Stephan Tiesler
d) auf Antrag der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN zum Thema: „Zunehmende Extremwetterereignisse als Folge der Klimakrise – Vorsorgende Klimaanpassung in Thüringen insbesondere bei der Wasserbewirtschaftung vorantreiben“
Sehr geehrter Herr Präsident, werte Kolleginnen und Kollegen, liebe Gäste, „Zunehmende Extremwetterereignisse als Folge der Klimakrise“ so der Titel der Aktuellen Stunde mit Bezug auf die aktuellen Starkregenereignisse – wir haben sie heute schon mehrfach besprochen – in West- und Süddeutschland sowie auch bei uns in Thüringen. Es ist in der Tat wirklich erschreckend, welche Bilder und Informationen man momentan über Funk und Fernsehen sieht. Und diese sollten, nein, ich sage, sie müssen wirklich zum Nachdenken und Handeln anregen. Sommerliche Gewittersituationen gibt und gab es in Deutschland schon immer. Doch die spezielle Situation war jetzt, dass sich ein Tiefdruckgebiet festgesetzt hatte, welches sich nur langsam bewegte. Das führte dazu, dass es innerhalb eines begrenzten Gebiets in einem Durchmesser von 200 Kilometern sehr heftig und intensiv regnete. Dies ist aber vollkommen anders als beispielsweise die Hochwassersituation an der Oder 1997 oder an der Elbe 2002 und 2013. Aber in noch gar nicht so lang zurückliegender Zeit, in der letzten Warmphase Mitte des 17. Jahrhunderts, hatten wir katastrophale Starkregenereignisse wie zum Beispiel die Magdalenenflut im Juli 1342 mit einem geschätzten HQ10.000 – das heißt also, ein Hochwasser, was nur alle 10.000 Jahre vorkommt – und ungefähr 6.000 Toten allein im Donau-Raum oder die Thüringer Sintflut im Einzugsgebiet der Ilm im Mai 1613 mit auch mehreren hundert Opfern. Also ein einzelnes Ereignis, wie es jetzt in Nordrhein-Westfalen passiert ist, ist schwerlich allein auf den Klimawandel zurückzuführen, welcher aber selbstverständlich Auswirkungen auf die Ausprägung des Unwetters hat. Denn umso wärmer die Luft, desto mehr Wasser kann sie aufnehmen. Und bei 1 Grad Erwärmung spricht man ungefähr von 3 bis 4 Prozent mehr Wasser, was aufgenommen werden kann, und dementsprechend wird natürlich auch mehr Wasser vom Himmel fallen. Insofern ist also auch die Klimaerwärmung hier ein sehr treibender Faktor. Und in Kombination mit der Verlangsamung der Wettergebiete, die seit ungefähr zehn Jahren auch schon zu beobachten ist, gerade auf der Nordhalbkugel, wird eben das Wetter heftiger ausgeprägt. Das Problem ist, dass der Klimawandel dazu geführt hat, dass die Erde sich eben nicht gleichmäßig erwärmt. Die Erwärmung am Nordpol geht schneller voran als am Äquator und dadurch hat sich jetzt der Druckunterschied verringert. Der Jetstream schlängelt sich dadurch etwas mehr und das hat die Folge, dass diese Wetterphasen bei uns länger bestehen bleiben und somit auch, wie jetzt im aktuellen Fall passiert, das Tief Bernd eben länger festsitzt, als es eben noch vor 50 Jahren zum Beispiel der Fall war. Ein Fakt steht aber auch fest: Bei solchen Ereignissen ist nicht vorhersehbar, wo sie auftreten, und das macht den Umgang mit ihnen so schwierig. Eine aktuelle Auswertung von Radardaten der letzten 20 Jahre hat gezeigt, dass es keine Gewitterschwerpunkte in Deutschland gibt und das auch nicht örtlich irgendwo festgelegt werden kann. Es kann quasi überall in Deutschland auftreten. Sicher ist nur, in den Gebirgslagen hat es schlimmere Auswirkungen. Im Flachland hat man nicht den starken Effekt, dass über große Flächen das Wasser zusammenläuft und sich an Bachläufen konzentriert. In Gebirgen gilt: Umso steiler das Gelände, desto schneller läuft das Wasser zusammen und überflutet die Ortschaften in Tallagen, wie jetzt im Sauerland, in der Eifel, aber auch in der Sächsischen Schweiz oder im Berchtesgadener Land. Das gehört auch zur Wahrheit: Gegen die lokalen Gewitterhochwasser kann man sich kaum schützen. Unsere Kanalisation kann nicht so viel Wasser auffangen, weil diese schon aus rein ökonomischen Gründen nicht für ein HQ200, also ein 200-JahresHochwasser, oder gar ein HQ1.000 ausgebaut werden kann. Eine Lösung könnte aber zum Beispiel sein, eine spezielle Versicherung gegen Elementarschäden aufzusetzen, um das Risiko zumindest auf viele Schultern zu verteilen. Technisch gesehen liegt vor allem in der ausufernden Bebauung von engen Tallagen und Flussauen eine Hauptursache für die extremen Zerstörungen des Lebensumfelds des Menschen. Hier gilt es, in den Bebauungsplänen und in den Flächennutzungsplänen der Kommunen und gerade jetzt auch im Wiederaufbau in diesen zerstörten Wohngebieten aktiv gegenzusteuern. Einen wichtigen Schritt in der gesamten Fragestellung sind wir als Thüringer Landtag aber schon im letzten Plenum gegangen, indem wir den Antrag – wir haben ihn vorhin gerade gehört – zu Wassermangel und Dürre, der eben auch diese Extremwetterlagen mit beinhaltet, in den Ausschuss für Umwelt übergeben haben. Und nichts ist so schlecht, als dass man eben auch etwas Gutes daran finden kann, denn durch die Verhinderung der Landtagsauflösung haben wir jetzt natürlich diesen Antrag nicht verfallen lassen, sondern können uns dann damit genau zu dieser Sachlage eben auch noch weiter unterhalten und auseinandersetzen. Vielen Dank.
(Beifall AfD, CDU)
