Cornelia Klisch
Erforschung von Long-COVID priorisieren: Klinische Daten erheben, Langzeitfolgen analysieren, wirksame Therapien entwickeln und in Regelversorgung implementieren
Sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrter Landtagspräsident, auch von meiner Seite einen guten Tag. Ja, meine Vorredner haben es gesagt: Was wäre das für ein Plenum, wenn wir nicht über Corona reden? Heute reden wir aber eben nicht über Corona in Form der akuten Handlungsoption, sondern es geht um das gesundheitliche Danach, um das Corona-Danach, Long-COVID. Ich bin auch der FDP dafür dankbar, dass Sie diesen Aufschlag gemacht hat. Ich glaube, dass das wieder mal dafürspricht, wie wir, wenn es um Gesundheits- oder auch um Wissenschaftsinhalte geht, schnell und konstruktiv zusammenarbeiten können. Deswegen geht ein großer Dank an alle Beteiligten, die sich in den letzten 48 Stunden noch mal Zeit genommen haben, um dieses Projekt auf den Weg zu bringen. Corona – meine Vorredner sagten es – ist ja ein Chamäleon in dem, wie man Corona erlebt, wenn man an Corona erkrankt, und dementsprechend sehen auch – manchmal, nicht immer – die Nachwirkungen von Corona aus. Ich kann das aus meiner eigenen ärztlichen Tätigkeit bestätigen. Hätten Sie mich vor einem Jahr gefragt, was denn Long-COVID ist, hätte ich gesagt: keine Ahnung, habe ich noch nicht gesehen. Mittlerweile sehe ich das quasi täglich in meiner Arbeit und das sind wirklich dramatische Schicksale. Menschen, wenn – das klingt jetzt banal – man sich nicht konzentrieren kann oder wenn man die Treppe nicht hochkommt oder man schmeckt nichts oder man spürt nicht, ob der Tee kalt oder heiß ist, man hat Muskelschmerzen, man weiß auch gar nicht, wie lange solche Beschwerden noch anhalten. Man hat also ganz viel Unsicherheit und ist dann sicherlich auch psychisch belastet. Also das sind nicht einfach nur irgendwelche Symptome, die man mal nach einer Woche mit einem Medikament wegwischen kann. Wir haben hier noch viele Fragezeichen und wir brauchen hier auf jeden Fall – meine Vorredner sagten es – noch sehr viel Forschung. Wir sind – und da möchte ich aber auch meinen ärztlichen Kollegen und auch allen Therapeuten im Land danken – trotz allem aufgrund unseres pragmatischen Herangehens auch hier schon sehr konsequent und schon sehr weit vorangekommen. Denn letztendlich ist es ja genau dem zu verdanken, dass Ärzte nicht immer auf Politik warten und auch nicht die Therapeuten, dass einfach auch schon ein Austausch stattfindet, wie man dieses Syndrom und auch wie man natürlich Corona selbst bestmöglich behandeln kann. Genau dem ist es zu verdanken, dass wir dank der Wissenschaftler wissen, wie zum Beispiel auch Komplikationen bei Impfungen überhaupt entstehen und damit auch wissen, wie wir diese behandeln können. Trotz allem brauchen wir – gerade, wenn es um Long-COVID geht – klare Leitlinien. Wir brauchen wirklich eine klare Definition, worüber wir eigentlich reden. Und wir brauchen evidenzbasierte Therapien. Denn nur so können wir auch wirklich jeden Bürger in diesem Land gleichermaßen auf gleicher Grundlage Therapien anbieten und Kompetenzstrukturen letztendlich auch effizient stärken und auch Fragen beantworten, wie es Herr Plötner gerade angesprochen hat, wenn es dann doch auch um die Frage geht: Ich bin jetzt langfristig nicht belastbar, wie sieht es denn aus, kann ich auch mal auf meine Rentenansprüche zurückgreifen oder Ähnliches? – Also genau das ist die Frage dahinter. Es wurde gerade auch schon gesagt. Letztendlich geht es nicht darum, nur Expertise an irgendeinem Ort zu haben, sondern es geht darum, nicht auf informellen Kanälen, sondern auf offiziellen Kanälen Expertise zu den Menschen, zu den Therapeuten, zu den Behandlern zu bringen – und das sind nicht nur Hausärzte, das sind Fachärzte, das sind aber auch genauso Heilmittelerbringer, Ergotherapeuten, Physiotherapeuten und das sind die ambulanten und stationären Rehabilitationseinrichtungen, die wir natürlich auch stärken müssen. Das ist auch Teil der Verbesserung dieses Antrags gewesen, den wir als Rot-Rot-Grün geleistet haben, dass wir das als eine Aufgabe von uns allen sehen. Deswegen haben wir Politiker, denke ich, heute den ersten Schritt getan in die Richtung, die Gesundheit unserer Bürger in diesem Land ein Stückchen weiter abzusichern, zu schützen und nachhaltig zu stärken. Deswegen noch mal vielen Dank!
(Beifall DIE LINKE, CDU, SPD, BÜNDNIS
90/DIE GRÜNEN, FDP)
