Astrid Rothe-Beinlich
e) auf Antrag der Fraktion der AfD zum Thema: „Risikoabwägung und Kindeswohl statt ‚Regierungsimpfturbo‘ für Kinder und Jugendliche in Thüringen!“
Corona verstorbenen Kindern und Jugendlichen gleichzusetzen. Lesen Sie mal Ihre Begründung. Da schreiben Sie: Es sterben mehr Kinder an Verkehrsunfällen, deswegen ist es gar nicht so schlimm, wenn Kinder sich mit Corona infizieren.
(Zwischenruf Abg. Kießling, AfD: Das ist
falsch! Das interpretieren Sie so!) Haben Sie das mal gelesen, was Sie da aufgeschrieben haben? Sagen Sie das auch den Menschen, deren Kinder erkrankt sind? Sagen Sie das denen, deren Kinder gegebenenfalls jemanden angesteckt haben? Natürlich nicht absichtlich, logisch nicht. Die Kinder erkranken vielleicht nicht selber schwer, aber sie können übertragen. Es ist blanker Zynismus, was Sie hier vorgeführt haben.
(Beifall DIE LINKE, SPD, BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN) Die vergangenen Monate waren geprägt durch Kindergarten- und Schulschließungen – die Sie im Übrigen immer kritisiert haben – und durch massive Einschränkungen, von denen Kinder und Jugendliche besonders betroffen sind. Erwachsenen können Sie vielleicht sagen, in einem Jahr mag die Situation besser sein. Für Kinder ist ein Jahr mitunter gedacht, gefühlt manchmal fast ein ganzes Leben. Es ist doch auch völlig klar, dass mit der Zulassung des BioNTech-Impfstoffs ganz große Hoffnungen und auch Optimismus in Thüringen aufgekommen sind, dass die Gruppe der Kinder und Jugendlichen nun hoffentlich auch bald geimpft werden kann und Kinder und Jugendliche so schnell wie möglich in eine Normalität zurückkehren können. Eine allgemeine Empfehlung der STIKO steht noch aus, das stimmt, und sie ist für Anfang nächste Woche angekündigt. Die STIKO hat mehrfach gesagt, dass es voraussichtlich keine allgemeine Impfempfehlung für alle Kinder geben wird, sondern wohl nur für vorerkrankte Kinder. In dem Sinne zieht auch die Geschichte mit dem goldenen Aluhut auch dieses Mal wieder, denn Sie haben schon wieder irgendwelche Verschwörungsmythen hier ausgebreitet.
(Zwischenruf Abg. Gröning, AfD: Die Zeit
wird für uns sprechen!) Gut möglich, dass sich das Gremium an der Vorgehensweise bei der Grippe orientiert. In Deutschland gibt es nämlich keine generelle Impfempfehlung gegen Influenza für Kinder, wohl aber für Kinder mit bestimmten Vorerkrankungen. Genauso kann es auch hier kommen. Aber da ist es nicht die Aufgabe der Politik, das zu entscheiden, denn das wird die STIKO entscheiden. Klar ist für uns aber auch, dass es ohne eine STIKO-Empfehlung keinen allgemeinen Rat zur Impfung für Kinder und Jugendliche geben sollte. Was es aber derzeit braucht, das sind die Impfungen von Eltern, von Lehrkräften, von Erzieherinnen und Erziehern, von Schulpersonal. Aber entscheidend sind die Eltern, damit nämlich junge Menschen echte Schutzräume zu Hause vorfinden. Dazu gehört es auch, in der Kommunikation ehrlich zu bleiben und auch zu kommunizieren, dass vielleicht im Moment noch nicht genügend Impfstoff für weitere Erstimpfungen vorhanden ist. Es ist entscheidend, die Familien bestmöglich mit Informationen zu versorgen, um eine verantwortungsvolle – und das sage ich ganz deutlich – Impfentscheidung treffen zu können, damit der Schutz in allen Altersgruppen wirksam erhöht werden kann. Wir setzen hier auf die verantwortungsvolle Arbeit von Kinderärzten, auf Aufklärung und auf Freiwilligkeit. Ich sage es noch mal: Für uns ist es ganz wichtig, dass der Impfstatus von Kindern kein Ausschlusskriterium für Teilhabe sein kann und darf, das will auch niemand. Also sparen Sie sich bitte immer wieder diese Mythen.
(Beifall DIE LINKE)
Verunsicherungskampagnen, wie wir sie heute wieder erlebt haben, sind wirklich das Letzte, was wir brauchen. Und noch einmal: Natürlich wünschen wir uns Impfungen auch für Kinder. Das haben wir uns auch schon vor einem Jahr gewünscht, das ist doch logisch. Dass es möglichst bald einen Impfstoff gibt, wünschen wir uns alle. Denken Sie doch mal darüber nach! Vielleicht war das bei Ihnen anders, Sie lassen sich dann irgendwie heimlich in Russland mit ganz anderen Impfstoffen impfen. Aber natürlich waren wir alle froh, als es hieß, dass auch hier die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Abgeordneten mit in die Impfpriorität fallen, weil wir uns tagtäglich mit Menschen umgeben. Das ist nun mal Aufgabe der Politik, das Gespräch zu suchen, aber auch weil wir mit Kindern leben und mit Kindern zu tun haben, für die es noch keinen Impfschutz gab. Als dann bekannt wurde, dass es jetzt bald einen Impfstoff für Kinder gibt, war und ist das natürlich ein Hoffnungszeichen. Hören Sie auf mit der Verunsicherung! Ja, es braucht natürlich noch weitere Daten, das ist doch klar. Lassen Sie uns in die Forschung investieren, auch und gerade für Impfstoffe für Kinder. Das passiert nämlich noch viel zu wenig.
(Beifall DIE LINKE, BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
NEN) Lassen Sie uns alles dafür tun, damit die kommenden Generationen auch gesund aufwachsen können. Sie mussten sehr lange auf sehr vieles verzichten. Da gehören Impfungen ganz sicher dazu, das Leben von Kindern sicher und sicherer zu machen und sie auch effektiv vor dieser Pandemie und dieser Erkrankung zu schützen. Vielen herzlichen Dank.
(Beifall DIE LINKE, SPD, BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN)
