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Franziska Baum

FDP 06.05.2021 Sitzungen 7/45

Pandemiebewältigung in der Bildung – chancengerechten Zugang zu außerschulischen Lern- und Förderangeboten ermöglichen

Vielen Dank, Herr Präsident. Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, liebe Eltern, Schülerinnen und Schüler an den Endgeräten, in den Medienberichten der letzten Tage hieß es, dass jede vierte Schülerin, jeder vierte Schüler aufgrund der pandemiebedingten Schulschließungen Lernstoff aufzuholen hat. Und es ist wahrscheinlich gelinde ausgedrückt, wenn ich sage: Das vergangene Schuljahr war kompliziert. Das ständige Umplanen in den Schulen ist nicht nur ein Stressfaktor für Lehrerinnen und Lehrer und für die Familien gewesen, sondern es führt vor allem auch dazu, dass pädagogische Pläne, die im Unterricht umgesetzt werden sollen, eher nicht so funktionieren, wie sie geplant waren. Einige Schülerinnen und Schüler sind mit der Situation besser klargekommen als andere. Gerade da, wo Eltern gut unterstützen konnten, wo die Ausstattung gegeben war, ist der Distanzunterricht besser durchzuhalten gewesen als überall dort, wo das nicht gegeben war. Und es ist auch breiter Konsens, dass viele Schülerinnen und Schüler mit Ende des Schuljahres nicht auf dem Lernstand sein werden, auf dem sie wären, wenn wir einen normalen Verlauf des Schuljahres gehabt hätten. Damit wird das Aufholen von Lernrückständen und vor allem aber auch der Neustart in Sachen Motivation, Lernmotivation eine der Hauptaufgaben sein, die wir im Bereich Bildung, im Bereich Jugendhilfe in den nächsten Monaten vor uns haben. Und es gibt sicher verschiedene Herangehensweisen, wie man mit diesem Problem umgeht. Die Freien Demokraten haben sowohl im Bundestag verschiedene Problemlösungsvorschläge vorgelegt und auch wir als Freie Demokraten hier im Thüringer Landtag haben den nun zu besprechenden Antrag eingebracht. (Beifall FDP) Ich hätte den gern schon im vorletzten Plenum mit Ihnen besprochen, da bin ich ganz ehrlich. Deswegen wollten wir den platzieren; das traf hier auf keine Mehrheit. Jetzt können wir immerhin die Sachen in die Diskussion einbeziehen, die aus dem Bund kommen, wo ja ein relativ groß geschnürtes Finanzpaket auf Umsetzung wartet. Liebe Kolleginnen und Kollegen, lassen Sie mich gleich vorab sagen, wir verstehen unseren Antrag hier als Idee, der durchaus mit weiteren Ideen angereichert werden muss. Meine Großmutter pflegte immer zu sagen: Das beste Büfett ist das, wo jeder was mitbringt. Es geht jetzt hier nicht darum, dass wir den heiligen Gral in den Raum werfen, sondern dass wir einen Diskussionsaufschlag machen wollen, um genau dieses Thema, nämlich die Pandemiebewältigung in der Bildung, aufzumachen und verschiedene Ideen auf den Tisch zu werfen und dazu das beste Programm stricken. Wichtig ist uns, dass alle Kinder und Jugendlichen von der ersten Klasse bis zur berufsbildenden Schule jetzt die Möglichkeit erhalten, das aufzuarbeiten, was in den letzten anderthalb Schuljahren auf der Strecke geblieben ist. Unser Vorschlag ist eine Art Bildungsgutschein, den die Schülerinnen und Schüler individuell und unkompliziert mit größtmöglicher Wahlfreiheit einsetzen können. Das heißt, Schülerinnen und Schüler, in dem Zusammenhang auch die Familien sollen sich frei aussuchen können, welches Bildungs-, Lern- oder Förderangebot sie nutzen wollen. Da geht es natürlich auf der einen Seite darum, welche Lernlücken zu schließen sind. Es geht aber auf der anderen Seite auch einfach darum, was sich in der Familie gut organisieren lässt, also ist es eher ein Nachhilfeangebot im nächsten Schuljahr oder ist es ein Lernsommercamp in einer Familienferienfreizeit. Unbürokratisch soll es sein – das versteht sich, glaube ich, von selbst, wenn das die Freien Demokraten vorschlagen – und die Abrechnung soll möglichst unabhängig von den Familien umgesetzt werden. Die Angebote, die wir meinen, die eingebunden werden können, sind auf der einen Seite die klassische Nachhilfe, auf der anderen Seite aber auch Dinge wie Schreibwerkstätten, die vielleicht von Volkshochschulen angeboten werden oder Sommerferiencamps, um Nebenfächer aufzuarbeiten oder um überhaupt die Motivation zum Lernen wiederzufinden. Sie sehen, wir denken da breit und sind auch für weitere Anregungen und Ideen offen, damit wir am Ende ein Programm zusammenstricken können, das einfach für jedes Kind ein Angebot schafft, um die Defizite aufzuholen. Die Finanzierung – das habe ich vorhin angesprochen – ist ja schon im Aktionsprogramm von der Bundesregierung zumindest als eine Möglichkeit offengelegt. Sicher kann Thüringen da noch ein eigenes Programm aufmachen, wie es andere Bundesländer auch getan haben. Ich erinnere an Mecklenburg-Vorpommern, die haben im vergangenen Jahr im Sommer bereits ein ähnliches Programm aufgelegt wie das, was wir hier an der Stelle vorschlagen. Wichtig ist uns, dass die ganze Sache unbürokratisch und möglichst auch zügig vonstattengeht. Gerade, wenn wir über das Thema „Finanzen aus dem Bund“ sprechen und ich Vorverträge lese, die noch mit den Ländern zu schließen sind, habe ich ein bisschen Angst, dass wir über die Sommerferien hinwegrutschen, ohne es zu merken. Schön wäre es, wenn wir Möglichkeiten finden, das zeitnah umzusetzen, die Ferien zu nutzen, und dann aber logischerweise auch weiter hinein ins nächste Schuljahr kommen. Ich beantrage namens meiner Fraktion die Überweisung des Antrags an den Ausschuss für Bildung, Jugend und Sport, wo wir das Thema weiter und umfangreicher besprechen können. Ich freue mich auf die Debatte hier und darauf, dass wir gemeinsam unkomplizierte und passende Möglichkeiten für alle Schülerinnen und Schüler finden, wieder Spaß an Schule zu haben. Vielen Dank.

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