Astrid Rothe-Beinlich
e) auf Antrag der Fraktion der CDU zum Thema: „Zeit, die Thüringer Schulen fit zu machen. Lernlücken schließen, Ressourcen bereitstellen, Präsenzbetrieb im neuen Schuljahr gewährleisten.“
Herr Präsident, meine sehr geehrten Damen und Herren, zynisch ist an dieser Stelle ein gutes Stichwort. Wer sich ernsthaft nach eineinhalb Jahren Pandemie hier vorn hinstellt und immer noch sagt, Kinder würden schließlich nicht schwer erkranken, deswegen wäre das überhaupt kein Problem, Entschuldigung, der wirbt für eine Durchseuchung. Das müssen Sie von der AfD sich jetzt vorwerfen lassen.
(Zwischenruf Abg. Kießling, AfD: Das hat er
nicht gesagt!) Das haben Sie gesagt, genau das haben Sie gesagt. Entschuldigung, Sie müssten es langsam auch wissen – der sollte berücksichtigen, dass es Langzeitfolgen gibt, die auch und gerade Kinder treffen, von denen übrigens noch niemand weiß, was sie für die Zukunft dieser Kinder bedeuten. Vor allem sollten Sie wissen, dass die Kinder nicht allein im luftleeren Raum leben, sondern dass sie Eltern haben, dass sie Großeltern haben, dass auch sie Corona übertragen können. Das alles gilt es mitzudenken.
(Beifall DIE LINKE, SPD, BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN) Der Schluss, den ich daraus ziehe, ist der, dass ich dafür werbe, jetzt möglichst viele Mittel auch in die Forschung zu geben, damit wir schnellstmöglich auch für Kinder einen Impfstoff bekommen. Nur Impfen schützt, da bin ich ganz bei Torsten Wolf, der das eben auch schon ausgeführt hat. Ich will ganz deutlich sagen, nur Impfen wird uns tatsächlich langfristig helfen. Weil wir aber jetzt keinen Impfstoff haben, brauchen wir kurzfristige Lösungen und über diese sollten wir diskutieren. Wir müssen Schulen zu sicheren Orten machen, das sage ich auch, wir müssen sie zu Orten guter Schule machen. Dieses Thema beschäftigt diejenigen, die es ernst meinen, jedenfalls schon seit vielen Monaten und das immer und immer wieder. Dass die Rückkehr zur Präsenzpflicht richtig und wichtig ist, das ist uns, glaube ich, auch klar. Das ist schon ein bisschen ambivalent, wenn ausgerechnet Bundesminister Spahn der Meinung war, man könne nach den Sommerferien erst einmal wieder mit Wechselunterricht beginnen. Nein, sage ich ganz deutlich. Ich möchte, dass wir in Thüringen die Voraussetzungen dafür schaffen, dass wir tatsächlich den Präsenzunterricht für alle Kinder anbieten können. Aber was heißt das denn? Das heißt, dass wir die Schulen zu sicheren Orten machen müssen. Da reicht es eben nicht, auch als Schulträger, das will ich ganz deutlich sagen, sich auszuruhen und zu hoffen, dass es irgendwie doch nicht so kommt mit der vierten Welle. Das heißt, dass wir nicht nur CO -Ampeln in die Klassenräume stellen müssen – 2 das ist schon einmal ein Schritt, das will ich sagen. Das heißt, dass wir gerade auch in Klassenräumen, die nicht gut zu lüften sind, auch beispielsweise über Luftfilteranlagen reden müssen. Dafür haben wir auch Mittel im Haushalt bereitgestellt, aber interessanterweise werden die gar nicht so abgerufen. Das halte ich für ein Problem. Genauso wissen wir, dass die Maske vielleicht nicht charmant oder schön ist, aber dass sie schützt. Die Maske ist es, die uns schützt. Sie schützt auch unsere Kinder. Sie schützt die Kinder,
(Beifall DIE LINKE, SPD, BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN) die beispielsweise in Gruppenarbeit oder in Unterrichtssituationen eben nicht den Abstand in jeder Situation halten können. Sie schützt uns selbst und sie schützt vor allem auch andere. Deswegen sage ich ganz deutlich, sie ist natürlich eine Einschränkung in gewisser Weise, aber ich glaube, wir haben es alle gelernt, damit zu leben. Deswegen will ich sagen, solange wir sie brauchen, werden wir auf die Maske in der Schule setzen müssen – gerade in Situationen, wo eben die Abstände in der Form nicht gewahrt werden können. Ich will aber auch sagen, klar, das häusliche Lernen fand viel zu lange statt. Wir müssen hier überlegen, welche positiven Erfahrungen des häuslichen Lernens auch für die Zukunft genutzt werden können bzw. welche Kinder damit klarkamen und welche nicht und welche Methoden wir vielleicht an der Stelle noch verbessern müssen. Das fängt damit an, dass es mitunter ganz schlicht die Technik war, die gefehlt hat, das haben wir auch schon diskutiert. Es hat aber oft damit zu tun, ob die Kinder dann jemanden hatte, der ihnen zu Hause auch zur Seite stehen konnte, wenn es eben nicht nur über den Bildschirm – in Anführungszeichen – mit der Ansprache der Lehrerin von weit entfernt funktioniert hat. Ich will auch noch eines sagen, gerade für Schülerinnen und Schüler ist es wichtig, dass wir nicht – in Anführungszeichen – in einen Streit zu ihren Lasten geraten, der sie auch beeinträchtigt, sondern dass wir ihnen bestmögliche Bedingungen schaffen. Ich bin davon überzeugt, dass wir ein krisenfestes Bildungssystem nur gemeinsam mit allen Beteiligten auf Augenhöhe gewährleisten können. Die durch die Pandemie entstandenen Nachteile brauchen natürlich zusätzliche Förderangebote. Da ist es völlig richtig, dass wir von der Heterogenität der Schülerinnen und Schüler sprechen, weil sie sehr unterschiedlich damit klargekommen sind und dass wir Kinder eben nicht auf das reduzieren, was sie vielleicht nicht gelernt haben in letzter Zeit, sondern dass wir schauen, wie die Lernstände sind, um tatsächlich zielgenau zu überlegen, wie wir jedes Kind im Einzelnen tatsächlich adäquat fördern und fordern können. Das ist doch das Entscheidende. Niemand will den Kindern da die Ferien wegnehmen, weil der Vorwurf auch häufig gekommen ist. Es geht darum, Angebote zu schaffen, die wir beispielsweise über die Matching-Plattformen jetzt wiederfinden. Wir brauchen freiwillige Nachhilfeförderprogramme. Ich sage aber auch, das wird nicht alles über die Ferien zu kitten sein. Angebote muss es langfristig geben. Wir müssen übrigens auch langfristig in echte Schulentwicklungsprogramme investieren und hier den Ausgleich herkunftsbedingter Nachteile angehen. Lassen Sie mich ganz kurz noch etwas zum Thema „Schulsozialarbeit“ sagen, weil auch das ganz entscheidend ist. Unser Ziel ist, an jeder Schule tatsächlich die Schulsozialarbeit zu gewährleisten. Da ist das Engagement des Bundes im Aufholprogramm nett, aber eben keine Dauerlösung. Ich glaube, den Fragen müssen wir uns gemeinsam stellen, denn es geht um die Kinder, es geht um deren Zukunft und es geht um die Lehrerinnen und Lehrer. Lassen Sie uns Schule sicher machen und nicht hier irgendwie – ich sage es so – auch Scheindebatten bedienen, wie es die AfD immer wieder gern tut.
(Beifall DIE LINKE, SPD, BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN)
