Denny Jankowski
c) auf Antrag der Fraktion der AfD zum Thema: „Schüler und Lehrer unterstützen – Voraussetzungen für einen neuen Schulfrieden und zukünftigen Unterricht sichern.“
Sehr geehrter Herr Präsident, werte Abgeordnete, liebe Eltern und Schüler am Livestream, Deutschland und Thüringen sind in Europa mit den Corona Maßnahmen einen Sonderweg gegangen. Die ‑ EU-Seuchenschutzbehörde ECDC erklärte bereits im Spätsommer 2020, dass Schulen keine Pandemietreiber seien und Schulschließungen nur das allerletzte Mittel sein dürften im Kampf gegen Corona. Die meisten europäischen Länder hielten sich daran. In Frankreich mit seinen sehr einschneidenden Corona-Maßnahmen wurden die Schulen jeweils nur möglichst kurz geschlossen. In der Schweiz blieben die Schulen seit letztem Sommer nahezu komplett offen. Und was haben wir in Thüringen erlebt? Schulschließungen über Monate hinweg. Anstatt sich auf den Schutz von Risikogruppen zu konzentrieren, zum Beispiel die Altenheime zielgerichtet zu schützen, ging die Landesregierung den einfachen Weg und hat die Schulen geschlossen. Die verfehlte politische Prioritätensetzung hat nicht nur in den letzten Monaten viel Schaden angerichtet. Die Auswirkungen werden uns noch viele Jahre begleiten.
(Beifall AfD)
Schule ist eben nicht nur irgendein Lernort, Schule ist eine Institution, die positive Auswirkungen auf die Schüler und Lehrer hat. Sie bringt die Schüler und ihre Lehrer zusammen. Die Schüler-Lehrer-Beziehung ist das Wichtigste für guten Lernerfolg. Im Klassenverband lernen die jungen Menschen, dass man sich nicht voneinander abkapseln soll oder dass man verschiedener Meinung sein kann und trotzdem im Sportunterricht zusammen in einer Mannschaft spielt. Im Großen und Ganzen sorgt die Institution Schule als physisch betretbarer Ort dafür, dass junge Menschen im Alltag schöne gemeinsame Momente erleben. Dieser Resonanzraum kann nicht digital konstruiert oder über Bildschirme vermittelt werden, es geht nur im direkten Austausch von Mensch zu Mensch.
(Beifall AfD)
Und vor allem: Schule gibt Struktur. So langweilig das Wort vielleicht auch klingen mag, so wichtig ist es. Selbstverständlichkeiten im Leben schaffen nicht nur Sicherheit, sondern auch Platz zur freien Entfaltung. Struktur ist manchmal mühselig, doch Corona hat gezeigt: Keine Struktur ist noch viel mühseliger. Die linke Regierung hat während der Corona-Maßnahmen behauptet: Schule findet statt, entweder im Schulgebäude oder zu Hause. Und nein, das ist schlichtweg falsch.
(Beifall AfD)
Sogar der Bildungsminister hat vor Monaten erwähnt, dass etwa ein Fünftel aller Schüler während der Schulschließung praktisch verloren gegangen ist. Es gab mit ihnen mehr oder weniger keinen Kontakt. Die Schüler haben nicht nur einen Wissenseinbruch, sie haben auch die Struktur und viele soziale Kompetenzen eingebüßt. Vor allem: Das ist nur das am schwersten betroffene Fünftel.
(Zwischenruf Abg. Wolf, DIE LINKE: Im ers-
ten Lockdown, nicht im zweiten!) Aber auch die meisten anderen Schüler empfanden die Schulschließungen als tiefen Einschnitt. Denn Schule hat zum großen Teil eben nicht stattgefunden, auch wenn die Landesregierung gern etwas anderes behauptet. Mittlerweile sind die Schulen wieder offen und jetzt sind die Lehrer und Schüler mit Konflikten konfrontiert. Die Lehrer erleben, dass die Schüler zum Teil nicht motiviert sind, dass die Schüler zum Teil lernunwillig sind, dass die Schüler zum Teil nicht mehr richtig am Unterricht teilnehmen können. Es kann auch nach anderthalb Jahren Ausnahmezustand nicht viel anders sein. Ihr Sozialverhalten, die Selbststeuerungsfähigkeit und die Selbstkontrolle und vieles mehr haben nachgelassen. Dank der Corona-Maßnahmen stiegen bundesweit die psychischen Erkrankungen unter den 6- bis 18-Jährigen um 20 Prozent. Erkrankungen wie Depressionen oder Burnout haben um 30 Prozent zugenommen. Jeder achte Jugendliche hat Erfahrungen mit digitaler Mediensucht gemacht. Wenn immer mehr Schüler Suchtverhalten und Konzentrationsstörungen an den Tag legen, können Lehrer keinen normalen Unterricht mehr durchführen. Diese massiven Probleme sind vor allem der verfehlten CoronaPolitik dieser Landesregierung geschuldet.
(Beifall AfD)
Es war bereits vor Corona für Lehrer immer schwerer geworden, zu unterrichten. Zu viele gesellschaftliche Probleme sollen seit Jahren bewältigt werden. Lehrer sollen mehr integrieren, mehr inkludieren, sie sollen immer mehr die sozialen Probleme lösen. Und wenn dann vielleicht noch ein wenig Zeit ist, können sie sich auf die Vermittlung von Lerninhalten konzentrieren. Genau diese Überlastung der Lehrer kann sich jetzt gewaltig rächen. Lehrer und Schüler müssen jetzt nicht nur daran arbeiten, die Unterrichtsinhalte wieder aufzuholen, sondern den gemeinsamen Umgang langsam wieder erlernen. Vor allem aber betreffen die CoronaMaßnahmen nicht nur die Schüler mit besonderem Unterstützungsbedarf, auf die sich die Landesregierung immer so gern konzentriert, sondern die Folgen der Corona-Maßnahmen betreffen alle Schüler. Was wir für die Zeit nach den Schulferien in Thüringen brauchen, ist Kontinuität für die Schüler und die Lehrer und Verlässlichkeit und das Recht auf den Schulbesuch.
(Beifall AfD)
Aber vor allem braucht es den politischen Willen dazu, dass die Bildung der Kinder immer oberste Priorität genießt. Das Wichtigste für die Zukunft ist: Lassen Sie die Schulen gefälligst offen! Vielen Dank.
(Beifall AfD)
