufzeigen und gleichzeitig deutlich machen, was der Landtag auch von den künftigen Landesregierungen erwarten kann, will und muss. Gute Bildung im digitalen Zeitalter benötigt nämlich zum einen die richtigen digitalen Infrastrukturen, und das vor allem auf kommunaler Ebene. Auf kommunaler Ebene liegt ja schließlich die Verantwortung in der Schulträgerschaft. Da geht es vor allem um den Ausbau von schnellem Internet. Es braucht die Entwicklung der kommunalen Medienzentren zu IT-Servicezentren für Schulen – das ist auch vorhin schon von meinen Kollegen ausgeführt worden – und auch eine digitale Schulverwaltung, die längst überfällig ist, weil klar ist, die Lehrerinnen und Lehrer können das nicht mal eben nebenbei mit erledigen. Wir haben die Kompetenz vor Ort beispielsweise in Form der kommunalen Medienzentren und wir glauben, dass es hier eine gute und gewinnbringende Zusammenarbeit von Schulen und kommunalen Medienzentren geben kann. Das Zweite ist auch ganz klar: Die Ausstattung mit den digitalen Endgeräten muss verbessert werden; für die Schülerinnen und Schüler durch Leihgeräte, aber auch für die Lehrkräfte – viele wissen, wovon ich rede – mit Dienstgeräten, auch wenn sich die Anschaffung mitunter noch schwierig gestaltet. Ich glaube aber, wir können froh sein, dass wir endlich nicht mehr darüber diskutieren müssen, dass jede Lehrerin, jeder Lehrer auch eine E-Mail-Adresse braucht. Da sind wir inzwischen zum Glück ein ganzes Stück weiter. Aber es ist eben leider immer noch nicht selbstverständlich, wir wissen, wie sich die Bedingungen in den Schulen tatsächlich vor Ort darstellen. Ganz entscheidend ist – und das haben vorhin auch mein Kollege Dr. Hartung, auch Torsten Wolf, auch meine Kollegin Franziska Baum schon gesagt –, wir müssen in die Aus-, Fort- und Weiterbildung investieren, und zwar auch der Lehrerinnen und Lehrer, und diese fächerübergreifend organisieren und auch mehr Verbindlichkeit für Fortbildung schaffen. Ich weiß, das ThILLM macht da schon ganz gute Angebote, aber wenn wir mal genau hinschauen, wie viele Lehrerinnen und Lehrer diese schon wahrgenommen haben, sie schon wahrnehmen konnten, dann gibt es jedenfalls noch einen ganz großen Bedarf. Das Vierte ist: Wir müssen die Schulen natürlich auch bei der Auswahl der Tools und bei der Entwicklung von eigenen medienpädagogischen Konzepten mehr unterstützen. Das Fünfte ist, und das ist auch ein Punkt, der uns wichtig ist, der vielleicht manchmal ein bisschen zu kurz kommt: Wir müssen auch die Präventions- und Schutzmaßnahmen verstärken, beispielsweise vor Cybergefahren wie Cyber-Grooming, Mobbing, Sexting, Fake News, genauso wie es mehr Wissen und feste Ansprechpartner zur Einhaltung des Datenschutzes braucht. Hier äußere ich einen Wunsch, dass sich nämlich unser Datenschutzbeauftragter als Service- und Ansprechpartner erweist und nicht nur als derjenige, der Probleme sieht, wo es sie ganz sicher auch gibt, sondern entscheidend ist ja, Lösungen aufzuzeigen. Das wäre etwas, was wir gern gemeinsam angehen würden.
(Beifall DIE LINKE, SPD, BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN, FDP) Das Sechste ist, dass wir uns natürlich auch die strategische Weiterentwicklung anschauen müssen, sowohl auf Bundesebene, beispielsweise durch eine Bundeszentrale für digitale Medienbildung, durch länderübergreifende wissenschaftliche Studien, aber natürlich auch auf der Landesebene, indem wir unsere Digitalstrategien weiterentwickeln und hier auch mehr Fachkompetenz mit einbeziehen. Abschließend will ich noch auf ein paar Punkte eingehen. Wenn wir heute diesen Antrag beschließen, dann soll es nicht nur geduldiges Papier oder sozusagen ein digitales Dokument sein, sondern wir verpflichten uns zugleich, für die notwendigen Maßnahmen auch die entsprechenden Ressourcen bereitzustellen. Das wird eine große Herausforderung für die kommenden Haushaltsverhandlungen. Ich hoffe, dass sich dann auch noch alle so gut daran erinnern, wenn wir hier in ein paar Wochen darüber sprechen. Die Corona-Pandemie hat sehr deutlich vor Augen geführt, dass digitale Medien immer mehr zum selbstverständlichen Werkzeug für alle Lernenden, aber auch für alle Lehrenden werden. Der Grundsatz muss aber immer das pädagogische Primat sein, also sprich, die pädagogische Förderung der Kinder und Jugendlichen steht im Mittelpunkt, denn digitale Bildung war nie Selbstzweck und wird auch nie Selbstzweck sein. Positiv ist, dass wir eine große Einigkeit darüber haben, dass wir eine gute, gemeinsam getragene Strategie entwickeln müssen. Wir als Grüne formulieren es so: Kinder haben ein Recht – und zwar alle Kinder – auf gute Bildung und das gilt für uns natürlich auch für die digitale Bildung. In diesem Sinne werben wir um Zustimmung zu unserem Antrag. Vielen herzlichen Dank.
(Beifall DIE LINKE, SPD, BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN)
