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Franziska Baum

FDP 22.07.2021 Sitzungen 7/54

b) Weitere Stärkung und Entwicklung der Digitalisierung des Thüringer Schulwesens

Vielen Dank, Frau Präsidentin. Liebe Kolleginnen und Kollegen, vielen Dank für das Einführen der Sachlichkeit, Herr Kollege Hartung. Ich freue mich sehr, dass wir über Digitalisierung in der Schule sprechen. Ich bedauere ein bisschen, dass der Beitrag von Herrn Kießling vorhin nicht dazu geführt hat, dass wir die Schulklasse jetzt hier schon begrüßen können, dann hätte das wenigstens einen Vorteil gehabt. (Beifall CDU, SPD, FDP) Als wir, die FDP-Fraktion, im Mai 2020 den ersten Antrag zum Thema „Digitalisierung im Bildungswesen“ hier in dieser Legislatur eingereicht hatten, war das noch mitten im Lockdown. Uns ging es damals ein Stück weit darum, gerade für die Schulschließungen die Probleme, die auf dem Tisch lagen, direkt anzugehen, nämlich einen rechtlichen Rahmen zu schaffen, wie man diesen digitalen Distanzunterricht tatsächlich regeln kann. Es ging uns um eine Whitelist für digitale Lernprogramme, also was in der Schule genutzt werden darf. Es ging darum, welche Rechtsgrundlage es für hybride Unterrichtsformate braucht, und es ging auch darum, wie digitale Didaktik in den Unterricht eingebunden werden kann, damit sie tatsächlich sinnvoll und förderlich für den Lernprozess ist. Ich weiß nicht, Herr Kollege Hartung, ob Sie sich erinnern, dass Sie mir mehrfach geraten haben, ob ich nicht den Antrag zurückziehen möchte, es hätte sich alles erledigt und Distanzunterricht sollte ja nicht der neue Standard werden. Wir haben jetzt ein ganzes Jahr lang relativ viel mit Wechselunterricht, Distanzunterricht zu tun gehabt. Insofern bin ich froh, dass die Themen nach wie vor so relevant sind, dass sie immer noch in unseren gemeinsamen Antrag eingeflossen sind. (Beifall FDP) Wir erleben momentan, dass es eine ganze Reihe Geld gibt, das zur Verfügung gestellt werden kann, um Digitalisierung nach vorn zu bringen. Wir reden über Endgeräte, wir reden über Ausstattung in den Schulen, wir reden teilweise über Stromleitungen, wir reden teilweise über Internetanschlüsse. Es muss jetzt um die Umsetzung dessen gehen, was schon ganz viel besprochen worden ist und was am Ende dazu führen soll, dass Unterricht gelingt und dass digitale Hilfsmittel dabei helfen können, den Schulalltag zu vereinfachen. Ich möchte es an der Stelle auch so formulieren, dass wir nicht immer darüber sprechen, digital zu unterrichten. Das ist gar nicht Grundansatz der Thematik, sondern es geht darum, wie Schulverwaltung, wie Schulalltag mit modernen Mitteln vereinfacht werden kann und wie die digitalen Instrumente, die helfen können, Lehrer zu entlasten, im Unterricht eingebunden werden können. Da gehört sicher auch dazu, dass man mal mit einer spannenden Lern-App unterrichtet, aber das ist, glaube ich, zweitrangig. An erster Stelle brauchen wir Strukturen. Da meine ich auf der einen Seite rechtliche Strukturen. Es wird geklärt, wie der hybride Unterricht funktionieren kann. Es geht um Datenschutzregeln. Es geht aber auch um die organisatorische Frage, wer eigentlich für die Endgeräte verantwortlich ist, wer dafür zuständig ist, die von den Lehrkräften, von den Schülern regelmäßig upzudaten. Da sind, glaube ich, noch Aufgabenteilungen zu klären, die momentan nicht so klar sind. Dann braucht es Organisation und Personen, die sich um genau diese