Dr. Wolfgang Lauerwald
Erforschung von Long-COVID priorisieren: Klinische Daten erheben, Langzeitfolgen analysieren, wirksame Therapien entwickeln und in Regelversorgung implementieren
Sehr geehrter Herr Präsident, werte Kollegen Abgeordnete und Zuhörer am Livestream, als Mediziner ist es essenziell, sich mit allen Facetten einer Erkrankung zu befassen, mit den Ursachen, akuten Symptomatiken und möglichen chronischen Verläufen. Die Forschung ist wichtig und dringend gefordert, wenn es sich um eine neuartige Erkrankung handelt, auch wenn es das altbekannte Coronavirus betrifft, welches in neuer Verwandlung daherkommt. Es ist notwendig und selbstverständlich, die Forschung auch zu Langzeitfolgen einer COVID-19-Erkrankung zu aktivieren und zu intensivieren. Das ist glücklicherweise schon in vollem Gange. Die FDP hat das erkannt und das Thema in ihrem Antrag aufgegriffen. Ich finde das gut, wichtig und unterstützenswert. Bemerkenswert ist nur, dass alle Altparteien auf diesen Antrag noch aufgesprungen sind, und ich finde es doch ein bisschen als Zumutung, dass vor der Lüftungspause ein elfseitiger Vorabdruck als 3. Neufassung dann bekannt gemacht wurde und kaum Zeit war, sich das mal ordentlich durchzulesen.
(Unruhe BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Wir benötigen auch hier eine fundierte Datengrundlage, die wissenschaftlich fundiert erhoben werden muss, um die notwendigen richtigen Entscheidungen abzuleiten. Im letzten Jahr waren wir es leider gewohnt, Entscheidungen aus dem Bundesgesundheitsministerium präsentiert zu bekommen, die mehr auf Vermutungen, Schätzungen, Unfähigkeit und Panikmache statt auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basierten. Und dieser Prozess hält leider an, beispielhaft seien die Anti-Corona-Maßnahmen genannt, die auf unsicheren Tests beruhen, auf Neuinfektionen, die keine sind, auf Inzidenzen, die beliebig zurechtgetestet werden, und auf Zwangsmaßnahmen, die jenseits valider Daten und des gesunden Menschenverstandes festgelegt werden. Nun aber zurück zum Thema „COVID-19-Langzeitfolgen“: In der wissenschaftlichen medizinischen Literatur sind bereits Ergebnisse zu finden, die hoffen lassen, Patienten mit dem Problem Post-COVID bzw. Long-COVID helfen zu können. Prof. Dr. med. Andreas Stallmach, Direktor der Klinik für Innere Medizin IV am Universitätsklinikum Jena, Infektiologe und Internist, hat sich des Themas der Spätfolgen von COVID-19 angenommen und auch eine Post-COVID-Ambulanz eingerichtet, um den Betroffenen eine Anlaufstelle zu bieten. Er schätzt insbesondere die mit COVID-19 einhergehende Endotheliitis – zu Deutsch Gefäßentzündung – als eine Komplikation ein, die später jenseits einer Lungenaffektion für bedeutsame Folgeerkrankungen verantwortlich sein kann. Aktuelle radiologische Untersuchungen bestätigen diese Entzündungsaktivität an den großen Körperarterien. Dem kann man mit einer gerinnungshemmenden Therapie begegnen. Obwohl es dafür noch keine in Studien belegte Evidenz gibt, sticht doch die Gerinnungsproblematik derart heraus, dass ein gewisser nebenwirkungsarmer Schutz der Patienten angebracht erscheint. Das ist ein vielversprechender Ansatz für diese Komplikation. Ein weiteres Problem als Langzeitfolge ist Fatigue. Dieses Symptom ist auch bei Krebserkrankungen und deren Therapie bereits bekannt. Auch wenn ein schwerer Verlauf, zum Beispiel mit invasiver Beatmung oder Intensivtherapie, die Patienten eher für Langzeitfolgen zu disponieren scheint, ist dies gleichwohl keine Zwangsläufigkeit. Gerade für die Post-COVID-Müdigkeit oder Fatigue spielt es offenbar keine Rolle, ob die Patienten stationär behandelt worden sind. Das Team um Dr. Liam Townsend, Klinischer Forscher am Trinity College Dublin, zeigte an einem Studienkollektiv von 128 Patienten mit einem Durchschnittsalter von 49,5 Jahren und zu 54 Prozent Frauen, dass zehn Wochen nach den ersten COVID Symptomen mehr als die ‑ Hälfte, genau 67 von 128 Patienten, über persistierende Fatigue klagte. Dies stand allerdings nicht im Zusammenhang mit der Schwere der Erkrankung, etwa einer stationären oder ambulanten Therapie, Sauerstoffgabe oder Intensivbehandlung. Auch in der Post-COVID-Ambulanz in Jena liegt das Verhältnis der Geschlechter bei einem Anteil der Frauen von 54 Prozent. Das mittlere Alter ist mit 51 Jahren ähnlich. Die Spanne der Altersverteilung der Patienten lag zwischen 17 und 77 Jahren. 46 Prozent der Patienten hatten die Erkrankung ohne Krankenhausaufenthalt überwunden. Dies zeigt, dass auch bei leichten Verläufen gehäuft Beschwerden auftreten können. In Jena beobachtete man Fatigue zu 60 Prozent, Depressionen zu 40 Prozent und kognitive Störungen zu 20 Prozent, allerdings jeweils in meist leichterer Ausprägung. Vor allem aber ist Fatigue ein prominentes Symptom in den internationalen Studien. Es darf gehofft werden, dass die wissenschaftliche Forschung bald Ergebnisse liefern kann, um die Langzeitfolgen von COVID-19 zu beeinflussen, möglicherweise zu beherrschen und den Patienten helfen zu können. Abschließend wünsche ich mir zu einem anderen Problem im Zusammenhang mit SARS-CoV-2 die gleiche nötige Aufmerksamkeit, Vehemenz und politische Unterstützung, zum Thema „Massenimpfung gegen Corona“ mit zahlreichen unklaren Todesfällen und schweren Erkrankungen und Komplikationen. Vielen Dank.
(Beifall AfD)
