Franziska Baum
Pandemiebewältigung in der Bildung – chancengerechten Zugang zu außerschulischen Lern- und Förderangeboten ermöglichen
Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen, vielen Dank für die Ausführungen zu unserem Antrag, ich würde gern auf ein, zwei, drei, vier, na ja, auf mehrere noch mal ganz konkret eingehen wollen. Es ist eine Lösungsmöglichkeit. Es ist ein Bestandteil dessen, was möglicherweise helfen könnte, die Lernrückstände bei den Kindern aufzuholen. Spannenderweise sind unter den Argumenten, die Sie jetzt alle aufgebracht haben, die gegen den Antrag sprechen, ganz viele gewesen, bei denen ich gesagt habe: Ja genau, da kann unser Vorschlag durchaus helfen. Ich habe auch gleich in der Einbringung gesagt, dass es hier nicht darum geht, den Heiligen Gral auf den Tisch zu stellen, sondern eben einen Vorschlag zu machen. Wenn ich ganz ehrlich bin, hatte ich auch in den vergangenen Wochen damit gerechnet, dass hierzu von Ihrer Seite noch weitere Ideen und Vorschläge kommen, denn – da hat Herr Wolf völlig recht – das Thema gehört in den Ausschuss, um im Ausschuss darüber zu sprechen, welche Möglichkeiten es gibt, welche Ideen vielleicht aus den unterschiedlichen Erfahrungshintergründen auch kommen. Es geht hier in keiner Weise darum, irgendwie die Verantwortung zu privatisieren, sondern es geht darum, den Familien den Spielraum zu geben, den sie brauchen, um Lernrückstände aufzuholen, die vielleicht durch die Schulen nicht aufgefangen werden können. Denn ich bin ganz ehrlich, wenn ich das höre, was Herr Tischner aufführt, was es alles für Maßnahmen in den Schulen geben soll, die dann dafür sorgen, dass die Kinder alle auf den neuesten Stand kommen, höre ich eigentlich auch schon die Lehrerinnen und Lehrer fragen, wann sie das eigentlich machen sollen, die zusätzlichen außerschulischen Angebote, die Eltern- und Lehrer-Gespräche. Dass der Lernstand festgestellt werden muss, das ist völlig unstrittig. Die Frage ist nur, wie man mit diesen Erkenntnissen umgeht, wenn die besagen, der Lernstand ist so schlecht, dass wir eigentlich einen richtig intensiven Kurs machen müssten. Man kann da jetzt natürlich Sonderklassen aufmachen, klar. Ich frage mich nur, wo Sie die Lehrer dafür hernehmen – aber dazu haben Sie wahrscheinlich auch schon einen Plan und eine Idee.
(Beifall FDP)
Wir haben eine unglaublich heterogene Situation an den Schulen. Das haben Sie alle mit bestätigt. Für uns ist einfach der Punkt, weshalb wir das einbringen, weil natürlich auch klar ist, dass, wenn dieser Vorschlag von jemandem kommt, dann kann er nur von uns kommen, weil Sie davon ausgehen, dass Sie das im Schulsystem gelöst kriegen. Wir sind der Meinung, es müssen alle Akteure, die mit Schule und mit Bildung zu tun haben – und dazu gehören die Nachhilfeinstitute –, hier an den Tisch und müssen mithelfen, dass wir das Problem gelöst kriegen. Und wenn Sie das mit den aktuellen Ressourcen gestemmt kriegen und garantieren können, dass Sie keine privatwirtschaftliche Unterstützung brauchen, dann gern, dann ist es völlig in Ordnung, dass der Antrag abgelehnt, nicht diskutiert wird. Wenn ich mir aber anschaue, was in den letzten Monaten im Schulsystem gelaufen ist – und da spreche ich über die Digitalisierung der Schulen zum Beispiel, die Sie auch lieber ohne privatwirtschaftliche Unterstützung durchgezogen haben –, dann fehlt mir da leider der Glaube.
(Beifall FDP)
