Denny Jankowski
Digitalisierung an Grundschulen darf kein Selbstzweck sein
Sehr geehrter Herr Präsident, werte Abgeordnete, liebe Eltern und Schüler am Livestream, noch vor fünf Jahren war die Debatte gerade in Deutschland ziemlich kritisch, was die Digitalisierung im Bildungsbereich angeht. Kritiker der Digitalisierung wurden in anderen Bundesländern auch mal von den Altparteien zur Anhörung eingeladen. Aber der Zeitgeist geht weg von einer kritischen Prüfung hin zu dem Motto „neu ist immer besser“. Landauf, landab werden immer mehr Tablets und Laptops an Schüler verteilt. Teilweise haben wir nun in Thüringen schon Tablet-Klassen im Grundschulbereich. Gerade bei den jungen Schülern im Grundschulalter zeigt die Forschung, dass die Nachteile der Digitalisierung deutlich größer sind als die vermeintlichen Vorteile.
(Beifall AfD)
Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung empfiehlt nicht umsonst Grenzwerte für die maximale Mediennutzungsdauer für Kinder und Jugendliche. Weil das hier auch in den anderen Fraktionen und der Regierung immer gern mal ignoriert wird, möchte ich noch mal betonen, dass der Grenzwert für die Nutzung von Bildschirmmedien im Grundschulbereich, also für die sechs- bis zehnjährigen Kinder, bei maximal 45 bis 60 Minuten pro Tag liegt. Die negativen Folgen für die übermäßige Mediennutzung auf die Kindesentwicklung sind hinreichend bekannt: angefangen von einer Zunahme von Kurzsichtigkeit, einer Verkürzung der Aufmerksamkeitsspanne und Konzentrationsfähigkeit bis hin zu einem erhöhten Suchtrisiko. Das sind nur einige wenige Aspekte, welche negativen Auswirkungen digitale Medien auf die Kindesentwicklung haben können. Gerade das letzte Jahr mit den coronabedingten Schulschließungen und der Umstellung auf Distanzunterricht hat dies noch mal eindrucksvoll bewiesen.
(Beifall AfD)
Es wurde mehr als deutlich, dass die Probleme im Bildungsbereich nicht gelöst werden können, indem man Laptops und Tablets einfach so an Schüler verteilt und die Schüler dann zu Hause an den Geräten sitzen. Dieser Weg ist eine Sackgasse.
(Beifall AfD)
So ein Online-Klassenchat ist vielleicht ganz nett, aber nur ein ganz schlechter Abklatsch der Realität. Mit über 20 Gesichtskacheln und gestörter Kommunikation ist ein Unterrichten einfach kaum möglich. Laptops helfen nicht, weil sie den Kindern in der Grundschule nicht beim Schreibenlernen dienlich sind. Laptops helfen nicht, weil die Inhalte nicht besser oder nachhaltiger vermittelt werden können. Und Laptops helfen vor allem nicht, weil sie oberflächliches Arbeiten fördern und Lernen mit allen Sinnen nicht ermöglichen. Aber leider verfolgen im Landtag alle Parteien außer uns weiterhin den Kurs der planlosen Digitalisierung im Grundschulbereich. Teilweise wollen Sie sogar den Distanzunterricht mithilfe der Digitalisierung verstetigen. Wenn es für die Vermittlung von Lerninhalten dienlich ist, an Computern zu arbeiten, kann dies gezielt in Computerkabinetten oder Medienpools stattfinden. Diese haben den Vorteil, dass dort die Schüler zeitlich begrenzt und konkret zweckgebunden an den Bildschirmen arbeiten können. Die Lehrer können gezielt entscheiden, für welche Lerninhalte sie mit den Schülern in die Medienpools gehen wollen und wo diese der Vermittlung des Lernstoffs wirklich dienlich sind. Es ist definitiv nicht dienlich, jedem Grundschüler ein Tablet oder einen Laptop auszuhändigen, denn dies behindert das Lernen mehr, als es nützt. Zum Teil wurde in den Anträgen der anderen Fraktionen im letzten Jahr die Digitalisierung sogar als Mittel gegen den Lehrermangel verkauft und als Möglichkeit, flexibler, ortsunabhängiger und individueller zu lernen. In der Handreichung der Landesregierung zum häuslichen Lernen heißt es sogar – ich zitiere –: „Gleichwohl haben in dieser besonderen Situation alle Beteiligten Erkenntnisse gewonnen, die nachhaltig in die Gestaltung von Schule und Unterricht einfließen werden. […] Gleichzeitig zeigt sich ein enormes Entwicklungspotential hin zur Umsetzung einer Kultur des Lernens, welche die Eltern unmittelbar am Lernprozess der Kinder und Jugendlichen beteiligt.“ Was hier so wohlklingend formuliert wurde, heißt nichts anderes, als dass sich die Eltern darauf einstellen können, auch nach Corona öfter mal zu Hause bleiben zu müssen, um Ersatzlehrer zu spielen. Diesem Weg stellen wir uns als einzige Fraktion entschieden entgegen.
(Beifall AfD)
So wird in unserem Antrag klar gefordert, dass Distanzlernen nur als Ausnahmesituation zu betrachten ist und nicht als Alltagsform des schulischen Unterrichts und als mögliche Lösung für bestehenden Lehrermangel. Gerade das vergangene Jahr mit dem chaotischen Distanzunterricht und den dadurch entstandenen gravierenden Lernrückständen hat uns in unserer Position bestätigt. In unserem Antrag „Digitalisierung an Grundschulen darf kein Selbstzweck sein“ möchten wir den Einsatz von digitalen Medien gerade im Grundschulbereich noch mal kritisch durchleuchten. Ich freue mich auf eine angeregte Diskussion. Vielen Dank.
(Beifall AfD)
