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Robert-Martin Montag

FDP 04.06.2021 Sitzungen 7/49

Erforschung von Long-COVID priorisieren: Klinische Daten erheben, Langzeitfolgen analysieren, wirksame Therapien entwickeln und in Regelversorgung implementieren

Sehr verehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen, ich gebe zu, ich kann ja manchmal schon ein ganz schöner Lautsprecher sein, (Beifall CDU) das gehört auch dazu, aber Sie sehen mich heute wirklich – was mir selten passiert – ein bisschen aufgeregt, aber vor allen Dingen auch voller Demut zu Ihnen sprechen, und zwar deswegen, weil wir mit diesem Antrag nachweisen, dass Politik, so schwierig es auch manchmal sein mag und so unterschiedlich auch viele Positionen hier im Hause gesehen werden, dass wir aber, wenn wir Expertinnen und Experten befragen, die Betroffenen befragen, uns damit beschäftigen und gemeinsam aufeinander zugehen, ein Problem gemeinsam lösen können oder zu lösen helfen können, was viele Menschen draußen in diesem Land betrifft. Dafür danke ich Ihnen ganz herzlich. (Beifall CDU, FDP) Und dass ich das einbringen darf, freut mich natürlich umso mehr. 350.000 Menschen sind in der Bundesrepublik aktuell von Long-COVID betroffen, davon allein 70.000 Kinder. Die Tendenz ist steigend. Deswegen ganz kurz noch mal: Was ist eigentlich Long-COVID, worüber reden wir? LongCOVID ist eine komplexe, in hohem Maße mit körperlichen Einschränkungen verbundene Erkrankung, deren Beschwerden länger als zwölf Wochen andauern und nicht durch eine organische oder alternative Diagnose erklärbar sind. Die Definition beschreibt also ein Krankheitsbild, das weit über Organschäden infolge eines schweren Verlaufs einer COVID-19-Erkrankung hinausgeht. Long-COVID umfasst eine Vielzahl an körperlichen Symptomen, deutliche körperliche Erschöpftheit infolge einer Belastungsintoleranz, kognitive Probleme, Muskelund Gelenkschmerzen, Reizempfindlichkeit, teilweise auch posturale Tachykardie. Es kann eben jeden treffen. Man sagt, rund 10 Prozent derer, die von einer COVID-19-Infektion betroffen sind, entwickeln entsprechende Symptome. Das sind Hochbetagte, Kinder und Erwachsene und auch Menschen, die keine Symptome eines schweren Verlaufs zeigten oder eben auf stationäre Versorgung angewiesen waren. Erschreckende Parallelen gibt es zu einem anderen Krankheitsbild, das ist ME/CFS. Laut einer Studie der Charité haben bei 50 Prozent der Teilnehmer die diagnostischen Kriterien von ME/CFS zugetroffen. ME/CFS – wer sich damit beschäftigt, weiß es – bedeutet häufig einen Totalverlust der Lebensqualität. Studien sagen auch, rund 2 Prozent aller Long-COVID-Fälle werden dauerhaft chronische ME/CFS-Patienten bleiben. Das Problem ist, bis heute gibt es keine Behandlung und keine Therapie gegen diese für die Betroffenen schwere Erkrankung. Deswegen müssen wir jetzt handeln. Die USA machen es uns vor: 1,2 Milliarden Euro stecken sie in die Erforschung von Long-COVID. Wir müssen handeln, um die Defizite der Forschung gemeinsam nicht nur in Thüringen, sondern bundesländerübergreifend, auch landesübergreifend, international in den Griff zu bekommen, um irgendwann adäquat behandeln zu können – auch in den COVID-Ambulanzen, wo die Behandlung aktuell ja teilweise stationär erfolgen muss –, um entsprechende Finanzierungsfragen oder Fragen der sektorübergreifenden Versorgung zu klären. Deswegen bin ich sehr dankbar, dass heute der erste und – man darf auch sagen – bundesweit einzige strukturierte Antrag, der den Bereich der Grundlagenforschung mit konkreten Versorgungsfragen verbindet, hier hoffentlich eine Mehrheit finden wird. (Beifall FDP) Das Ziel dieser Initiative ist es, der Wissenschaft und dem Gesundheitssystem die notwendigen Forschungsstrukturen und -mittel bereitzustellen, um Long-COVID und auch ME/CFS besser erforschen und behandeln zu können. Meine Damen und Herren, ich bin sehr dankbar, dass wir diese Debatte heute in großer Gemeinsamkeit in diesem Haus führen dürfen. Ich freue mich sehr auf die entsprechende Debatte im Interesse der Betroffenen. Vielen Dank. (Beifall FDP)

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