Infrastruktur kümmern. Wir haben in dem gemeinsamen Antrag die kommunalen Medienzentren zu einem IT-Servicezentrum – sagen wir mal – hochgestuft. Das ist zu begrüßen. Was wir dabei nie vergessen dürfen: Die ITler, die wir brauchen, um in Schulen Digitalisierung voranzubringen und IT zu administrieren, müssen Leute sein, die wissen, wie Schule funktioniert. Der große Unterschied zwischen Schule und Verwaltung ist der, dass es dort nicht reicht, zu sagen: Ich komme in einer halben Stunde vorbei und dann regeln wir das. IT in Schulen muss immer ad hoc, sofort funktionieren, weil sie sonst nicht genutzt wird. Es gibt eine Digitalisierungsstudie von Dr. Mußmann und Dr. Hardwig an der Universität Göttingen, die im Jahr 2021 veröffentlicht wurde, die ganz deutlich zeigt, dass gerade an den Schulen, wo die digitale Ausstattung noch relativ weit zurück ist und wenig zu digitalen Hilfsmitteln gegriffen und wenig mit digitalen Geräten gearbeitet wird, der Stress der Lehrer in dem Moment, wenn sie mit digitalen Mitteln arbeiten müssen, extrem hoch ist. Meist ist die Angst, dass die Technik am Ende nicht funktioniert, der größte Auslöser dafür. Diese Angst müssen wir den Lehrkräften nehmen, damit sie überhaupt in die Lage versetzt werden, digitale Hilfsmittel im Unterricht einzusetzen. (Beifall FDP) Die Studie in Göttingen hat auch unterstrichen, dass sich Lehrkräfte dann von Digitalisierung begeistern lassen, wenn sie einen Nutzen für sich darin erkennen, also entweder eine Vereinfachung für die eigene Arbeit oder eine Hilfestellung bei der Förderung von Schülerinnen und Schülern. Genau das müssen wir nutzen, genau das müssen wir deutlich machen. Wir brauchen also mehr und nachhaltigere Fortbildung in dem Bereich. Das Thema muss in allen Phasen der Lehrerbildung Einzug halten. (Beifall FDP) Lehrkräfte in Thüringen können digitale Tools und Methoden nur dann sinnvoll einsetzen, wenn sie – erstens – wissen, was es gibt, wenn sie – zweitens – wissen, was es bringt, und wenn sie – drittens – wissen, dass sie dabei unterstützt werden und dass sie diese Tools und Methoden unproblematisch im Unterricht einsetzen können. (Beifall FDP) Ich möchte noch auf einen Punkt eingehen, der uns als Freien Demokraten besonders wichtig ist. Wir haben zu klären, wer auf welcher Ebene für was zuständig ist. Wen wir dabei nicht außer Acht lassen dürfen, sind die Schulen selbst. Denn es sind die Lehrerinnen und Lehrer, die wissen, was pädagogisch Sinn ergibt, wenn sie wissen, welche Möglichkeiten es gibt. Es sind die Schulleitungen, die das pädagogische Gesamtkonzept im Blick haben. Es kann nicht sein, dass die Schulverwaltungen – ich rede mal nicht von Stromleitungen und Telefonkabeln – am Ende entscheiden, was in den Schulen steht, ohne auch nur ein einziges Mal mit den Schulleitungen, mit den Lehrkräften gesprochen zu haben. (Beifall FDP) Diejenigen, die IT in Schulen einsetzen sollen, und diejenigen, die Digitalisierung unter dem Aspekt der Medienkompetenz und dessen, was Schülerinnen und Schüler lernen sollen, einsetzen und umsetzen sollen, die müssen daran beteiligt werden, wenn es darum geht, was wir in den Schulen brauchen, was eingesetzt werden muss und was wir nutzen wollen. Das dürfen wir nicht vergessen. Die Schulen müssen an dieser Stelle entscheidend sein. Vielen Dank. (Beifall DIE LINKE, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, FDP)

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